20. April 2019 / 06:00 Uhr

Valerien Ismael: "Davon hängt die Berechtigung von Niko Kovac als Bayern-Trainer ab"

Valerien Ismael: "Davon hängt die Berechtigung von Niko Kovac als Bayern-Trainer ab"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Valerien Ismael absolvierte in fünf Jahren bei Werder Bremen und dem FC Bayern München 95 Spiele Bundesliga-Spiele.
Valerien Ismael absolvierte in fünf Jahren bei Werder Bremen und dem FC Bayern München 95 Spiele Bundesliga-Spiele. © Getty/Montage
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Der ehemalige französische Nationalspieler Valerien Ismael erlebte erfolgreiche Jahre bei Werder Bremen und dem FC Bayern. Vor den Duellen seiner beiden Ex-Klubs spricht er im SPORTBUZZER-Interview über die Perspektiven der Vereine und deren Trainer Florian Kohfeldt und Niko Kovac.

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Zwei Double-Siege stehen in der Vita von Valerien Ismael. Sowohl mit Werder Bremen als auch mit dem FC Bayern holte er die Meisterschaft und den DFB-Pokal. Ismael kennt die beiden Klubs, die am Samstag (15.30 Uhr, Sky) in der Bundesliga und am Mittwoch im Pokal aufeinandertreffen, also bestens. Im Interview mit dem SPORTBUZZER erklärt der 43-jährige Franzose den Erfolg von Werder in dieser Saison, die Chancen der Bremer gegen den deutschen Rekordmeister – und die immer wieder aufkeimende Kritik an Bayern-Trainer Niko Kovac.

SPORTBUZZER: Herr Ismael, Sie holten 2004 das Double mit Werder und 2006 erneut mit dem FC Bayern München. Welcher Erfolg war der emotionalere?

Valerien Ismael (43): Besonders emotional, weil sehr unerwartet, war das Double mit Bremen. In der Saison 2003/2004 waren wir im UI-Cup früh gegen Pasching ausgeschieden und damit schon direkt mit einer schwierigen Situation gestartet. Doch dann haben wir in der Bundesliga überragende Leistungen gezeigt – und sind durch einen 3:1-Sieg in München am 32. Spieltag Meister geworden. Vor dem Showdown hatten die Bayern einige Giftpfeile Richtung Bremen geschickt, dadurch war der Erfolg umso schöner. Als Krönung holten wir im Finale gegen Alemannia Aachen auch den DFB-Pokal.

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In den vergangenen Jahren war Bremen gegen Bayern stets klarer Außenseiter. Den letzten Sieg von Werder gab es im September 2008. Seitdem setzte es teilweise herbe Pleiten, zweimal endete die Partie 0:6 und einmal sogar 0:7. In dieser Saison sind die Vorzeichen anders, Bremen hat im Jahr 2019 noch kein Spiel verloren. Wie schätzen Sie Werders Chancen ein?

Auf jeden Fall sind die Grundvoraussetzungen, etwas gegen Bayern zu holen, in diesem Jahr so gut wie lange nicht. Werder geht mit dieser langen Serie ohne Niederlage ins Spiel, hat dadurch viel Selbstvertrauen. Es ist spürbar, dass das Momentum auf Bremer Seite ist. Sie können den Bayern mit Sicherheit wehtun, wenn sie mutig sind und ihre aktuellen Stärken ausspielen: die Offensivpower und die gnadenlose Effizienz vor dem Tor. Denn diese Spielzeit hat gezeigt, dass die Münchener durchaus anfällig sind in der Defensive.

Was trauen Sie den Bremern in dieser Spielzeit insgesamt noch zu?

Dieses Jahr könnte es die Rückkehr von Werder auf die internationale Bühne geben. Ich habe das Gefühl, dass sie ihre guten Leistungen nun bis zum Ende durchziehen werden. Das haben die vergangenen Wochen deutlich gemacht. Und ich glaube auch, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Bremen geht seinen eigenen Weg, ist zu seinem Offensiv-Stil zurückgekehrt, der schon den Erfolg in der Zeit vor zehn, 15 Jahren ausgemacht hat und ein echtes Markenzeichen des Vereins war.

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Einen großen Anteil daran hat auch Trainer Florian Kohfeldt. Er hat dem Klub neuen Schwung gegeben. Könnten Sie sich vorstellen, dass er ein Trainertyp ist, der in Zukunft zu den Bayern passen würde?

Kohfeldt hat wirklich die Möglichkeit, etwas Großes zu erreichen mit dem Einzug ins europäische Geschäft. Er hat durchaus die Qualität, den Verein dort auch zu etablieren, den Werder-Weg weiterzugehen. Kohfeldt hat die Unterstützung von allen Verantwortlichen, das verleiht ihm Stärke in der Mannschaft. So kann er eine neue Ära bei Werder prägen. Das ist eine große Chance für einen Trainer. Ihn schon jetzt mit Bayern in Verbindung zu bringen, ist einfach zu früh. Da muss man immer vorsichtig sein. Erstmal kann er beweisen, dass er mit Bremen langfristig erfolgreich ist und die Mannschaft weiterentwickeln kann.

Auch Niko Kovac ist als relativ junger und unerfahrener Trainer zu den Bayern gewechselt, nachdem er mit Eintracht Frankfurt überraschend den Pokalsieg eingefahren hat. Wie bewerten Sie seine Arbeit in München, die immer wieder kritisiert wurde?

Am Ende zählen, ganz besonders bei den Bayern, nur die Ergebnisse. Es ist noch einiges möglich, Kovac kann das Double holen – oder aber auch keinen einzigen Titel. Davon wird seine Berechtigung als Bayern-Trainer abhängen, so sind die Spielregeln dort. Grundsätzlich finde ich aber, dass die Bayern nach der Krise eine gute Saison spielen, mit wenigen Ausrutschern wie dem Rückspiel gegen Liverpool oder dem Unentschieden in Freiburg. Aber es ist eben noch alles offen, weil Kovac in den wichtigen Situationen immer die Kurve bekommen hat. Das muss man ihm hoch anrechnen.

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Niko Kovac ist seit Sommer 2018 Trainer des FC Bayern München. Der <b>SPORT</b>BUZZER wirft einen Blick zurück auf die Karriere des Kroaten, der in Berlin geboren wurde und in seiner aktiven Laufbahn schon für die Münchner spielte. Zur Galerie
Niko Kovac ist seit Sommer 2018 Trainer des FC Bayern München. Der SPORTBUZZER wirft einen Blick zurück auf die Karriere des Kroaten, der in Berlin geboren wurde und in seiner aktiven Laufbahn schon für die Münchner spielte. ©

Wird es Kovac auch gelingen, im Sommer ein neues Team zu formieren, das dann auch international den Durchbruch schaffen kann? Ihre beiden Landsmänner Lucas Hernandez und Benjamin Pavard sind als Zugänge fix, weitere Großtransfers wurden angekündigt.

Ich traue Kovac den Umbruch und auch einen größeren Erfolg in der Champions League in der kommenden Saison zu. In der Offensive muss Bayern allerdings noch nachlegen. Auf den Außen sind Serge Gnabry und Kingsley Coman natürlich stark, doch vor allem Coman ist sehr verletzungsanfällig. Ein Backup für Robert Lewandowski ist ebenfalls notwendig. Das würde einen Konkurrenzkampf schaffen, für den Fall einer Verletzung braucht es ohnehin einen gleichwertigen Ersatz.

Auf das Duell zwischen Lewandowski und Claudio Pizarro wird in den beiden anstehenden Partien ein besonderer Fokus liegen. Momentan führt der Bayern-Stürmer mit 201 Toren die Rangliste der besten ausländischen Bundesliga-Torschützen vor Pizarro (195) an. Wer hat aus Ihrer Sicht die Nase vorn?

Pizarro hat absoluten Kultstatus – aber natürlich eine ganz andere Rolle als Lewandowski. Mit seinen 40 Jahren ist er extrem wichtig für Werder, durch seine Präsenz und seine positive Art. Seine Rolle als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz macht ihn unersetzbar. Wenn er reinkommt, ist er immer gefährlich. Lewandowksi dagegen ist ein Typ, der Werder 90 Minuten lang alles abverlangen wird. Pizarro kann mit einer Aktion aber ebenso den Unterschied machen. Es wird auf jeden Fall spannend.

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