02. März 2020 / 22:27 Uhr

Bayern-Ultra erklärt: Darum gab es die "Hurensohn"-Plakate gegen Hopp - Kritik an Rummenigge

Bayern-Ultra erklärt: Darum gab es die "Hurensohn"-Plakate gegen Hopp - Kritik an Rummenigge

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sorgten für Aufregung: Die Bayern-Ultras mit einem Schmähplakat gegen Dietmar Hopp.
Sorgten für Aufregung: Die Bayern-Ultras mit einem Schmähplakat gegen Dietmar Hopp. © imago images/Jan Huebner
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Nachdem es in der Partie des FC Bayern bei der TSG Hoffenheim Schmähplakate gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp von den Ultras des Rekordmeisters gab, kochten die Emotionen hoch. Ein Mitglied der Gruppe "Schickeria" erklärt nun, warum es die Plakate gab und kritisiert Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge für dessen Worte.

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Am Wochenende gab es in vielen Stadien beleidigende Plakate und Gesänge gegen Hopp. Wegen Hass-Plakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp war das Bundesliga-Spiel am Samstag gegen den FC Bayern München zweimal unterbrochen worden. Auch in anderen Stadien kam es zu Schmähungen gegen Hopp und den DFB. Die Ultra-Szene des FC Bayern wurde nach dem Spiel von Karl-Heinz Rummenigge massiv angegangen. Dauerkarten könnten den Anhängern entzogen werden, der Fanclub-Status ebenfalls.

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"Wir haben die Vorkommnisse filmen lassen und gehen mit aller Schärfe gegen die vor, die den FC Bayern diskreditiert haben. Sie werden dafür zur Rechenschaft gezogen", betonte Rummenigge. "Wir dürfen uns nicht wegducken, wir müssen gegen diese Täter mit klarer Kante vorgehen." Die Entgleisungen der Münchner Fans verurteilte Rummenigge aufs Schärfste. "Das war das hässliche Gesicht von Bayern München", sagte der Boss des aktuellen Tabellenführers und fügte hinzu: "Wir müssen jetzt alle zusammenstehen. Wir haben viel zu lange die Augen zugemacht, was in den Kurven passiert. Wir müssen mit aller Intelligenz, Klarheit und Kraft dagegen vorgehen." Diese Reaktion bezog Rummenigge auch auf mögliche rassistische oder sexistische Äußerungen von Anhängern.

Nun äußerte sich ein Mitglied der Ultra-Gruppe "Schickeria" gegenüber Focus über die Beweggründe der Aktion. "Für Herrn Hopp hat der DFB sein Versprechen gebrochen. Das ist eben eine offene Herausforderung an die Fanszenen. Man kommt sich natürlich ein wenig veräppelt vor, wenn man selbst gegen Rassismus, Homophobie, Sexismus aktiv ist und sieht, wie Vorfälle aus dieser Richtung weitgehend unbeachtet bleiben, dann aber für jemanden, der mit viel Geld im Fußball aktiv ist, eine Lex Hopp möglich scheint", sagte er der Online-Plattform, wollte aber nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden. "Man bekommt den Eindruck, der Schutz von Geldflüssen habe oberste Priorität."

Bayern-Ultra kritisiert Rummenigge für Wortwahl

Die Ultra-Szene fühlt sich verbunden im Kampf gegen die Kollektivstrafe, nachdem das DFB-Sportgericht kürzlich alle Anhänger von Borussia Dortmund wegen einer ähnlichen Aktion für die nächsten zwei Jahre von Begegnungen in Hoffenheim ausgeschlossen hat. "Eine Person schafft es, dass ein kompletter Block leerbleiben muss, und für Dortmund gibt es wieder diese Strafen, weil ein paar Leute etwas gesungen oder ein Spruchband hochgehalten haben", regte sich der Bayern-Fan auf.

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Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! ©

Von der Wortwahl Rummenigges war der Ultra-Fan nach eigener Aussage überrascht - und enttäuscht. Schließlich sei man "auf dem besten Weg" gewesen, den es je in Sachen Austausch zwischen Verein und Fans gegeben habe. In der vergangenen Woche hatten viele Fans noch mit Verantwortlichen des Rekordmeisters den 120. Geburtstag des Vereins gefeiert. "So eng wurde noch nie gemeinsam kommuniziert und über Dinge diskutiert, deshalb hat es mich natürlich, nun ja, überrascht, wie dieselben Personen plötzlich gegen einen vorgehen, und wie sie einen auch betiteln", sagte das Schickeria-Mitglied.

Schickeria-Mitglied: "Fankurven sollen ausgelöscht werden"

Zwar sei die Wortwahl des Spruchbands überzogen gewesen, doch nur so würde man Aufmerksamkeit bekommen. Viel mehr stört ihn nun die Wahrnehmung seiner Gruppe Schickeria, die seit Jahren massiv gegen Rassismus und jegliche Form von Extremismus und Diskriminierung vorgeht. "Gerade die Fankurven sind diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass Rassismus, Sexismus und Homophobie in den Stadien bekämpft wurden - und die heute noch bei jedem Spiel dafür einstehen. Dass sich das Klima verändert hat und es mittlerweile schwule und lesbische Fanklubs gibt, dass sich diese Menschen ganz normal in der Kurve bewegen können, was vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre - das haben die Fans reguliert, nicht der Verein", sagte er Focus. "Und es ist ja nicht so, dass es im Stadion keine Rechten mehr gibt, aber im Moment sind sie ruhig, weil sie wissen, dass sie gegen die großen Gruppen keine Chance haben."

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Dietmar Hopp bei der TSG Hoffenheim, Red Bull bei RB Leipzig und Lars Windhorst bei Hertha BSC - drei Beispiele für Investoren im deutschen Profifußball. Der SPORTBUZZER zeigt in der Galerie noch weitere Geldgeber von der Bundesliga bis zur 3. Liga. ©

Die gesamte Diskussion der vergangenen Tage ist für das Ultra-Mitglied nur ein weiters Zeichen dafür, dass Verband und Vereine die kritischen Gruppen gern aus den Stadien verdrängen würden. "Für uns ist es ein Zeichen, dass es schon lange nicht mehr darum geht, die Fußballkultur am Leben zu halten. Fankurven sind Störenfriede, die irgendwann ausgelöscht werden müssen. Was wir gerade erleben seitens diverser Leute, hat ja nichts mit einer sachlichen Diskussion zu tun", sagte das Schickeria-Mitglied.