13. Mai 2022 / 22:15 Uhr

"Wäre in allererster Linie erst mal glücklich": Julian Nagelsmann kritisiert Bayern-Talent Paul Wanner

"Wäre in allererster Linie erst mal glücklich": Julian Nagelsmann kritisiert Bayern-Talent Paul Wanner

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sieht bei Paul Wanner noch Steigerungspotenzial: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.
Sieht bei Paul Wanner noch Steigerungspotenzial: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann. © IMAGO/Smith/MIS
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Ungewohnt deutlich hat Bayern-Trainer Julian Nagelsmann kurz vor dem Saisonfinale in der Bundesliga Mittelfeld-Talent Paul Wanner in die Pflicht genommen. Auf der Pressekonferenz der Münchener machte der Coach klar, dass es ihm rund um Wanner in den letzten Wochen zu unruhig gewesen sei.

Am 7. Januar schrieb Paul Wanner beim FC Bayern München Geschichte. Mit seinem Einsatz bei der 1:2-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach avancierte er im Alter von 16 Jahren und 15 Tagen zum zweitjüngsten Bundesliga-Debütanten der Geschichte nach BVB-Talent Youssofa Moukoko (16 Jahre und ein Tag). Weitere Kurzeinsätze beim FCB folgten und schließlich Ende Januar der erste Profi-Vertrag beim Rekordmeister. Seitdem bestritt Wanner nur noch eine Bundesliga-Partie, als er beim Heimsieg gegen Greuther Fürth (4:1) Ende Februar drei Minuten ran durfte. Rund um Wanner soll es nun unruhig geworden sein, wie Julian Nagelsmann am Freitag auf der Pressekonferenz andeutete. Ungewohnt deutlich kritisierte der Bayern-Trainer zudem die Leistungen Wanners in der Bayern-U19.

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"Er ist 16 Jahre und er ist auch ein Jungprofi bei Bayern München", stellte Nagelsmann zunächst klar, um dann Kritik nachzuschieben: "Mir ist das auch alles etwas zu unruhig gewesen in den letzten Wochen im Hintergrund dieses Spielers, bin ich ganz offen und ehrlich. Das ist nicht ganz so mein Fall." Was Nagelsmann damit konkret meinte, blieb unklar.

Nagelsmann: "Was im Leben ist schon superleicht?"

Deutlicher wurde der Coach dagegen in seiner Kritik an einigen Auftritten des Youngsters, der aufgrund seines Alters noch nicht in der U23 spielen darf. "Die U19-Spiele, die er gemacht hat, waren jetzt nicht immer so, dass ich auf der Tribüne saß und gesagt hab: 'Da schlackere ich mit beiden Ohren'", kritisierte Nagelsmann und legte nach: "Am Ende ist es schon meine Erwartungshaltung als Trainer, dass du natürlich dann, wenn du bei den Profis trainierst, schon einer der Besten sein sollst auf dem Feld." Dies sei bei Wanner wohl nicht immer der Fall gewesen. "Dass die Situation nicht immer leicht ist, das weiß ich. Aber was im Leben ist schon superleicht?", fragte Nagelsmann und gab die Antwort selbst: "Wenige Dinge."

Laut des Ex-Leipzig-Coachs sei der 16-Jährige "ein hochtalentierter Spieler, der extrem viel Potenzial hat", aber auch jemand, "der aber auch noch viel Zeit hat, sich optimal zu entwickeln". Wann und wie oft Wanner bei den Profis eingesetzt wird, soll vorerst keine Rolle spielen - vor allem nicht für den Jungprofi selbst. Nagelsmann zog einen Vergleich: "Wenn ich jetzt noch 16 wäre und hätte die Chance, bei Bayern München bei den Profis zu trainieren, dann wäre ich in allererster Linie erst mal glücklich, dass ich diese Chance habe und versuche jeden Tag im Training das Beste draus zu machen", sagte er und mahnte an, in der Entwicklung "die nötige Ruhe zu bewahren".

Die Trainingsleistungen des Talents seien laut Nagelsmann schon mal ein Grund, zufrieden zu sein. Wanner gebe "Gas und bemüht sich", nur müsse er Geduld beweisen. An seiner Stelle würde der Coach "auch versuchen alles drumherum einfach in einer nötigen Ruhe zu behalten".