23. Juni 2022 / 21:22 Uhr

FC Bayern verpflichtet Sadio Mané - Pro und Contra: Ist der Liverpool-Star der richtige Transfer zur richtigen Zeit?

FC Bayern verpflichtet Sadio Mané - Pro und Contra: Ist der Liverpool-Star der richtige Transfer zur richtigen Zeit?

Fynn Engelbrecht-Greve und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sadio Mané ist der neue Star des FC Bayern München
Sadio Mané ist der neue Star des FC Bayern München © IMAGO/Moritz Müller
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Der FC Bayern setzt mit der Verpflichtung von Sadio Mané ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt und holt einen internationalen Top-Star in die Bundesliga. Doch ist die Verpflichtung des Angreifers vom FC Liverpool wirklich der Transfer, den der Rekordmeister in diesem Sommer braucht? Zwei SPORTBUZZER-Redakteure diskutieren. 

PRO: Ja, weil es für so einen Transfer keinen falschen Zeitpunkt gibt

von SPORTBUZZER-Redakteur Fynn Engelbrecht-Greve

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Sadio Mané ist kein Ersatz für Robert Lewandowski? Stimmt! Sadio Mané ist als 30-Jähriger kein Spieler für langfristige Planungen? Stimmt auch! Und beides muss er auch gar nicht sein. Warum muss der FC Bayern denn nur Spieler holen, um die herum man über eine Dekade eine Mannschaft aufbauen kann? Mané hat mit 30 Jahren durchaus noch ein paar Jahre auf höchstem Niveau vor sich - und viel wichtiger: er hilft sofort weiter. Weil er den Kader auf Anhieb aufwertet, Trainer Julian Nagelsmann auf jeder Offensiv-Position neue Optionen bietet und eine Qualität mitbringt, die einigen Münchner Profis in der abgelaufenen Saison abhanden gekommen zu sein scheint: Er weiß, wie man große Titel gewinnt und er muss als Champions-League-Sieger, Premier-League-Champion und Afrika-Meister keinem seiner neuen Mitspieler noch etwas beweisen.

Der Klub schließt mit dem Transfer zudem Baustellen, die zum Teil noch gar nicht wirklich da sind. Denn die Hängepartie um die Vertragsverlängerung von Serge Gnabry verliert ganz plötzlich ein Stück weit an Bedeutung. Wenn der Nationalspieler nicht verlängern will und spätestens 2023 geht, ist der Ersatz schon da. Es ist auch ein Zeichen an Gnabry, dass der FC Bayern bei den Verhandlungen nicht bis ans Limit gehen muss und wird. Sollte Lewandowski noch gehen, wirkt für mögliche Nachfolge-Kandidaten ein Klub, der zuvor schon einen Spieler wie Mané als Sturmpartner verpflichtet hat, zudem gleich deutlich reizvoller. Und auch der ewig zwischen Phlegma und Weltklasse schwankende Leroy Sané weiß nun, dass er spätestens jetzt Konstanz in seine Leistungen kriegen muss, wenn er Mané, Kingsley Coman, Jamal Musiala und Thomas Müller nicht nur bei der Torproduktion zuschauen will.

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Denn eines ist sicher: Mané garantiert Tore. Seit er 2014 auf die Insel wechselte hat er in jeder Saison in der Premier League zweistellig getroffen. Sein Marktwert liegt laut Transfermarkt.de bei 70 Millionen Euro. Seit vier Jahren rutschte er nicht unter diese Marke. In der Spitze wurde er sogar auf 150 Mio. Euro taxiert (Dezember 2019). Der FC Bayern zahlt für so einen Spieler gerade einmal rund 40 Millionen Euro (inkl. Boni) und bekommt nicht einen Alt-Star in den letzten Jahren seiner Karriere sondern einen gestandener Weltstar im besten Fußballer-Alter. Andere Klubs zahlten für hochgelobte Mitläufer (jedenfalls in der abgelaufenen Saison) wie Jack Grealish oder Romelu Lukaku weit über 100 Mio. Euro. Dagegen wirkt die Mané-Verpflichtung schon fast wie ein Geschäft ohne jegliches Risiko Und für solche Transfers gibt es keinen falschen Zeitpunkt.

CONTRA: Nein, weil Mané nicht die Bayern-Zukunft verkörpert

von SPORTBUZZER-Chefreporter Tobias Manzke

Für die Bundesliga ist der Transfer von Premier-League-Star Sadio Mané nüchtern betrachtet perfekt: Ein Superstar kommt aus der englischen Starliga nach Deutschland in die Bundesliga und nicht umgekehrt. Das ist gut. Und auch für den FC Bayern ist die Verpflichtung des 30-jährigen Senegalesen vom FC Liverpool ein Statement, der die Wichtigkeit des Klubs auf der internationalen Fußballbühne deutlich macht. Für den Rekordmeister ist es aber ein Transfer zur falschen Zeit.

Mané verkörpert Weltklasse, ohne Frage. Allerdings in einem System, das von Erfolgsarchitekt Jürgen Klopp in Liverpool so angelegt ist, dass es perfekt die Stärken von Mané an der Seite von Mo Salah zum Vorschein bringt: Bedingungsloser Tempofußball und aggressives Pressing. Davon ist der aktuelle FC Bayern ein ganzes Stück weit entfernt. Dazu kommt die Frage: Wo braucht der FC Bayern Mané? Wenn Robert Lewandowski geht, könnte er auch im Sturmzentrum zum Einsatz kommen, die Qualitäten eines Lewandowski hat er da aber nicht. Dazu fehlt ihm die Körperlichkeit und seine Schnelligkeit würde dort verpuffen. Nur wenn Lewandowski bleibt, wäre er die ideale Ergänzung.

Der FC Bayern war bei Mané dem Vernehmen nach schon früh auf dem Gaspedal, dennoch bleibt die Frage offen, warum sich kein anderer Klub im Werben um Star eingeschaltet hat, wie das so oft der Fall ist, wenn ein Top-Spieler sich wechselwillig zeigt. Mané hat keine bekannten Verletzungsprobleme, aber mit 30 Jahren kommt womöglich auch keine ganz große Leistungsexplosion mehr dazu. Mit ihm müssen die Münchener in den nächsten ein oder zwei Jahren den Titel in der Königsklasse holen, sonst wird der Nationalspieler nicht mehr den Unterschied machen: Mané ist kein Perspektivtransfer, wie zum Beispiel der 20 Jahre alte Ryan Gravenberch, der von Ajax Amsterdam kam. Deshalb muss Mané sofort liefern – ob er das in neuem Umfeld, neuen Mitspielern, neuem Trainer, neuer Liga schafft, ist trotz der herausragenden Qualität fraglich.