Es war der große Trainer-Knall in dieser Bundesliga-Saison: Ende März musste Julian Nagelsmann trotz aussichtsreicher Position des FC Bayern München in den wichtigsten Wettbewerben gehen und wurde durch Thomas Tuchel ersetzt. Die ernüchternde Bilanz seitdem: Viertelfinal-Aus im DFB-Pokal und in der Champions League sowie der Verlust der Tabellenführung in der Bundesliga vor dem letzten Spieltag. Am Samstag kann Titelrivale Borussia Dortmund aus eigener Kraft Meister werden. Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist damit klar, dass sich sich dem Trainerwechsel beim FCB nichts zum Besseren gewandelt hat – im Gegenteil.
"Natürlich wurden auch schon vor dem Trainerwechsel viele Fehler gemacht, die schließlich zu dieser Situation geführt haben. Aber die Mannschaft, die unter Nagelsmann noch auf Triple-Kurs lag, spielt unter Tuchel schlechter", kritisierte der Weltmeister von 1990 nun gegenüber der Bild. Der Kader der Münchner sei laut Matthäus in dieser Saison so gut gewesen, "dass man mit ihm mindestens Meister werden muss". Allerdings habe die Mannschaft nicht funktioniert, stellte der heutige Sky-Experte fest. Daran habe auch Tuchel einen Anteil: "Tuchel hat die Verunsicherung noch vergrößert, weil er auf seinen Pressekonferenzen, die mir etwas eigenartig vorkommen, immer davon redet, wie schwierig alles ist und was alles nicht funktioniert, statt sich vor die Mannschaft zu stellen", monierte Matthäus.
Der FC Bayern in Noten: Die Einzelkritik zum Patzer gegen RB Leipzig
Auch würde Tuchel (elf Pflichtspiele mit den Bayern, fünf Siege, vier Niederlagen) zu viele Positionswechsel vornehmen. So hätten beim wohl meisterschaftsvorentscheidenden 1:3 im Heimspiel gegen RB Leipzig am vergangenen Samstag gleich mehrere Spieler wie Thomas Müller als Mittelstürmer nicht auf ihren besten Positionen gespielt. "Wie sollen da Stabilität und Sicherheit entstehen? Dann wechselte Tuchel beim Stand von 1:1 Torschütze Gnabry gegen den formschwachen Sané aus, dazu Goretzka, der sich wirklich reingehauen hat, gegen den unzufriedenen Gravenberch. Und bei 1:2 bringt er Tel für Coman, der eigentlich als einziger noch stark in Eins-gegen-Eins-Situationen ist. Unverständlich, das wirkte wirklich ratlos", zählte Matthäus den Coach an.
Auch, dass Tuchel intern neue Spieler fordern soll, sieht Matthäus kritisch: "Dass in der alles entscheidenden Meisterschafts-Phase Namen wie Declan Rice, Adrien Rabiot oder Julian Alvaréz durchgesickert sind, hat zusätzlich zur Verunsicherung der Mannschaft beigetragen", so der einstige Bayern-Kapitän.
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