20. Juli 2021 / 17:30 Uhr

FC Eilenburgs Präsident Tänzer vor Saisonstart: "Von den großen Vereinen profitieren"

FC Eilenburgs Präsident Tänzer vor Saisonstart: "Von den großen Vereinen profitieren"

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Tänzer
Eilenburgs Präsident Steffen Tänzer freut sich vor allem auf die Spiele gegen die beiden Leipziger Vereine. © Susan Stephan
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In wenigen Tagen bestreitet der FC Eilenburg seine Regionalliga-Premiere. Und wie könnte der Verein besser starten, als gleich mit einem Kracherspiel gegen den Traditionsverein Chemie Leipzig. Im Vorfeld sprach FCE-Präsident Steffen Tänzer im SPORTBUZZER-Interview über die kommende Saison, die Finanzen des Clubs und den großen Umbruch.

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Eilenburg. Am Sonntag startet Aufsteiger FC Eilenburg in seine erste Saison in der Fußball-Regionalliga. Präsident Steffen Tänzer spricht im SPORTBUZZER-Interview über wenig Geld und guten Fußball, den Umbruch der Mannschaft, Zuschauer, Geisterspiele und einiges mehr.

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SPORTBUZZER: Herr Tänzer, nach zwölf Jahren ist der FC Eilenburg wieder viertklassig. Ist die damalige Oberliga mit der heutigen Regionalliga vergleichbar?

Steffen Tänzer: Von der Mannschaften her ist das sicherlich vergleichbar, von den eingesetzten Mitteln her eher weniger. Das Geld, das die Regionalliga-Spitzenmannschaften heute in die Hand nehmen, gab es damals nicht.

Weil die Professionalisierung in der Regionalliga voranschreitet. Wie will man da als kleiner Amateurverein sportlich überleben?

So wie es schon damals funktioniert hat. Wir müssen uns eben ein paar Gedanken mehr machen. Mit weniger Geld kann man ja trotzdem Fußball spielen.

Wie schwierig ist es angesichts der finanzkräftigen Konkurrenz regionalligataugliche Spieler zu verpflichten?

Wir haben uns vornehmlich in der Oberliga umgeguckt und dort nach überdurchschnittlichen Spielern gesucht. Von denen, die wir haben wollten, haben wir fast alle gekriegt. Wir werden eine regionalligataugliche Mannschaft haben. Der Wille bei den Spielern ist da, sonst wären sie nicht zu uns gekommen.

Nachdem die Mannschaft lange Jahre zusammengespielt hat und nur punktuell verstärkt wurde, kam mit dem Aufstieg nun der große Umbruch. Haben Sie die Befürchtung, dass der Teamgeist der vergangenen Jahre verloren geht?

Die Umstrukturierung wäre wahrscheinlich auch in der Oberliga gekommen, weil es unterschiedliche Zielrichtungen gab. Einige Spieler wollten ihren Fokus nach Corona anders setzen, andere waren mit ihren Einsatzzeiten nicht ganz so zufrieden.

Zum Auftaktspiel gegen Chemie sind 2500 Zuschauer zugelassen. Sind Sie erleichtert?

Na klar. Es macht Sinn, schließlich sind solche Spiele für uns mit einigen Kosten verbunden. Zu unserer Finanzierungsstruktur gehören neben Sponsoren eben auch Zuschauereinnahmen.

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In den vergangenen Jahren war der Zuschauerzuspruch weniger schön. Nun lauern viele attraktive Gegner. Erhoffen Sie sich eine Renaissance des Fanzuspruchs?

Wir hoffen, von den Fanstrukturen der großen Vereine zu profitieren. Wir haben unseren Zuschauerschnitt trotzdem ziemlich vorsichtig kalkuliert, weil wir nicht wissen, ob im Oktober oder November wieder Schluss ist. Da hilft es uns natürlich, dass wir früh in der Saison Chemie, Lok Leipzig und auch Jena empfangen.

Und mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie im Schnitt?

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Wir haben uns an vergleichbaren Vereinen und Zahlen aus der Vor-Corona-Zeit orientiert und mit etwas weniger als 600 Zuschauern im Schnitt kalkuliert. Ich bin aber optimistisch, dass es mehr werden.

Die Corona-Problematik begleitet uns weiterhin. Wären Geisterspiele für den FCE problematisch?

Nein, das hat ja auch in der letzten Saison schon funktioniert. Geisterspiele sind nicht schön, aber wenn es so ist, werden wir damit leben müssen.

Im Vorjahr haben sich die hiesigen Regionalligisten mit Händen und Füßen gegen Geisterspiele gewehrt.

Stimmt, aber wir sind nicht diejenigen, die darüber entscheiden müssen.

Wie schwer war es eigentlich für den Verein, die Auflagen für die Regionalliga zu erfüllen?

Wir haben die Zulassung ohne Auflagen erhalten, wissen aber, dass wir am Stadion immer etwas tun müssen. Gerade wurde der Gästezaun geliefert, der leider zum Chemie-Spiel noch nicht stehen wird. Dann müssen wir schauen, wie wir stadionintern weitermachen. Infrastruktur und Technik sind größtenteils noch auf dem Stand von 1997. Dazu befinden wir uns in produktiven Gesprächen mit der Stadt.

Worum geht es da genau?

Die Stadt erstellt gerade eine Machbarkeitsstudie. Es macht natürlich keinen Sinn hunderttausende von Euro ohne Sinn und Plan in die Hand zu nehmen. Auf jeden Fall werden wir zeitnah das Flutlicht angehen und deutlich kostengünstigere LEDs installieren. Dafür gibt es, wie bei den realisierten Verbesserungen im Sparkassen-Fußballzentrum, Fördermittel, die wir mitnehmen wollen.

Noch einmal zum Sportlichen: Vor knapp sechs Jahren hat Nico Knaubel den FC Eilenburg als dümpelnden Sachsenligisten übernommen. Nun sind Sie in der Regionalliga angekommen. Hätten Sie damals an eine solche Entwicklung geglaubt?

Gedümpelt haben wir zu keiner Zeit. Richtig ist, dass Platz sechs in der Sachsenliga niemals unser Ziel war. Wir hatten aber auch vor 2015 mit Gerd Stephan und Tomislav Piplica gute Leute, die damals einiges auf das heutige Gleis gesetzt haben. Dass der Weg bis in die Regionalliga dennoch lang war, bestreitet niemand.

Wie groß ist der Anteil von Nico Knaubel an diesem Erfolg?

Seine Fachkompetenz steht außer Frage. Er hat einen sportlichen Plan und der wird umgesetzt. Ich denke, es ist eine Win-Win-Situation für Verein und Trainer.

Auf welches Spiel freuen Sie sich eigentlich am meisten in dieser attraktiven Liga?

Die Heimspiele gegen die beiden Leipziger Vereine werden sicher die meiste Aufmerksamkeit hervorrufen.