30. Juni 2022 / 11:14 Uhr

Neues Geld, neue Spieler, neue Macht: Wie Thomas Tuchel & Co. den FC Chelsea umbauen

Neues Geld, neue Spieler, neue Macht: Wie Thomas Tuchel & Co. den FC Chelsea umbauen

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Thomas Tuchel und der FC Chelsea stehen nach der Klub-Übernahme vor neuen Herausforderungen.
Thomas Tuchel und der FC Chelsea stehen nach der Klub-Übernahme vor neuen Herausforderungen. © IMAGO/PA Images (Montage)
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Nach dem Eigentümer-Wechsel von Roman Abramowitsch zu einer Investoren-Gruppe um Todd Boehly herrscht beim FC Chelsea endlich wieder Planungssicherheit. Nun muss die Macht neu verteilt und der Kader umgebaut werden. Eine entscheidende Rolle nimmt dabei Trainer Thomas Tuchel ein.

In beachtlichem Tempo wird beim FC Chelsea die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte abgewickelt. Roman Abramowitsch war nach Beginn des Ukraine-Kriegs bekanntlich gezwungen, den Premier-League-Klub nach fast 20 Jahren zu verkaufen. Auch die Getreuen des russischen Oligarchen verabschieden sich in diesen Tagen reihenweise von der Stamford Bridge. Von einem Exodus ist in englischen Medien die Rede. Vorstandschef Bruce Buck, Marina Granowskaja, die im Auftrag von Abramowitsch das Tagesgeschäft verantwortete, und Ex-Torwart Petr Čech, zuletzt als Berater der Londoner tätig – sie alle gehören mittlerweile zur Vergangenheit des Vereins.

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Noch da und unumstritten ist Trainer Thomas Tuchel. Er hatte Chelsea im vergangenen Jahr nur wenige Monate nach Amtsantritt zum Gewinn der Champions League geführt und den Klub ordentlich durch das Chaos der vergangenen Monate mit der Sanktionierung durch die britische Regierung und dem Eigentümerwechsel manövriert. Die neuen Besitzer, ein Konsortium um den US-amerikanischen Geschäftsmann Todd Boehly, haben dem deutschen Übungsleiter ihr Vertrauen ausgesprochen. Tuchel soll in diesem Sommer 200 Millionen Pfund (umgerechnet rund 230 Millionen Euro) für Transfers zur Verfügung bekommen und eine Galionsfigur des neuen FC Chelsea sein.

Der Guardian schrieb gerade, dass Tuchel bei den Londonern künftig so mächtig sein könnte wie Pep Guardiola bei Manchester City oder Jürgen Klopp beim FC Liverpool. Die beiden Kollegen sind bei ihren Klubs mehr als einfach nur Trainer – sie sind das Gesicht ihrer Vereine, geben Spiel- und Transferstrategie vor und können langfristig arbeiten. Das war den Trainern des FC Chelsea in den vergangenen knapp 20 Jahren nicht möglich.

Wichtigster Mann bei den “Blues” ist ab sofort Todd Boehly selbst. Anders als der im Hintergrund wirkende Abramowitsch gilt der Mitbesitzer der Los Angeles Dodgers aus der Major League Baseball (MLB) als “hands-on”, wie es im Englischen heißt, also als hochgradig involviert ins operative Geschäft. Die Leihe von Rekordeinkauf Romelu Lukaku, der nach einer enttäuschenden Saison an der Stamford Bridge zumindest vorübergehend zu seinem Ex-Klub Inter Mailand zurückkehrt, soll Boehly selbst ausgehandelt haben. Der Geschäftsmann ist nach dem Abschied von Buck und Granowskaja Vorstandschef und übergangsweise auch Sportdirektor. Die Transfers in diesem Sommer fallen in seine Verantwortung. Und in dieser Hinsicht ist viel zu tun.

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Boehly tritt mit dem Ziel an, mit Chelsea weiter um die größten Titel in England und Europa mitzuspielen, doch mit dem aktuellen Kader ist das schwer vorstellbar. In der laufenden Wechselperiode verzeichnete Chelsea zwei namhafte Weggänge aber noch keine Zugänge. In der Innenverteidigung klafft eine monströse Lücke nach den ablösefreien Abschieden von Antonio Rüdiger (zu Real Madrid) und Andreas Christensen (wohl zum FC Barcelona). Als Ersatz ist Chelsea an Matthijs de Ligt von Juventus und Jules Koundé vom FC Sevilla interessiert. Auch für die Offensive sucht der Klub Verstärkung. Offenbar wurde Raheem Sterling als Wunschspieler ausgemacht. Er kommt bei Manchester City für seinen Geschmack zu wenig zum Einsatz. Auch mit Ronaldo-Berater Jorge Mendes hat sich Boehly angeblich getroffen. Der Ex-Dortmunder Ousmane Dembélé vom FC Barcelona ist ein weiterer Kandidat.

Die Zukunft von Kai Havertz und Timo Werner, nach Rüdigers Weggang die beiden verbliebenen deutschen Chelsea-Profis, könnte unterschiedlich aussehen. Havertz ist zwei Jahre nach seiner Ankunft von Bayer Leverkusen voll bei den Londonern angekommen und gilt als gesetzt in Tuchels Sturm. Werner blieb sein Durchbruch auch in der zweiten Saison nach seinem Wechsel von RB Leipzig verwehrt. Mit Blick auf die WM in Katar braucht er Spielzeit. Angeblich hat Chelsea ihn Juventus angeboten, als Teil eines Pakets für Innenverteidiger De Ligt.

Dass die “Blues” Spieler abgeben müssen, um ihre Transfers zu realisieren, ist neu. Unter Abramowitsch spielte Geld keine Rolle. Er betrieb den Verein praktisch als Hobby und glich Verluste immer wieder aus der Privatkasse aus. Rund zwei Milliarden Euro soll er insgesamt in den FC Chelsea gesteckt haben. Boehly und sein Konsortium wollen den Klub mit mehr Augenmaß führen. Ihr Ziel ist es, mit ihrem Engagement in der Premier League Geld zu verdienen – und kein Zuschussgeschäft zu betreibe

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