18. Juni 2022 / 21:35 Uhr

Stimmung, Kader, Renommee: Das bedeutet der Transfer von Sadio Mané für den FC Bayern

Stimmung, Kader, Renommee: Das bedeutet der Transfer von Sadio Mané für den FC Bayern

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sadio Mané wechselt vom FC Liverpool zum FC Bayern.
Sadio Mané wechselt vom FC Liverpool zum FC Bayern. © IMAGO/PRiME Media Images
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Der Transfer von Sadio Mané steht vor dem Abschluss. Alle Parteien haben sich verständigt, in der kommenden Woche gibt es wohl endgültigen Vollzug. Doch was bedeutet der Deal für den FC Bayern, Trainer Julian Nagelsmann und Sportvorstand Hasan Salihamidzic? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

Am Freitagabend hob Hasan Salihamidzic den Daumen. "Ja, er kommt", wurde der Sportvorstand des FC Bayern nach dem zähen Ablöse-Poker um Sadio Mané von Sky zitiert. Der TV-Sender hatte den 45-Jährigen eigenen Angaben zufolge am Flughafen erwischt, nachdem er von den finalen Transfer-Gesprächen aus Liverpool zurückgekehrt war. 32 Millionen Euro plus maximal neun Millionen Euro Bonuszahlungen werden für den Angreifer fällig. Am Dienstag soll der obligatorische Medizincheck in München anstehen. Im Anschluss soll er einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Der SPORTBUZZER, der Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), beleuchtet die Folgen des Transfers für...

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...die Stimmung in Klub und Umfeld:
Der Transfer ist für die Bayern die langersehnte Sommerbrise, die den mancherorts spürbaren Gefühls-Smog aufklart. Klar, vor Mané hatten die Münchner mit den beiden Ajax-Stars Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui auch schon Qualität verpflichtet, doch angesichts des Transfer-Theaters um Robert Lewandowski waren diese Deals fast ein wenig untergegangen. Mané besitzt hingegen genug Strahlkraft, um von den Debatten um den Weltfußballer - zumindest vorübergehend - abzulenken und andere schwierige Personalien ebenfalls mehr und mehr vergessen zu machen. So hatten auch der ablösefreie Abgang von Niklas Süle zum Erzrivalen Borussia Dortmund und die Hängepartie um die Zukunft von Serge Gnabry nicht gerade als Stimmungsaufheller an der Säbener Straße getaugt.

...Robert Lewandowski und Serge Gnabry:
Die beiden Fälle sind differenziert zu betrachten: Lewandowski will unbedingt weg, Gnabry lässt seine Zukunft betont offen. Es verbindet die beiden Stars jedoch, dass ihre Verträge jeweils 2023 auslaufen. Die Bayern können also nur noch in diesem Sommer eine respektable Ablöse generieren. Bei Lewandowski scheint man darauf verzichten zu wollen. Zu vehement betonten die Verantwortlichen zuletzt, dass der polnische Nationalstürmer seinen Vertrag erfüllen müsse. Um Gnabry war es hingegen ruhiger geworden. Nicht ausgeschlossen, dass sich die Münchner bei ausbleibender Einigung mit dem Flügelspieler und einem entsprechenden Transfer-Angebot zu einem Verkauf entschließen. Einen weiteren ablösefreien Abgang eines Hochkaräters im kommenden Sommer kann sich der Klub kaum erlauben. Fest steht: Auch wenn Mané weder als Lewandowski- noch als Gnabry-Klon taugt, bringt er andere Qualitäten mit und kann die Positionen des Duos ausfüllen. Gerade hinsichtlich der Gespräche mit Gnabry dürfte der Deal bei den Bayern für mehr Gelassenheit sorgen.

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...das Renommee der Bayern und der Bundesliga:
Gerade nach dem Abgang von BVB-Star Erling Haaland zu Manchester City und angesichts der ungewissen Zukunft Lewandowskis tut der Mané-Transfer der gesamten Liga gut. Schließlich sind Weltstars hierzulande äußert rar gesät. Auch und gerade in Afrika dürfte das Interesse an Deutschlands Top-Liga zunehmen. Kritiker des Deals werden sich wohl besonders am Alter des neuen FCB-Stars stören. Doch auch mit 30 Jahren steht Mané noch in der Blüte seiner Schaffenskraft. Dies hat er in der vergangenen Saison unlängst bewiesen. Für Liverpool gelangen ihm in 51 Pflichtspiel-Einsätzen 23 Tore. Zudem gilt der Senegalese als höchst professionell und ehrgeizig. Angesprochen auf sein WM-Ziel mit dem Senegal entgegnete er im RND-Interview im vergangenen April: "Wir wollen hin und bis zum Ende bleiben, ganz sicher. Der WM-Titel ist doch der Traum aller Spieler auf der Welt. Dafür werden wir alles geben – vertrauen Sie mir."

...Trainer Julian Nagelsmann:
Der Trainer des FC Bayern darf sich dank Mané auf viel Qualität und daraus resultierend viel Flexibilität freuen - also genau das, was Nagelsmann beliebt. Gern sucht Mané den Weg zum Tor aus der Tiefe. Er kann aber auch auf dem Flügel wirbeln oder im Sturmzentrum für Gefahr sorgen. Zum Gesamtpaket gehören zudem Tempo, feine Technik und Handlungsschnelligkeit. Ohne Ball ist sich der Angreifer auch für kräftezehrendes Anlaufen und Defensivarbeit nicht zu schade. Kurzum: Wenn Nagelsmann die passende Rolle für den Zugang findet, dürfte es eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit werden. Klar ist aber auch: Nachdem es in der vergangenen Saison "nur" zum Meistertitel gereicht hatte, erhöht ein solcher Transfer die internen und externen Erwartungen an den Trainer weiter.

...Sportvorstand Hasan Salihamidzic:
Der Manager ist der vielleicht größte Gewinner des Mané-Pokers. Immer wieder wird Salihamidzic kritisiert, nun hat er auf dem Transfermarkt ein Ausrufezeichen gesetzt. Nicht nur, dass Mané kommt, ist ein Erfolg. Auch die verhältnismäßig geringe Ablöse von unter 40 Millionen Euro wird dem Verhandlungsgeschick des Bosniers zugeschrieben. Tatsächlich hat Salihamidzic mit den Aktivitäten auf dem Transfermarkt in den vergangenen Wechselperioden nicht immer richtig gelegen, im Fall von Mané dürfte er sein Image aber aufpoliert und auch innerhalb des Vereins an Ansehen gewonnen haben.