12. November 2020 / 07:37 Uhr

"Step war groß": Eldagsens Aufstiegsexperte Jan Pinkerneil hat seine Spielklasse gefunden

"Step war groß": Eldagsens Aufstiegsexperte Jan Pinkerneil hat seine Spielklasse gefunden

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auffällig unauffällig: Jan Pinkerneil (links, gegen Bavenstedts Bastian Hattendorf) liefert beim FC Eldagsen zuverlässig ab.
Auffällig unauffällig: Jan Pinkerneil (links, gegen Bavenstedts Bastian Hattendorf) liefert beim FC Eldagsen zuverlässig ab. © deisterpics/Stefan Zwing
Anzeige

Es ist gar nicht so lange her, da hat Jan Pinkerneil in der 3. Kreisklasse gespielt - jetzt ist er Stammkraft beim Landesligisten FC Eldagsen. "Der Step war schon groß", sagt der 27-Jährige, es gab auch mal ein Tief. Aber letztlich ist der Aufstiegsexperte in der für ihn richtigen Spielklasse angekommen.

Anzeige

Im Mai 2016 hat Jan Pinkerneil noch in der 3. Kreisklasse gespielt. Nur etwas mehr als drei Jahre später wurde er am 1. Spieltag der Saison 2019/20 für Felix Groth eingewechselt und gab im Trikot des FC Eldagsen sein Landesligadebüt beim TSV Pattensen. Fünf Spielklassen binnen 38 Monaten hochgehüpft, das muss man erst mal hinkriegen...

Anzeige

Doch der blonde Mittelfeldspieler nahm die Hürden fast spielerisch – und durfte sich nach zwei Aufstiegen mit dem SC Völksen, für den er während seines Elektrotechnikstudiums in Berlin als Wochenendpendler gekickt hatte, dem Wechsel im Jahr 2018 zum Nachbarn nach Eldagsen und der dortigen Bezirksliga-Meisterschaft nun also Landesligaspieler nennen.

Mehr Berichte aus der Region

Doch mit dem Sprung von der Bezirksliga eine Etage höher tat er sich anfangs schwer. „Dieser Step war schon groß“, sagt er im Rückblick. Und nachdem für den im kleinen Springer Ortsteil Holtensen – im Bambinialter kickte er bereits für seinen heutigen Klub – aufgewachsenen Pinkerneil im ersten FCE-Männerjahr quasi alles nach Plan verlaufen war, saß er nun doch so manches Mal draußen. „Da war ich im Leistungstief“, gibt er zu.

Erste Corona-Pause sinnvoll genutzt

Zu allem Überfluss brach er sich im Skiurlaub auch noch den Knöchel – das zweite Eldagser Jahr bleibt für den Defensivmann nicht unbedingt in bester Erinnerung. „Doch die erste Corona-Pause habe ich dann genutzt, um mich in Ruhe aus meiner Verletzung rauszukämpfen und alles daranzusetzen, fitter wieder zurückzukommen“, sagt Pinkerneil, der in Lehrte als Fachingenieur arbeitet.

Seit Sommer ist er runderneuert wieder da. Jan Pinkerneil 2.0. Nachdem er die erste Saisonpartie (0:5 in Evesen) noch als Rechtsverteidiger bestritten hatte – diese Position war seit Jan Flügges Abgang zum 1. FC Germania Egestorf/Langreder vakant – ist er zurück auf seiner angestammten Sechserposition. Als alleiniger defensiver Mittelfeldspieler ist der 27-Jährige seit Spieltag zwei im 4-1-4-1 von Coach Holger Gehrmann gesetzt – und für Sebastian Mende nicht weniger als der Spieler, „der bei uns im Schnitt die besten Leistungen gebracht hat“.

Fast ein Ritterschlag vom Kapitän – das wird nicht nur daran liegen, dass Pinkerneil, Mende und Rune Flohr eine Fahrgemeinschaft aus der hannoverschen Südstadt bilden. 30 Kilometer einfache Fahrt an den Deister – eine Gurkerei, die sich laut Pinker­neil aber definitiv lohnt. „Das Gesamtpaket FC Eldagsen ist einfach stimmig“, sagt er fast etwas schwärmerisch. Da spielt einer für seinen Lieblingsverein. „Es macht Freude in dieser Mannschaft. Ich nehme den Weg gerne auf mich, weil ich weiß, was ich wiederbekomme.“

Die Bilder der Saison 2020/21 in Hannovers Amateurfußball

Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. Zur Galerie
Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Worte, die sein Trainer gern hört. „Jan ist als Typ angenehm gerade und keiner, der groß auffallen will. Ich tausche mich gern mit ihm aus“, lobt Gehrmann. „Sein Wort hat Gewicht in der Kabine.“ Nicht umsonst wurde Pinkerneil von seinen Kollegen in den Mannschaftsrat gewählt. „Als Spieler ist er wiederum recht auffällig“, fährt der Trainer fort. „Er ist unser Mister Zuverlässig, weil er seine anfänglichen Fehler beim ersten Kontakt abgestellt hat und nur das macht, was er auch beherrscht.“

Nur einmal ging es mit Pinkerneil durch. In der Bezirksliga gegen BW Salzhemmendorf (6:1) köpfte er nach einer Ecke ein. Sein bislang einziges Tor im gelben Dress. „Und er ist wirklich kein Kopfballungeheuer“, hatte Gehrmann seinerzeit gefrotzelt. Was Pinkerneil lachend bestätigt.

Nicht eben ein Torjäger

Allgemein stuft er seine Torgefährlichkeit als maximal durchschnittlich ein. „Für die Positionen vorn haben wir andere Spielertypen“, sagt er ehrlich. „Meinen nächsten Treffer hebe ich mir auf – für den entscheidenden Moment, in dem wir uns die Teilnahme an der Aufstiegsrunde sichern.“ Wetten, dass? „Bislang habe ich bei Torwetten leider am Ende immer gezahlt“, sagt Pinkerneil schmunzelnd.

Die Aufstiegsrunde als Ziel also – offenbar soll demnach also sein sechster Klassensprung folgen. „Nein!“, interveniert Pinkerneil sogleich. „Ich weiß recht genau, was ich kann. Landesliga kann ich ganz gut spielen. Noch höher ist definitiv nicht mein Anspruch.“ Das Erreichen der Aufstiegsrunde sei schlicht der nervenschonendste Weg, die Klasse zu halten. Und als Vierter mit einer positiven Bilanz (vier Siege, ein Remis, drei Niederlagen) könnten die Chancen schlechter stehen.