07. November 2020 / 06:00 Uhr

Bayern-Keeper Manuel Neuer im Exklusiv-Interview über das BVB-Duell, den FCB-Kader und seine Zukunft

Bayern-Keeper Manuel Neuer im Exklusiv-Interview über das BVB-Duell, den FCB-Kader und seine Zukunft

Raimund Hinko
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im SPORTBUZZER-Interview spricht Bayern-Keeper Neuer unter anderem über das Duell gegen den BVB.
Im SPORTBUZZER-Interview spricht Bayern-Keeper Neuer unter anderem über das Duell gegen den BVB. © imago images/RHR-Foto
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Am Samstagabend muss der FC Bayern in der Bundesliga zum Topspiel bei Borussia Dortmund ran. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Bayern-Kapitän Manuel Neuer vorher über die Stärken des BVB, die Posse um David Alaba und seine persönliche Zukunft.

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Herr Neuer, steigt der Blutdruck vor dem deutschen Clasico bei Ihnen?

Mehr Rivalität geht nicht. Dennoch freue ich mich riesig auf dieses Spiel, bin ganz entspannt.

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Sie kommen nicht nur als Bayern-Torwart. Sie kommen auch als Ex-Schalker.

Ja, ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, in Gelsenkirchen aufgewachsen. Für mich ist es nicht nur der deutsche Clasico, sondern immer auch ein Derby. Der Puls bleibt dennoch ruhig. Als Bayern-Ältester mit so vielen Duellen kommt man in eine gewisse Routine.

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Erling Haaland ist 14 Jahre jünger. Dennoch könnte Dortmunds Torjäger für Sie gefährlich werden.

Er hat einen guten Tiefgang, eine gute Geschwindigkeit, ein schnelles Anlaufverhalten. Die Dortmunder schicken ihre Spieler gern in die Tiefe, suchen die Eins-zu-eins-Situation. Es liegt nicht immer in meiner Hand. Ich muss eben versuchen, ihm das Leben so schwer wie möglich zu machen.



Würden Sie sich mit Ihrer Technik eigentlich zutrauen, in der Bundesliga im Feld zu spielen?

Vorstellen könnte ich es mir schon. Ich habe eine ähnliche Statur wie Javier Martinez. Pep Guardiola (Bayern-Trainer von 2013 bis 2016, d. Red.) hatte mal so eine Idee. Das wäre allerdings vermessen, respektlos gegenüber den anderen.

Nach dem Champions-League-Sieg gegen Paris Saint-Germain sprach PSG-Trainer Thomas Tuchel von Wettbewerbsverzerrung, weil mit Ihnen ein zwölfter Mann in der Elf stünde.

Er hat mir kurz nach Abpfiff gratuliert, war sehr traurig. Das ist natürlich ein schönes Kompliment, auch für mich etwas Besonderes.

Beim BVB versprüht man Zuversicht, die Bayern mal wieder zu knacken. Was erwarten Sie vom Gegner?

Im Supercup war es sehr knapp (3:2, d. Red.). Wir rechnen damit, dass sie uns tief anlaufen, sind darauf vorbereitet. Wir müssen unsere Ruhe und Dominanz im Ballbesitz auf den Platz bringen, damit sie viele Wege umsonst machen. Dortmund kann sehr variabel spielen. Wir sind es jedoch seit Guardiola gewohnt, unser System zwei-, dreimal im Spiel umzustellen.

Vor einem Jahr sagten Sie, der BVB sei in der Breite besser aufgestellt als der FC Bayern. Ist das noch der Fall?

Wir waren dann beim Turnier in Lissabon ebenfalls sehr gut aufgestellt. Spieler wie Coutinho und Ivan Perisic haben uns geholfen, dass wir Cham­pions-­League-Sie­ger werden konnten.

Beide haben den FC Bayern verlassen.

Zudem besteht immer die Gefahr, dass mit Corona infizierte Spieler ausfallen. Dennoch denke ich, dass wir einen guten Kader haben – auch in der Breite. Wir sind da sehr happy.

Die heißesten Duelle zwischen dem FC Bayern und dem BVB der vergangenen Jahre

Die Duelle zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern waren in den vergangenen Jahren geladen von Rivalität und spektakulärem Fußball. Die heißesten Duelle zwischen Kimmich, Lewandowski, Hummels, Aubameyang und Co. zeigt der <b>SPORT</b>BUZZER in dieser Galerie. Zur Galerie
Die Duelle zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern waren in den vergangenen Jahren geladen von Rivalität und spektakulärem Fußball. Die heißesten Duelle zwischen Kimmich, Lewandowski, Hummels, Aubameyang und Co. zeigt der SPORTBUZZER in dieser Galerie. ©

Wie viel ist Bayern wert ohne Robert Lewandowski, Thomas Müller, Jo­shua Kimmich oder Sie?

Die Frage stellt sich nicht, das sind ja unsere Spieler. Gerade die Achse mit Lewandowski, Müller, Kimmich, Goretzka, Alaba und mir – das ist schon wichtig, dass gerade im Zentrum Leistungsträger spielen. Führungsspieler, die gut coachen können, taktisch was draufhaben, die richtige Mentalität mitbringen. Diese Achse ist lebensnotwendig.

Sie coachen mit Kimmich und Leon Goretzka die beiden Sechser. Sind Sie mit den beiden zufrieden, nachdem Thiago zum FC Liverpool gegangen ist?

Ja. Thiago ist dennoch ein schwerer Verlust für uns. Kimmich und Goretzka haben sich sehr gut entwickelt und sind immer noch in einem Alter (beide 25, d. Red.), wo sie laufend dazulernen.

Können Sie mit 34 auch noch dazulernen?

(Überlegt) Man lernt ja immer im Leben. Ob sich der Fußball noch ex­trem verändert, kann ich nicht sagen. Ich gebe in jedem Training mein Bestes. Es geht um Feinheiten, um Schrittfolgen, um Sprungkraft, um den richtigen Pass, ums Rauslaufen.

Gianluigi Buffon steht mit 42 immer noch im Kader von Juventus Turin. Ist das auch Ihr Ziel?

Es ist nicht mein Ziel, der Torwart zu werden, der am längsten gespielt hat. Ich will es genießen. Ich freue mich über jede Saison, in der es mir gut geht, in der ich der Mannschaft helfen kann, in der es mir Spaß macht. Ich will gesund bleiben. Damit die Lebensqualität nicht verloren geht, ich später noch Tennis spielen kann. Ich möchte mich nicht kaputt machen.

Noch mal zum BVB, der viel gelobt wird für seine Nachwuchsarbeit, der mit Jude Bellingham und Giovanni Reyna zwei 17-Jährige im Kader hat.

Für mich macht auch Jamal Musiala (ebenfalls 17), der aus unserer Jugend kommt, während Bellingham verpflichtet wurde, einen Supereindruck. Auch er bekommt seine Einsatzzeiten. Ein guter Typ, der aufmerksam ist, dazulernen will.

Wie verdaut die Mannschaft den Wirbel um die Vertragsverlängerung von David Alaba?

Uns Spieler stört es im Wettkampf nicht. Da ist nur die Leistung wichtig. Der David liefert permanent sehr gute Leistungen, gehört, wie ich schon sagte, zu unserer Mittelachse. Wir sind froh, dass er zu unserer Mannschaft gehört.

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Und die vielen Schlagzeilen um den FC Hollywood?

Das sind wir doch gewohnt. Das sorgt ja auch für die eine oder andere Abwechslung (lacht).

Wie lange lassen sich Mentalität und Gier aufrechterhalten?

Wir eilen von Rekord zu Rekord. Aber selbst die große Bayern-Mannschaft in den 70er-Jahren fand sich nach drei Europacupsiegen in Folge auch mal im Mittelfeld der Tabelle wieder. Wir werden versuchen, nicht nachzulassen, und freuen uns über jeden Sieg. Das merkt man, glaube ich. Dieser Zusammenhalt ist einfach in uns.

Ist es ein Vorteil, dass Bayern in Dortmund ohne Fans nicht gegen die Gelbe Wand spielen muss?

Das ist schade. Jedem un­se­rer Spieler macht es Spaß, in Dortmund vor Fans zu spielen. Wir brauchen diese Emotionen.

Gibt es Diskussionen um Corona-Einbußen bei den Spielern?

Wir haben zu Beginn Gespräche geführt. Es sind klare Regelungen getroffen. Da läuft alles in geregelten Bahnen.