30. März 2019 / 13:32 Uhr

FC Bayern: Präsident Uli Hoeneß zieht Bilanz - "Wir haben die halbe Liga gerettet"

FC Bayern: Präsident Uli Hoeneß zieht Bilanz - "Wir haben die halbe Liga gerettet"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß zog ein positives Fazit zu seiner Zeit als Manager und Präsident des FC Bayern München. 
Uli Hoeneß zog ein positives Fazit zu seiner Zeit als Manager und Präsident des FC Bayern München.  © Getty
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Seit beinahe 50 Jahren ist Uli Hoeneß beim FC Bayern München. Im Interview mit der vereinseigenen Website zog der Präsident des deutschen Rekordmeisters eine positive Bilanz und berichtete über kuriose Transfers, sein Ansehen in der Bundesliga und die Depression von Sebastian Deisler. 

Seit rund 49 Jahren ist Uli Hoeneß ein Teil des FC Bayern München. Erst als Spieler, dann als Manager und Präsident verhalft der heute 67-Jährige dem deutschen Rekordmeister zu zahlreichen Titeln. In einem ausführlichen Interview mit der vereinseigenen Website bot der Präsident des Bundesliga-Spitzenreiters Einblicke in seine Karriere und berichtete über gescheiterte Transfers, die schwere Erkrankung von Sebastian Deisler und sein Ansehen in der Bundesliga.

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Hoeneß: "Ist der eigentlich so ein Arsch?"

Letzteres, glaubt der Bayern-Präsident, habe auch durch zahlreiche Konflikte in der Liga nicht gelitten - im Gegenteil. "So richtige Feinde habe ich aus meiner Sicht nicht. Früher war das anders. Da kannten mich die anderen nicht und sagten, jetzt kommt der Hoeneß mit dem Geldkoffer und nimmt uns die Spieler weg. Inzwischen haben wir mit etlichen Benefizspielen und Aktionen ja die halbe Liga vor dem Ruin gerettet im Laufe der Jahrzehnte. Wenn ich da nur an den Osten denke, da stehen fast alle Klubs Schlange", urteilte Hoeneß.

Auch die legendären Auseinandersetzungen mit anderen Klub-Bossen hätten ihm nicht auf Dauer geschadet, meinte der 67-Jährige: "Zu schwierigen Zeiten etwa eines Willi Lemke in Bremen oder eines Christoph Daum in Köln riefen 40.000 Fans bei Auswärtsspielen „Hoeneß, du Arschloch“. Heute wollen die Leute in Bremen so viele Autogramme und Selfies von mir wie in keiner anderen Stadt. Die Leute haben sich irgendwann hinterfragt: Ist der eigentlich so ein Arsch, wie wir immer geglaubt haben? Und sie haben für sich entschieden: Nein, ist er nicht."

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Hoeneß "denkt oft" an Deisler

Insbesondere gegenüber seinen Spielern übernehme der einstige Profi nach eigenen Angaben eine väterliche Rolle. Dementsprechend belastend sei die Depressions-Erkrankung von Sebastian Deisler gewesen. "Das war eine meiner schwersten Situationen. Ich weiß es wie heute: Wintertrainingslager in Dubai. Jeden Abend gegen 22.30 Uhr klingelte mein Handy, am anderen Ende der Leitung Sebastian: 'Herr Hoeneß, ich kann nicht mehr.' Ich saß nächtelang mit ihm in meiner Suite, einmal hat er dort sogar auf der Couch übernachtet", berichtete Hoeneß.

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"Am nächsten Morgen trainierte er wie ein Besessener, ich dachte, alles wird gut – und am nächsten Tag sagte er, er hört endgültig auf. Ich fühlte mich so ohnmächtig, ich war ganz am Ende. Ich will immer helfen und bin immer bereit, alles einzusetzen - umso schmerzhafter ist es, wenn es nicht reicht. Ich denke oft an ihn und hoffe, dass es ihm gut geht. Er hat jeden Kontakt zum Fußball abgebrochen", so der Bayern-Präsident weiter. 2007 beendete Deisler mit nur 27 Jahren endgültig seine Karriere.

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Zudem erzählte Hoeneß im Interview mit der Website des FC Bayern von kuriosen Transfer-Geschichten während seiner Zeit als Manager. "Ich bin extra nach Lissabon geflogen, damit man mich in Porto nicht sieht, und bin mit dem Auto 300 Kilometer über die Dörfer gezuckelt. Ich habe fast ein Huhn überfahren, eine Ziege ist mir ins Auto gelaufen. Wir verhandelten heimlich zuhause bei einem Freund von ihm, es war alles klar. Doch dann gab es ein Riesentamtam mit der Ablöseforderung des FC Porto von mindestens 800.000 Dollar. Am Ende war ich sogar froh, ihn nicht mehr kaufen zu müssen", berichtete der 67-Jährige vom geplatzten Transfer von Rabah Madjer in den 80er-Jahren.

Hoeneß: "Wir hatten nichts dabei"

Dagegen ging der Deal für Stürmer Emil Kostadinov 1995 erfolgreich über die Bühne. Doch auch der Transfer des Bulgaren verlief nicht reibungslos. "Als wir Emil Kostadinov von La Coruña wollten, sagte der Vereinschef Augusto Lendoiro zu Karl-Heinz und mir nach unserer Landung: 'Wir treffen uns am Abend zum Essen – um halb zwölf!' Das hieß, wir konnten nicht mehr heimfliegen. Wir hatten nicht mal eine Zahnbürste dabei, nichts! Er kam dann erst um halb eins, wir saßen bis drei Uhr zusammen. Ich werde nie vergessen: Wir haben Percebes-Muscheln gegessen - die spritzen, wenn man sie aufmacht. Mein Hemd hat danach ausgesehen … Weil tags darauf Sonntag war, konnten wir nicht mal Hemden kaufen. So saßen wir dann im Flieger“, erklärte Hoeneß.