13. April 2022 / 19:59 Uhr

Nicht nur Nagelsmann auf dem Prüfstand: Warum auch die Schonfrist von Kahn und Salihamidzic vorbei ist

Nicht nur Nagelsmann auf dem Prüfstand: Warum auch die Schonfrist von Kahn und Salihamidzic vorbei ist

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Hätten sich allesamt eine erfolgreichere Saison des FC Bayern gewünscht: Julian Nagelsmann, Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn (v.l.)
Hätten sich allesamt eine erfolgreichere Saison des FC Bayern gewünscht: Julian Nagelsmann, Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn (v.l.) © IMAGO/Passion2Press/Jan Huebner (Montage)
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Julian Nagelsmann bewertet seine Debütsaison als Cheftrainer beim FC Bayern selbst als "nicht ausreichend" – obwohl er vor dem ersten Titelgewinn seiner Karriere steht. Eine Analyse der Lage beim Rekordmeister nach dem Aus in der Champions League.

Der Tag X ist da. Jener Einschnitt in einer Saison, an dem rund um den FC Bayern München alles in Trümmern liegt. Der Tag nach dem Ausscheiden aus der Champions League, nachdem der Klub aufgrund des 1:1 gegen Außenseiter FC Villarreal die Träume vom erneuten Gewinn des Henkelpotts begraben musste. Über die Königsklasse definiert sich Deutschlands erfolgreichster Verein, längst nicht mehr über den Alltag Bundesliga. Der Gewinn der Meisterschaft ist Pflichterfüllung, auch wenn der zehnte Titel in Folge ein schönes Jubiläum darstellt. Julian Nagelsmann gewinnt die erste Schale seiner Karriere. Die Erfüllung eines Lebensziels – degradiert zum Trostpreis.

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Die Folgen für den 34-Jährigen? "Ich weiß nicht, was da auf mich zurollt", lautete Nagelsmanns Antwort auf die Frage nach den Konsequenzen des zu frühen Abschieds aus der Champions League. Achselzuckend und bedient fragte er: "Was soll ich machen?" Und fügte hinzu: "Angst habe ich nicht, es gibt Schlimmeres."

"Trübt die gesamte Saisonbilanz": Diese Folgen hat das Bayern-Aus in der Champions League

Doch in der Endphase seiner ersten Saison im Säbener Drucklufterhitzer steht Nagelsmann – Bayerns absoluter Wunschkandidat, letzten Sommer für die Weltrekordablösesumme für Trainer in Höhe von 25 Millionen Euro aus Leipzig verpflichtet – nun hart im Wind. Bevor es andere machen, wertete er seine Debütsaison als "nicht ausreichend", da das Halbfinale in der Königsklasse "ja immer das Minimalziel für Bayern" sei. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er nach dem blamablen Zweitrunden-Aus im DFB-Pokal und dem Versagen gegen Villarreal nicht herumschwurbelte, nichts schönredete.

Dennoch: Seine erste von fünf vertraglich fixierten Spielzeiten endet mit einem dicken Malus. Er wird eine zweite Chance bekommen, das ist klar. Die Bosse sind von der Qualität, der Herangehensweise und der Ansprache (intern wie extern) des gebürtigen Bayern überzeugt. Vorgänger Hansi Flick, verschlossener und zurückhaltender in seiner Außendarstellung, zeichnete eine klarere Linie in der Mannschaftsstruktur aus, seine Herangehensweise in Sachen Spielsysteme und Aufstellungen wirkten auf die Kabine verlässlicher.

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Auch Kahn und Salihamidzic beim FC Bayern im Fokus

Doch nicht nur die Arbeit des Trainers wird künftig genauer unter die Lupe genommen. Die neue Führungsriege, Klubchef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic, rutschen noch in den riesigen Fußstapfen von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, den Bossen der vergangenen Jahrzehnte, umher. Oft fehlte ein klarer Kurs, die Vereinsrepräsentanten ließen bei den Themen Corona-Krise und Katar-Sponsoring, eskaliert auf der Jahresversammlung, zu lange den eloquenten Nagelsmann als Außenminister agieren.

Auch in Sachen Transferpolitik wirkt das neue Machtduo seltsam zurückhaltend, wenig risikofreudig trotz all der Einbußen während der Corona-Pandemie. Nicht nur die Führungsspieler warten, auch die gesamte Kabine wartet auf ein Zeichen und Unterschriften, was die Vertragsgespräche mit Kapitän Manuel Neuer, "Mister FC Bayern" Thomas Müller und Fifa-Weltfußballer Robert Lewandowski betrifft. Sämtliche Verträge, wie auch der von Serge Gnabry, laufen 2023 aus. Der Verein und seine Fans brauchen nun dringend gute Nachrichten.

Auch was Neuzugänge betrifft. Der Kader, auf etwa 13 Positionen sehr stark besetzt, aber in der Breite zu dünn, benötigt eine Auffrischung. Ob dafür die Transfers der beiden Ajax-Profis Ryan Gravenberch (Mittelfeld) und Noussair Mazraoui (Rechtsverteidiger), für die die Bayern rund 28 Millionen Euro Ablöse plus etwaige Bonuszahlungen nach Amsterdam überweisen müssen, reichen?

Beide sollen Nagelsmanns Wunschspieler sein. Entscheidend für dessen München-Ära wird sein, was er aus diesen Transfers macht und welche Lehren er aus seinem Gesellenjahr zieht. Für den zweiten, womöglich bereits letzten Anlauf.

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