03. Januar 2022 / 14:11 Uhr

FC Eilenburgs Präsident Steffen Tänzer: „Jeder Euro, der fehlt, tut weh“

FC Eilenburgs Präsident Steffen Tänzer: „Jeder Euro, der fehlt, tut weh“

Susan Stephan
Leipziger Volkszeitung
FC Eilenburgs Präsident Steffen Tänzer zieht nach der Hinrunde Bilanz und blickt voraus.
FC Eilenburgs Präsident Steffen Tänzer zieht nach der Hinrunde Bilanz und blickt voraus. © Sanny Stephan
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Das erste halbe Jahr Regionalliga ist für den FC Eilenburg Geschichte. Präsident Steffen Tänzer spricht im SPORTBUZZER-Interview über Finanz-Jonglagen in fast zwei Jahren Pandemie und stellt Trainer Nico Knaubel einen Freibrief aus.

Eilenburg. Die Regionalliga war und ist für den FC Eilenburg Neuland. Nach äußerst schwierigen ersten Spielen und der ein oder anderen Klatsche konnte das Team von Trainer Nico Knaubel im laufe der ersten Saisonhälfte an Stabilität gewinnen und Punkte sammeln. FCE-Präsident Steffen Tänzer spricht im SPORTBUZZER-Interview unter anderem über seinen Moment der Hinrunde, den Transfer von Benjamin Luis und die Zuschauersituation.

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SPORTBUZZER: 22 von 38 Spielen sind gespielt. Der FC Eilenburg hat 15 Punkte eingespielt, ist 17. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Steffen Tänzer: Im ersten Drittel der Saison hatten wir unglaubliches Verletzungspech und wenig Spielglück. Wir haben überdurchschnittlich viel Lehrgeld gezahlt und im Eiltempo schmerzhafte Erfahrungen gesammelt. Jetzt, im zweiten Drittel, sind jetzt trotz des einen oder anderen Rückschlags dabei, uns zu stabilisieren und unsere Punkte zu holen. Am Ende des letzten Drittels werden wir hoffentlich die Klasse gehalten haben.

In den ersten Spielen sah es punktetechnisch mau aus, haben Sie deshalb ab und an schlecht geschlafen?

Für alle Beteiligten beim FC Eilenburg, egal ob Verantwortliche oder Spieler, ist Fußball sicher eine große Leidenschaft. Er ist aber nur ein Bestandteil unseres Lebens. Wir haben neben dem FCE alle noch einen „richtigen“ Job und eine Familie. Wegen verlorener Spiele hat man vielleicht mal nicht so ganz gute Laune. Schlecht schläft bei uns aber niemand.

In fast allen Vereinen wackelt der Trainer, wenn solange nicht gewonnen wird. Nico Knaubel sitzt beim FC Eilenburg fest im Sattel. Haben Sie jemals an ihm gezweifelt?


Es gibt bei uns keine Trainerfrage und es wäre völlig unfair gegenüber Nico, wenn wir uns Gedanken um seine Position gemacht hätten. Nico hat neben dem Trainerjob bei uns noch ein reguläres Arbeitsverhältnis. Er hat einen Riesenanteil an der Entwicklung des Vereins in den letzten sieben Jahren, ist in der Regionalliga in alle Überlegungen eingebunden und bestimmt selbst, wie lange er die gewachsenen Anforderungen im Verein mit seinen beruflichen und familiären Verpflichtungen in Einklang bringen will.

Was für Sie der Moment der Hinrunde?

Der lag außerhalb des Platzes. Unmittelbar nach der 0:9-Niederlage in Cottbus gab es logischerweise eine kollektive Niedergeschlagenheit, fehlten eigentlich allen Spielern und Verantwortlichen die Worte. Es waren damals unsere Fans und Teile unserer Nachwuchsmannschaften, die im Sparkassen-Fußballzentrum, in den sozialen Netzwerken und in persönlichen Gesprächen noch am Spieltag Zuspruch spendeten und für Gänsehautmomente sorgten.

Würden Sie alle Neuverpflichtungen so noch einmal tätigen?

Grundsätzlich schon. Wir hatten die Vorstellung, dass sich das Regionalligateam auf mehreren Säulen aufbauen muss. Über unsere gestandenen Spieler, die teilweise seit der Sachsenliga beim FCE sind, müssen wir nicht reden. Die zweite Gruppe rekrutierte sich aus den besten Oberligaspielern anderer Vereine in der Region Leipzig. Christopher Schulz, Dongmin Kim, Branden Stelmak oder Raimison Dos Santos haben ihr Regio-Niveau mittlerweile nachgewiesen. Bei Christopher Jackisch ist leider eine Verletzung dazwischengekommen. In der dritten Gruppe sind sensationelle junge Spieler wie Noah Baumann, Anton Rücker, Ricardo Michael oder Kevin Wadewitz, die sich sofort integriert haben und Stammspieler sind. Und schließlich dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass mittlerweile auch Spieler aus unserer U19 schon zum Kader gehören und beispielsweise Lennert Möbius bereits auf zehn Einsätze, einen Treffer und mehrere Vorlagen zurückblicken kann.

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Wird in der kurzen Winterpause etwas personelles passieren?

Wir halten die Augen offen und haben einige Kandidaten im Blick. Sie müssen aber menschlich und sportlich sofort zu uns passen und finanziell bezahlbar sein. Unser Sportdirektor Stephan Hofmann leistet hier einen Riesenjob. Bisher sicher ist die Rückkehr von Benjamin Luis, der in den anderthalb Jahren bei Chemie immer mit uns mitgefiebert hat und unsere verletzungsgebeutelte Offensive auf Anhieb verstärken wird. Zudem hoffen wir, dass von unseren Langzeitverletzten einige wieder kommen. Dennis Kummer hat zuletzt schmerzfrei mit der Mannschaft trainiert und auch Christoph Jackisch und Christoph Bartlog sind auf einem guten Weg.

An Benjamin Luis haben Sie schon ein ganzes Weilchen gebaggert. Warum hat es erst jetzt geklappt?

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Das hing einerseits mit den vorgegebenen Wechselperioden und andererseits mit der Vertragslage, die Benny bei Chemie hatte, zusammen. Dass die BSG Chemie jetzt trotz laufenden Vertrags die Tür aufgemacht hat, war nicht selbstverständlich.

Werden Sie auch Spieler abgeben?

Alle unsere Spieler haben gültige Verträge. Wir haben aber im Kader sicher den einen oder anderen, der mit seinen Einsatzzeiten vielleicht nicht ganz zufrieden ist. Sollten hier Anfragen anderer Vereine kommen, werden wir Lösungen finden.

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Im Schnitt sahen 509 Fans die ersten zehn Heimspiele, insgesamt kamen rund 4500 Zuschauer ins Ilburg-Stadion. Sind Sie zufrieden damit?

Wir wussten im Vorfeld, dass gerade die Spiele gegen die Leipziger Teams und gegen die früheren DDR-Traditionsvereine Zuschauermagneten werden. Wir müssen aber Möglichkeiten finden, wie wir zugleich die „kleinen“ Spiele attraktiv machen. Dazu gibt es Überlegungen, die sowohl mit dem Stadion, dem Umfeld und den Angeboten am Spieltag zusammenhängen. Klar ist, dass der FCE nicht von jetzt auf gleich der Zuschauerkrösus der Liga wird.

Die letzten beiden Heimspiele gingen ohne Zuschauer über die Bühne. Es ist unklar, wie sich die Lage entwickelt. Bekommt der FCE Finanzprobleme, wenn die Saison ohne Fans gespielt werden muss?

Jeder Euro, der fehlt, tut weh. Die Finanzen des FC Eilenburg bestehen jedoch nicht allein aus solchen Zuschauereinnahmen oder Ausgaben für den Spielbetrieb. Die Kosten der Ersten machen zwar einen erheblichen Teil am Finanzbudget aus, erreichen beispielsweise aber nicht die Ausgaben für Erhalt und Sanierung der Stadionkomplexe. Dank der Einnahmen aus dem Pokal 2020 und der Regio in diesem Jahr sind wir fast zwei Jahre lang sehr ordentlich durch die Corona-Krise gekommen. Einen Großteil unseres Geldes haben wir dabei in Maßnahmen außerhalb des Regionalligaspielbetriebs gesteckt. Insoweit ist unsere Finanzlage geordnet. Sollte es zu erneuten Einschränkungen kommen, werden wir schauen, wo wir den Rotstift ansetzen können und müssen. Dass dies gegebenenfalls die Arbeit vergangener Zeiten in Teilen gefährdet oder gar zunichtemacht, steht auf einem anderen Blatt.

Würden Sie für den Fall, dass das Pandemiegeschehen so bleibt, für einen Abbruch plädieren?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Es ist unbestritten, dass die Pandemielage seit zwei Jahren pausenlos für neue Herausforderungen sorgt. Gefragt sind sinnhafte Lösungen, die sich nicht zu weit vom normalen Leben der Menschen entfernen und die die Leute mitnehmen. Verbote und Verzichte sollten nur das allerletzte Mittel sein. Dies gilt übrigens nicht nur für den Spielbetrieb der Ersten, sondern generell und vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.

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Die Abstiegslage ist noch völlig unklar. Eilenburg wird bis zum Schluss zittern müssen. Warum spielt der FCE nächste Saison wieder in der Regionalliga?

Weil wir von Beginn an wussten, dass wir in dieser Liga auf und neben dem Platz als Neulinge nur Lernende sind, es bei allem Bemühen immer mal wieder zu Rückschlägen kommen kann und der Klassenerhalt in dieser medial und wirtschaftlich sehr attraktiven Liga unser einziges Saisonziel ist. Diesem Ziel ordnen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, aber ohne wirtschaftliches Harakiri alles unter. Die Herangehensweise hat uns vor 15 Jahren schon einmal in der vierten Liga gehalten und wird es wieder tun.

Was wünschen Sie sich für die restlichen Spiele in dieser Saison?

Dass unsere Spieler verletzungsfrei bleiben oder werden, dass allen im Umfeld von Mannschaft und Verein trotz aller Mühen der Spaß an der Sache erhalten bleibt, dass wir die Begegnungen gegen unsere unmittelbaren Konkurrenten gewinnen und dass uns bei den Spielen gegen die Profitruppen trotz etwaiger spielerischer Nachteile immer attestiert wird, dass wir alles dafür getan haben, das Optimale herauszuholen.

Wann sprechen Sie von einer gelungenen Premierensaison in der Regionalliga?

Wir nehmen jetzt schon vieles mit, das den Verein in den nächsten Jahren weiterbringen wird. Wenn wir dann am 15. Mai noch über dem Strich stehen, wäre das schon das i-Tüpfelchen.