16. Januar 2022 / 10:35 Uhr

"Gewaltig entwickelt": Egestorf II in Aufstiegsrunde mit weniger Hilfe von oben?

"Gewaltig entwickelt": Egestorf II in Aufstiegsrunde mit weniger Hilfe von oben?

Jens Niggemeyer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Egestorfer Reserve hatte in der Vorrunde der Bezirksliga reichlich Grund zum Jubeln.
Die Egestorfer Reserve hatte in der Vorrunde der Bezirksliga reichlich Grund zum Jubeln. © deisterpics/Stefan Zwing
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"Das Team hat sich gewaltig entwickelt", freut sich Arndt Westphal, der beim 1. FC Germania Egestorf/Langreder II ins zweite Glied rückt. Tom Struß und Christoph Jülke übernehmen für die Aufstiegsrunde, in der es verstärkt ohne Hilfe aus der Erstvertretung laufen soll -  der Klassenerhalt ist ja bereits fix.

Weil Arndt Westphal, Coach des Bezirksligisten 1. FC Germania Egestorf/Langreder II, beim Niedersächsischen Fußballverband beruflich stark eingespannt ist, rückt er bis auf Weiteres ins zweite Glied zurück: Bis zum Sommer werden Teammanager Tom Struß und Routinier Christoph Jülke, die Westphal bereits in großen Teilen der Vorrunde erfolgreich vertreten haben, die Mannschaft als Cheftrainer betreuen.

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„Das alles ist gemeinsam mit Arndt besprochen worden“, sagt Struß. „Unser Ziel war es, eine bestmögliche Betreuung des Teams zu gewährleisten.“ Westphal betont, dass er die Entscheidung voll mittrage: „Tom und Chris haben das bislang schon sehr gut gemacht. Es war eine absolut vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Er kennt die beiden, man versteht sich sehr gut. „Ich werde nach meinen Möglichkeiten im Umfeld weiter mithelfen.“

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Den bisherigen Saisonverlauf fasst er so zusammen: „Wir haben auf jeden Fall deutlich mehr erreicht, als wir erwartet hatten“, sagt der bisherige Coach, nachdem sich das Team als Tabellenzweiter der Staffel 7 das Ticket für die Aufstiegsrunde gesichert hat. Zur Ehrlichkeit gehöre jedoch auch, dass der überdurchschnittliche sportliche Erfolg nur durch die große Unterstützung der ersten Mannschaft möglich gewesen sei. „Das hat die Qualität natürlich deutlich erhöht.“

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Womit Westphal auf einen Aspekt anspielt, der ihm nicht so gut gefiel. „Unser Ziel war es natürlich auch, einen eigenständigen, schlagkräftigen U23-Kader zu schaffen, das ist uns bislang nur zu 60 Prozent gelungen.“ Aktuell umfasse das Personal der Reserve 16 Spieler, „darunter allerdings vier Torhüter“, betont Westphal. „Und davon fehlen berufs- oder studienbedingt immer drei, vier Mann.“

Ohne Hilfe aus der Ersten geht es nicht

Dazu kämen Verletzungen oder Krankheiten. „Wir sind also im Grunde im Schnitt mit zehn bis zwölf eigenen U23-Spielern unterwegs.“ Das bedeute: Die Hilfe aus dem Oberligateam sei absolut notwendig gewesen. „Zumal der Kader von Paul Nieber enorm groß ist und es dort viele Jungs gibt, die so Wettkampfpraxis sammeln können.“

Es sei jedoch abgesprochen, dass in der Aufstiegsrunde zur Landesliga etwas weniger intensiv auf das Potenzial der Erstvertretung zurückgegriffen werden solle. „Jetzt sollen die Jungs aus dem Kader der Zweiten, die voll durchgezogen haben, auch wenn sie nicht immer zum Einsatz gekommen sind, ihre Spielanteile bekommen.“ Das hätten sie sich verdient. „Wir sollten uns daran halten, was wir ihnen versprochen haben“, so Westphal.

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Und es sei ja auch ein Vorteil, dass sich diese Talente, da der Klassenerhalt bereits eingetütet sei, im Frühjahr ohne größeren Druck entwickeln könnten. Da es zudem ein wenig utopisch erscheine, dass die Mannschaft angesichts der enormen Konkurrenz ernsthaft in den Aufstiegskampf eingreifen könne, spreche wenig dagegen, verstärkt auf die Talente zu setzen. „Es sei denn, wir haben unerwartet große Personalprobleme und benötigen deshalb wieder verstärkt Hilfe.“

Struß relativiert diese Aussage etwas: „Wir stehen immer in super engem Austausch mit Paul Nieber und machen es auch ein wenig vom jeweiligen Gegner abhängig, wer und wie viele aus der Ersten uns dann helfen.“

Defensive als größte Baustelle

Bei einer Bilanz von elf Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen sowie der Tatsache, dass nur ein einziges Tor fehlte, um letztlich vor dem punktgleichen Spitzenreiter SV Ihme- Roloven zu landen, ist davon auszugehen, dass der bisherige Trainer sportlich nicht allzu viel zu kritisieren hat.


Dem ist auch so, mit einer Ausnahme: „Unsere größte Baustelle ist die Defensive, obwohl das an den nackten Ergebnissen nicht immer zu erkennen war“, so Westphal. In etlichen Spielen habe die Mannschaft zu viele Chancen zugelassen, „und erst als wir das dritte und vierte Tor geschossen haben, war das Ding durch“.

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Erst hat <b>Patrick Lehmann</b> in Bavenstedt gepatzt, dann aber mit zahlreichen Glanztaten den Gegner in den Wahnsinn getrieben. Für seine starke Leistung beim 2:1 des TSV Pattensen ist der junge Torhüter mit 67,9 Prozent der Stimmen zum ersten Held der Woche der neuen Saison gewählt worden. Zur Galerie
Erst hat Patrick Lehmann in Bavenstedt gepatzt, dann aber mit zahlreichen Glanztaten den Gegner in den Wahnsinn getrieben. Für seine starke Leistung beim 2:1 des TSV Pattensen ist der junge Torhüter mit 67,9 Prozent der Stimmen zum ersten Held der Woche der neuen Saison gewählt worden. ©

Aus den letzten acht Partien sammelte die Egestorfer U23 stattliche 22 von 24 Zählern. „Wenn ich bedenke, dass ich im Sommer manchmal gedacht habe, dass wir auch ein bisschen Glück benötigen, um überhaupt in der Liga zu bleiben, hat sich das Team gewaltig entwickelt“, lobt Westphal.

Er weist bei aller Freude über die sportlichen Erfolge und das unterm Strich „tolle Engagement“ auch der Spieler aus der ersten Mannschaft darauf hin, dass es bei dem einen oder anderen, der aus dem Oberliga-Kader heruntergeschickt worden sei, ein paar Spiele gedauert habe, bis er dies akzeptiert habe. „Die Jungs wollten ja eigentlich Oberliga spielen und mussten jetzt erst mal den Weg über die U23 gehen. Das ist vom Kopf nicht immer leicht.“

Harms und Ahrens sind mehr an Bord

Auf keinen Fall sei das jedoch als Degradierung gedacht. „Für Talente, die ihre ersten Schritte im Herrenbereich machen und erst mal Erfahrungen sammeln müssen, sind Duelle gegen stark besetzte Teams wie Davenstedt, Gehrden oder Ihme Riesenherausforderungen.“ Ab dem 4. Spieltag hätten aber alle voll mitgezogen. Westphal hebt vor allem Eigengewächse wie Hannes Ronneburg hervor. „Hannes hat schon als Kind hier gekickt, für den ist das eine echte Herzensangelegenheit. Der zerreißt sich auch für die Zweite.“

Mit Blick auf das Personal gibt es im Winter ein wenig Bewegung. „Drei Neuzugänge sind fix“, sagt Struß. „Alles sehr junge Spieler, die für den U23-Kader eingeplant sind: ein Flügelspieler, ein Mann fürs Zentrum und ein Allrounder.“ Dazu soll möglichst noch ein Innenverteidiger kommen. Nicht mehr dabei sein werden Torjäger Jannik Harms, der in die USA flog, um dort – dank eines Stipendiums – zu studieren und Fußball zu spielen. Mit Timo Ahrens hat sich zudem einer der vier Keeper dem 1. FC Wunstorf angeschlossen.

Die Vorbereitung beginnt am 24. Januar, sechs Testspiele sind vorgesehen. Die Gegner in der Aufstiegsrunde seien noch nicht einzuschätzen, folgerichtig gelte das auch für die eigenen Chancen. „Klar ist, dass wir natürlich jedes Spiel gewinnen wollen“, sagt Struß. Wozu es am Ende reiche, werde man sehen. „Wir haben nichts zu verlieren.“