15. November 2019 / 16:16 Uhr

Er ist Nachfolger von Uli Hoeneß beim FC Bayern: Das ist Herbert Hainer

Er ist Nachfolger von Uli Hoeneß beim FC Bayern: Das ist Herbert Hainer

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß (r.) übergibt die Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender an Herbert Hainer.
Uli Hoeneß (r.) übergibt die Ämter als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender an Herbert Hainer. © imago images/Sven Simon
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Uli Hoeneß zieht sich beim FC Bayern nach über 40 Jahren in führenden Rollen zurück und hinterlässt große Fußstapfen. Einen Nachfolger für seine Ämter beim Rekordmeister hat Hoeneß selbst vorgeschlagen: den ehemaligen Adidas-Chef Herbert Hainer. Wer ist dieser Mann?

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Dass Herbert Hainer am 3. Juli 1954 geboren wurde, einen Tag vor dem Wunder von Bern, ist wohl einfach die Ironie des Schicksals. Den ersten Weltmeister-Titel der deutschen Mannschaft in den Schraubstollen-Schuhen von Zeugwart Adi Dassler erlebte der spätere Adidas-Chef so gerade noch rechtzeitig. Es sollte die Geburtsstunde des heutigen Sportartikel-Weltkonzerns werden.

15 Jahre und sieben Monate stand Hainer Adidas zwischen 2001 und 2016 vor, niemand „regierte“ länger an der Spitze eines DAX-Konzerns. Und ab Freitag übernimmt der 65-Jährige das Amt des Präsidenten sowie den Vorsitz des Aufsichtsrates beim FC Bayern München von Uli Hoeneß, der bei der Jahreshauptversammlung seine ruhmreiche Laufbahn als Verantwortlicher beim FCB beenden wird. Während Hoeneß nach über 40 Jahren seinen Hut nimmt, tritt der wesentlich unbekanntere Hainer in dessen Fußstapfen.

Die Karriere von Uli Hoeneß beim FC Bayern in Bildern

Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern.
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Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern. ©

Hainer gilt als langjähriger Intimus Hoeneß‘, in der Bundesliga-Saison 1997/98 lernten sie sich kennen. Der gebürtige Bayer, damals gerade frisch in den Adidas-Vorstand eingezogen, war erstmals bei Verhandlungen mit dem Bayern-Manager dabei. Seither entwickelte sich eine enge Freundschaft. Im September vergangenen Jahres gaben beide der FAS ein Interview mit der Überschrift: „Ein Freund, mit dem du weinen kannst, ist ein Geschenk.“ Als 2006 eine der beiden Töchter von Hainer plötzlich an einer Lungenembolie starb, war Hoeneß für ihn da. Andersherum verhielt es sich, als Hoeneß ins Gefängnis musste, Hainer war da, besuchte ihn.

Schon einmal Hoeneß-Nachfolger: Hainer war bereits 2014 Bayern-Aufsichtsratsvorsitzender

So sprang Hainer, bereits seit 2002 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern, am 14. März 2014 auch als Vorsitzender für den wegen Steuerhinterziehung verurteilten Hoeneß ein. Am 8. September 2014 legte er das Amt auf eigenen Wunsch wieder nieder – Karl Hopfner, seinerzeit auch Bayern-Präsident, übernahm. Doch Hainer stand dem Verein auch weiterhin als Stellvertreter des Aufsichtsratschefs zur Verfügung. Nun hat ihn Hoeneß, der 2016 das Amt des Präsidenten und 2017 das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden von Hopfner zurück übernahm, erneut als seinen Nachfolger vorgeschlagen, diesmal für beide Ämter.

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Das langjährige Aufsichtsratsmitglied Hainer weiß, wie es um das Innenleben beim Rekordmeister bestellt ist, die „Mia san Mia“-DNA und die nötige Fußball-Begeisterung („Als Kind habe ich Tag und Nacht Fußball gespielt“) stecken naturgemäß in ihm. Zuletzt wurde er auch als DFB-Präsident gehandelt. Und: Bei Adidas bewies er nach seinem Antritt als Chef im Jahr 2001 über Jahre ein feines Gespür für die Weiterentwicklung des Weltkonzerns. Den Umsatz von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2000 verdreifachte er bis zum Ende seiner Ära auf 19,3 Milliarden, der Börsenwert verzwölffachte sich von 3 Milliarden auf 35,7 Milliarden – und der Gewinn wuchs von 200 Millionen auf eine Milliarde.

Hainer galt als nicht cool genug für Adidas

Dabei hielt sich die allgemeine Begeisterung anfangs doch sehr in Grenzen, als er der neue starke Mann bei Adidas wurde. Sein inzwischen verstorbener französischer Vorgänger Robert Louis-Dreyfus, der den Konzern zwischenzeitlich gerettet und an die Börse gebracht hatte, galt als viel schillernde Persönlichkeit – und im Vergleich zu Hainer als cool.

Der Deutsche verhalf dem Konzern trotzdem zu großen Erfolgen, indem er sich auf die Topstars und Topvereine der Branche konzentrierte – und sich auf die Märkte in Russland und China stürzte. 2001 macht er Adidas durch den Kauf von seinerzeit 10 Prozent an der FC Bayern München AG zum Anteilseigner. Kostenpunkt: 150 Millionen Mark. Sein Ziel, Marktführer Nike einzuholen, erreichte der Diplom-Betriebswirt, der 1986 bei Adidas als Vertriebsdirektor für Taschen, Schläger und Bälle angefangen hatte, bis 2016 hingegen nicht.

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Im Gegensatz zu Hoeneß: Hainer ist kein Schlagzeilen-Lieferant

Bei seinem Adidas-Abschiedsspiel im Oktober 2016 im Adi-Dassler-Stadion in Herzogenaurach wurde Hainer (sportlich reichte es als Linksaußen übrigens für die dritte Liga) trotzdem gefeiert – auch wenn er sonst nicht so gern im Rampenlicht steht. Ein Schlagzeilen-Lieferant ist er nicht, TV-Talkshows meidet er, genauso wie die Klatschpresse. Als Nachfolger von Uli Hoeneß beim FC Bayern wird ihn das ab November aber dann sicher auch erwarten.