10. Juni 2020 / 14:26 Uhr

Hansi Flick lobt: Leon Goretzka ist beim FC Bayern plötzlich Muskelberg und Musterschüler 

Hansi Flick lobt: Leon Goretzka ist beim FC Bayern plötzlich Muskelberg und Musterschüler 

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Musterschüler und Muskelprotz: Leon Goretzka ist beim FC Bayern in Topform.
Musterschüler und Muskelprotz: Leon Goretzka ist beim FC Bayern in Topform. © Sven Simon/imago images, Matthias Hangst/Getty Images, Montage
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Leon Goretzka ist seit dem Neustart nach der Corona-Pause der Dreh- und Angelpunkt des Spiels des FC Bayern. Auch im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt wird es wieder auf den 25-Jährigen ankommen. Trainer Hansi Flick schwärmt von seinem neuen "Muskelprotz".

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Es ist ein kleiner Makel in der bisher so traumhaften Karriere von Leon Goretzka, doch dieser dürfte ihn bis heute schmerzen. Ein Bluterguss verhinderte im vergangenen Jahr, dass der Traum von seiner ersten DFB-Pokalfinal-Teilnahme in Erfüllung ging. Statt beim berauschenden 3:0-Sieg des FC Bayern München in Berlin gegen RB Leipzig auf dem Rasen zu stehen, musste er zuschauen. Dabei war er bereits im letzten Jahr ein echter Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld des Rekordmeisters.

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Das ist er auch aktuell wieder. Der gebürtige Bochumer ist seit dem Restart der Bundesliga nicht mehr aus der Mannschaft von Trainer Hansi Flick wegzudenken, strahlt eine ungemeine Präsenz aus. Und das liegt nicht allein an den Muskeln, die sich Goretzka während der Corona-Pause antrainiert hat. Auch am Mittwoch, im dritten Pokal-Halbfinale seiner Karriere, gegen Eintracht Frankfurt wird er wohl wieder eine wichtige Rolle spielen. Flick jedenfalls setzt auf seinen Mittelfeldspieler. "Leon hat seine Qualitäten. Gerade gegen den Ball merkt man jetzt seine Dynamik. Er hat eine gesunde Aggressivität und damit viele Ballgewinne", sagte der Trainer des FC Bayern am Dienstag auf SPORTBUZZER-Nachfrage. "Dann kann er gefährliche Angriffe einleiten."

Goretzka brillierte gegen Leverkusen

Wie schnell das geht, musste Bayer Leverkusen, möglicher Finalgegner in diesem Jahr in Berlin, am Samstag leidvoll erfahren. Er war der beste Mann auf dem Platz, war an fast allen gefährlichen Toraktionen beteiligt, brachte 96 Prozent seiner Zuspiele an den Mann. Sein Ballgewinn im Mittelfeld leitete den Ausgleich durch Kingsley Coman ein, das zweite Bayern-Tor schoss er selbst. Seine Muskelmasse hilft Goretzka. "Ich fühle mich aktuell sehr gut und gewappnet für 90 Minuten. Ich habe nicht an Geschwindigkeit verloren – im Gegenteil", so der 25-Jährige. Zudem kann sich Goretzka in Zweikämpfen nun besser behaupten, gewann 29 seiner direkten Duelle in Zweikämpfen – die zweitmeisten im Bayern-Kader. Die Corona-Transformation hilft seinem Spielstil.

Und der stellt Flick vor ein Luxus-Problem, denn an dem ehemaligen Schalker kommt der Trainer derzeit kaum vorbei. Thiago, der normalerweise das Mittelfeld des Rekordmeisters dirigiert, muss zuschauen. Dabei kämpfen die Bayern bei ihm aktuell um eine Vertragsverlängerung. Das wird Goretzka aber wohl nur peripher interessieren, schließlich musste auch er sich erst wieder in die Mannschaft kämpfen. Vor der Corona-Pause kam er meistens als Edel-Joker von der Bank, schaute lange zu. Ein Zustand, der dem ehrgeizigen Nationalspieler mächtig auf die Nerven ging. "Dass ich nicht glücklich bin, kann man, denke ich, offen und ehrlich sagen. Das wird man besprechen müssen", sagte er etwa nach dem 2:0-Sieg über den FC Augsburg.

Flick will Goretzka "nicht auf die Muskelmasse reduzieren"

Dann kam die Corona-Pause und Goretzka pumpte sich auf, arbeitete intensiv an sich und baute massiv Muskelmasse auf. "Da musst du die Faust in die Tasche stecken, weiter an dir arbeiten, dass du die Form hältst und dich anbietest", sagte Goretzka. Mit Erfolg. "Das kommt seinem Spiel zugute", bestätigte Flick. "Aber ich will ihn nicht auf die Muskelmasse reduzieren."

Zweifellos ist Goretzka mehr – und beschränkt sich auch nicht nur auf den Fußball. Kurz nachdem die Coronavirus-Pandemie Deutschland richtig erwischte, gründete er mit seinem Mitspieler Joshua Kimmich die Hilfsinitiative _#WeKickCorona. "Wir wollten so direkt, konkret und lokal helfen, wie es nur geht, und wir wollten erfahren, wer gerade jetzt Hilfe benötigt", sagte er damals im SPORTBUZZER-Interview. Goretzka steht nicht auf leere Worthülsen, setzt Vorhaben in die Tat um, packt an.

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So wie auf dem Platz – und das hat natürlich auch Bundestrainer Joachim Löw registriert. "Gerade seine jüngste Entwicklung ist sehr erfreulich, Leon hat sich bei Bayern München eine sehr gute Position erarbeitet", lobte er im Kicker. "Zurzeit fühlt er sich so gut wie selten zuvor, wie er mir kürzlich am Telefon sagte." Er sei ein Mann, "auf den man sich verlassen kann – als Mensch und als Spieler".

Klammheimlich ist Goretzka so zu einem Anführer in der Mannschaft von Flick aufgestiegen. "Aktuell ist unser großer Vorteil, dass wir elf Chefs auf dem Platz haben", sagte Goretzka zuletzt. Er ist allerdings einer der führenden Köpfe – vermutlich wird auch Eintracht Frankfurt das am Mittwoch zu spüren bekommen. Und dann könnte er am 4. Juli in Berlin seinen Makel aus dem letzten Jahr ausmerzen.