27. Dezember 2020 / 10:01 Uhr

FC Dornbreite-Boss Dirk Balk im Interview über Corona-Folgen im Fußball

FC Dornbreite-Boss Dirk Balk im Interview über Corona-Folgen im Fußball

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Abteilungsleiter und Liga-Obmann Sebastian Hippel, FCD-Boss Dirk Balk und dessen Vorgänger Jan Heickmann (von links).
Abteilungsleiter und Liga-Obmann Sebastian Hippel, FCD-Boss Dirk Balk und dessen Vorgänger Jan Heickmann (von links). © Volker Giering
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Balk sieht den Saisonrestart kritisch und lobt die Sponsoren, die trotz der schweren Situation zum Verein halten.

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Im September wurde Dirk Balk zum neuen Vorsitzenden beim FC Dornbreite Lübeck (440 Mitglieder) gewählt – wenig später kam der Fußball-Lockdown. Was macht die Pandemie mit einem der größten Fußballclubs aus der Hansestadt? Der 50-Jährige stellte sich den Fragen des LN-Sportbuzzers.

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Am 27. Dezember hätte eigentlich die 14. Auflage des traditionellen Confima-Cups stattgefunden. Im Vorjahr kamen 1573 Zuschauer (Rekord) zum zweitgrößten Hallenevent in Schleswig-Holstein.

Leider mussten wir das Hallenturnier frühzeitig coronabedingt absagen. Das ist total ärgerlich, weil es mit dem Turnier in den letzten Jahr bergauf ging und nun ein Jahr der Kontinuität fehlt. Das Turnier sorgt für Einnahmen in einer Zeit, wo wenig Spielbetrieb ist. Nicht zuletzt fehlt unseren Sponsoren eine Plattform, sich zu präsentieren.

Mehr vom Confima-Cup

Wofür werden die Einnahmen verwendet?

Wie jeder andere Verein müssen auch wir Rücklagen bilden. Wir investieren in erster Linie in unser Vereinsheim am Steinrader Damm, um die Immobilie in Schuss zu halten. So wurde zuletzt ein neues Terrassendach gebaut. Also für Dinge, für die wir als Verein sonst nicht die Möglichkeiten hätten. Uns ist es wichtig, allen Mannschaften bei uns etwas zurückzugeben. Als nächstes Projekt planen wir eine neue Beschallungsanlage. Grundsätzlich würden wir uns wünschen, dass nicht nur das Sportzentrum an der Falkenwiese in Lübeck oder andere Sportanlagen mit einem umliegenden Schulkomplex finanziell unterstützt werden. Hier sind wir in Gesprächen mit der Stadt.

Wie ist es aktuell um den Traditionsclub finanziell bestellt, sind Sponsoren weggebrochen?

Da muss ich ehrlich sagen, ein Hoch auf unsere Sponsoren, die uns alle die Treue halten. Einige Sponsoren haben uns sogar schon ihren Beitrag für 2021 zukommen lassen, was hilft.

Hat der Verein staatliche Corona-Hilfe beantragt?

Ja, wir haben die sogenannte Novemberhilfe beantragt. Wir haben eine vereinseigene Gastronomie und aus diesem Grund über unseren Steuerberater Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019 beantragt. Man darf nicht vergessen, dass die Kosten weiterlaufen. So bekommen etwa unsere Übungsleiter weiter ihren Entschädigungen. Schließlich stehen sie weiter im Kontakt mit den Sportlern.

Wie sieht´s mit Austritten von Mitgliedern in der Corona-Zeit aus?

Das bewegt sich zum Glück alles im üblichen Rahmen. Es ist jedenfalls nicht festzustellen, dass wir von Massenaustritten bombardiert werden.

Viele Fußballer haben die Hoffnung, dass das Mannschaftstraining nach dem 10. Januar wieder aufgenommen werden kann. Ist das realistisch?

Das ist für mich total unrealistisch und sind wilde Gerüchte. Momentan gucken wir uns mit großen Augen an und fragen uns, wie es weitergeht. Dass die laufende Saison 2020/21 unter normalen Umständen zu Ende gespielt werden kann, sehe ich nicht.

Impressionen vom 13. Confima-Cup aus der Hansehalle.

Felix Dietrich von den HSV-Panthers beim Schuss. Zur Galerie
Felix Dietrich von den HSV-Panthers beim Schuss. ©

Wie fühlt man sich als neu gewählter Vorsitzender ohne Vereinsleben?

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Das ist schon irgendwie schräg und schwierig. Deshalb ist es aus meiner Sicht ganz wichtig, dass wir innerhalb des Vereins über Networking im Gespräch bleiben und zum Beispiel über Online-Formate weiter miteinander kommunizieren. Das sehe ich als unsere Aufgabe an.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass wir nach wie vor alle Jahrgänge besetzt haben und unsere Ligamannschaft weiter in der Oberliga spielt. Zudem wünsche ich mir, dass wir möglichst bald wieder zu einem vernünftigen Vereinsleben zurückfinden. Wir sind ein Ort der Begegnung, wo sich junge und ältere Menschen treffen. Wir wollen alle wieder eine Bratwurst auf dem Fußballplatz essen und im Ehrenamt und Hobby gute Gespräche führen.