08. April 2022 / 12:59 Uhr

Keine Schuld bei Bayern, Schiedsrichter Dingert im Fokus: So begründet der DFB das Wechselfehler-Urteil

Keine Schuld bei Bayern, Schiedsrichter Dingert im Fokus: So begründet der DFB das Wechselfehler-Urteil

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Schiedsrichter-Team um Christian Dingert (rechts) steht nach dem Bundesliga-Spiel der Bayern in Freiburg im Fokus.
Das Schiedsrichter-Team um Christian Dingert (rechts) steht nach dem Bundesliga-Spiel der Bayern in Freiburg im Fokus. © Getty Images (Montage)
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Das DFB-Sportgericht hat sein Urteil zum Wechselfehler während der Partie zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern ausführlich begründet. Das Schiedsrichterteam um Christian Dingert befindet sich dabei im Fokus.

Nach dem Wirbel um den Wechselfehler im Bundesliga-Spiel zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern (1:4) am vergangenen Wochenende hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Protest der Breisgauer zurückgewiesen und die Münchner aus der Schusslinie genommen. Stattdessen im Fokus: Das Schiedsrichterteam um Christian Dingert. "Das DFB-Sportgericht entschied nun, dass dem FC Bayern München der schuldhafte Einsatz eines nicht einsatzberechtigten Spielers nicht angelastet werden kann", teilte der Verband am Freitag mit: "Vielmehr sei die Spielfortsetzung mit zwölf Mann im Wesentlichen auf ein schuldhaftes Fehlverhalten der Schiedsrichter zurückzuführen."

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Der Sportgerichts-Vorsitzende Stephan Oberholz wurde in seiner Urteilsbegründung noch deutlicher. Das Schiedsrichterteam sei seinen Pflichten "in mehrfacher Hinsicht schuldhaft nicht nachgekommen." Er führte aus: "Der Vierte Offizielle hat die beiden Auswechselspieler auf das Spielfeld gewiesen, ohne dass er – ebenso wie der Schiedsrichter – darauf geachtet hatte, ob zuvor die auszuwechselnden Spieler den Platz verlassen hatten. Dabei haben sie übersehen, dass kurzfristig zwölf Spieler auf dem Feld waren. Ihren Prüfpflichten hinsichtlich Spieleranzahl und Mannschaftsstärke sind sie nicht nachgekommen. Schließlich hat der Unparteiische die Begegnung fortgesetzt, ohne dabei erneut auf die zulässige Anzahl an Spielern zu achten."

Der "Verschuldungsbeitrag der Bayern" trete hinter das "Fehlverhalten der Schiedsrichter" zurück. Dies reiche "auch unter Gesichtspunkten der Verhältnismäßigkeit nicht aus, um die gravierende Rechtsfolge einer Spielumwertung zu rechtfertigen", erläuterte Oberholz. Folglich hat der Sieg der Münchner weiter Bestand. Der FCB führt das Klassement somit mit neun Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Borussia Dortmund an. Freiburg hat als Tabellenfünfter drei Zähler Rückstand auf RB Leipzig, das den ersten Champions-League-Platz belegt. Die Freiburger teilten nach dem DFB-Urteil mit, dass sie auf einen Einspruch verzichten.

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Wechselfehler-Urteil: Konsequenzen für Schiedsrichter Dingert offen

Ob Dingert nach dem Urteil Konsequenzen befürchten muss, blieb zunächst offen DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich hatte sich allerdings bereits vor dem Urteil vor den Referee gestellt. "Ich fände es fatal als Botschaft. Man muss jetzt feststellen: Da ist ein Fehler passiert, da hat jeder so einen Anteil daran", sagte er bei einem Medien-Workshop am vergangenen Montag. Fröhlich nannte dabei als Beteiligte Dingert, den Vierten Offiziellen (Arno Blos) und die Bayern-Teammanagerin (Kathleen Krüger).

DFB: Bayern-Wechselfehler nicht mit Fall des VfL Wolfsburg vergleichbar

Der DFB wies in seiner Erklärung vom Freitag explizit darauf hin, dass "mögliche Vergleiche zwischen der heutigen Entscheidung und der des DFB-Bundesgerichts vom 26. August 2021 im Fall Preußen Münster gegen VfL Wolfsburg" unzulässig seien. "Beide Fälle sind nicht miteinander vergleichbar. Seinerzeit ist ein gravierender und zentraler Ausgangsfehler des VfL Wolfsburg festgestellt worden, der in der unerlaubten Einwechslung eines sechsten Auswechselspielers bei Nichtbeachtung der bekannten Auswechselbestimmungen bestand. Ein solcher Fehler ist dem FC Bayern nicht vorzuwerfen", erläuterte Oberholz. Die Wolfsburger waren aufgrund ihres Fehlers aus dem diesjährigen DFB-Pokal ausgeschlossen worden.

Oberholz erklärte weiter: "Im Fall Wolfsburg ergab sich das geringfügige Mitverschulden der Unparteiischen aus einer fehlerhaften Wahrnehmung von reinen Hilfs- und Kontrollaufgaben. Stattdessen haben wir es im Fall Freiburg gegen Bayern mit einem gravierenden Fehlverhalten des Schiedsrichterteams in seinem originären Verantwortungsbereich zu tun, nämlich der regeltechnischen Absicherung des Auswechselvorgangs. Die Vereine bestimmen eigenverantwortlich, dass und wer ein- beziehungsweise ausgewechselt wird – während die regeltechnische Abwicklung des Wechselvorgangs ausschließlich vom Schiedsrichter zu verantworten ist."