04. Juli 2020 / 11:22 Uhr

Bayern-Boss Rummenigge gesteht Fehler bei Rekordtransfer Hernández ein: "Ihm keinen Gefallen getan"

Bayern-Boss Rummenigge gesteht Fehler bei Rekordtransfer Hernández ein: "Ihm keinen Gefallen getan"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (links) vom FC Bayern hat zurückhaltende Töne zur ersten Saison von Rekordtransfer Lucas Hernández in München angeschlagen.
Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (links) vom FC Bayern hat zurückhaltende Töne zur ersten Saison von Rekordtransfer Lucas Hernández in München angeschlagen. © Stefan Matzke/sampics/Pool/foto2press/Imago Images/Montage
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Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München hat sich bei "Sport1" selbstkritisch zum Umgang mit Rekordtransfer Lucas Hernández beim Rekordmeister geäußert. Er zog dabei einen Vergleich zu einer Bayern-Legende.

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Abwehrspieler Lucas Hernández ist der Rekordtransfer des FC Bayern München, konnte in seiner ersten Saison beim deutschen Rekordmeister aber verletzungsbedingt noch nicht überzeugen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte den 2019 für eine Ablöse von 80 Millionen Euro von Atlético Madrid verpflichteten Hernández als "besten Innenverteidiger der Bundesliga" bezeichnet, noch bevor der Franzose erstmals für die Bayern aufgelaufen war. Diese Aussage sieht Rummenigge im Nachhinein kritisch, wie er im Interview mit Sport1 einräumte. "Vielleicht haben wir ihm keinen Gefallen damit getan, ihm gleich so ein Prädikat überzustülpen", gestand der FCB-Boss.

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Allerdings fand Rummenigge für Hernández auch lobende Worte und verteidigte ihn. "Wir sind alle im Verein davon überzeugt, dass er der richtige Spieler ist, weil er als Linksverteidiger eine Top-WM 2018 und bei Atlético Madrid in der Innenverteidigung auf höchstem Niveau gespielt hat", so der Funktionär, der an der Vorstandsspitze 2022 von Oliver Kahn abgelöst werden soll. Zudem sei Hernández, mit Frankreich 2018 Weltmeister geworden, ungeachtet seiner hohen Ablösesumme durch zwei schwere Verletzungen zurückgeworfen worden.

Hernández bei Bayern zweimal schwer verletzt

Wegen einer Innenbandblessur hatte der 24-Jährige, der sowohl als Links- als auch als Innenverteidiger eingesetzt werden kann, den Saisonauftakt in München verpasst. Schon im Oktober erlitt er eine ähnliche Verletzung und musste erneut monatelang pausieren. Unter dem Strich stehen für Hernández in seiner ersten Bayern-Spielzeit damit nur 19 Bundesliga-Einsätze zu Buche, hinzu kommen je zwei Auftritte in der Champions League und im DFB-Pokal.

Von Sagnol bis Hernández: Die Franzosen beim FC Bayern München

Franck Ribéry (links) war bis Sommer 2019 bei den Bayern, Willy Sagnol (Mitte) ist bereits seit 2009 nicht mehr aktiv und Lucas Hernández (r) ist seit Sommer 2019 für den deutschen Rekordmeister aktiv. Zur Galerie
Franck Ribéry (links) war bis Sommer 2019 bei den Bayern, Willy Sagnol (Mitte) ist bereits seit 2009 nicht mehr aktiv und Lucas Hernández (r) ist seit Sommer 2019 für den deutschen Rekordmeister aktiv. ©

Rummenigge hofft dennoch weiter auf eine Leistungsexplosion bei Hernández – und bemüht zur Erläuterung den Vergleich mit einem weiteren französischen Weltmeister, der einst in Diensten des FCB gestanden hatte: Bixente Lizarazu. Der Linksfuß kam erstmals 1997 nach München und hatte an der Isar ebenfalls Anlaufschwierigkeiten. "Im ersten Jahr hatte er im Dezember eine Leistenoperation und es ging nicht vorwärts. Im März 1998 stand er weinend in meinem Büro und sagte: 'Ich glaube, dass ich die WM verpasse'", erinnerte sich Rummenigge. Er selbst sei daraufhin mit dem damaligen Manager Uli Hoeneß nach Frankreich zu Nationaltrainer Aimé Jacquet geflogen, um sich für Lizarazu einzusetzen. In der Folge wurde Lizarazu 1998 Weltmeister, dazu Stammspieler und Titelsammler bei den Bayern. "Wir müssen auch bei Lucas Geduld haben", ergänzte Rummenigge mit Blick auf Hernandez, der einen raschen Weiterverkauf des Franzosen für 50 Millionen Euro als "betriebswirtschaftlichen Fehler" – und auch sportlichen – einstufen würde.

Rummenigge deutet Coutinho-Abgang an: "Option verfallen"

Kein Fehler war dagegen nach Rummenigges Einschätzung die Ausleihe von Philippe Coutinho vom FC Barcelona. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Coutinhos Position "eigentlich die von Thomas Müller" sei, so der Vorstandsvorsitzende. Müller spiele derzeit "wie ein junger Gott" und erlebe seinen zweiten bis dritten Frühling, der Brasilianer hingegen war zuletzt verletzt. "Also kann man nicht sagen, dass das gescheitert ist", so Rummenigge. Auf die Frage, ob der Abgang von Coutinho beschlossene Sache sei, antwortete er: "Wir hatten eine Option, und die ist verfallen." Gemeint ist die öffentlich schon mehrfach erwähnte Kaufoption in Höhe von 120 Millionen Euro, die die Bayern bis Mai hätten wahrnehmen müssen, um den Offensivstar langfristig zu verpflichten.