27. Februar 2021 / 12:12 Uhr

FC Grimmas Dauerbrenner Stefan Tröger: "Der Fußball gibt mir viel"

FC Grimmas Dauerbrenner Stefan Tröger: "Der Fußball gibt mir viel"

Tom Rietzschel
Dresdner Neueste Nachrichten
Gut zu Fuß: FC Grimmas Stefan Tröger (r.) setzt sich energisch im Zweikampf gegen Kay Seidemann (Merseburg) durch.
Gut zu Fuß: FC Grimmas Stefan Tröger (r.) setzt sich energisch im Zweikampf gegen Kay Seidemann (Merseburg) durch. © hanni
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Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Rekordspieler der Oberliga-Fußballer des FC Grimma über seinen ersten Einsatz mit gerade einmal 18 Jahren, sein Intermezzo in Leipzig, und was ihm aus seiner Grimmaer Zeit immer in Erinnerung bleiben wird

Grimma. Stefan Tröger ist mit 260 Einsätzen in Sachsen- und Oberliga Rekordspieler bei den Fußballern des FC Grimma. Hinzu kommen noch eine Vielzahl von Einsätzen beim Vorgängerverein SV 1919 Grimma.

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SPORTBUZZER: Herr Tröger, nachdem Sie in Dürrweitzschen mit dem Fußballspielen begonnen hatten, sind Sie als Kind nach Grimma gewechselt. Wie kam das zustande?

Stefan Tröger: Ich habe damals die Fußballschule von Steffen Ziffert besucht, die er im Grimmaer Stadion der Freundschaft veranstaltet hat. Später organisierte er Feriencamps, bei denen ich auch dabei war. So kam der Kontakt zustande und ich wechselte 1997 zum damaligen SV 1919.

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Nachdem Sie beim SV 1919 Grimma sämtliche Nachwuchsstationen durchlaufen hatten, debütierten Sie im April 2006 als A-Jugendlicher im Alter von 18 Jahren im Oberliga-Team. Wie wurden Sie in der Männermannschaft aufgenommen?

Offen und herzlich, obwohl ich noch ein sehr junger Spieler war. Nichtsdestotrotz ist dies mit heute nicht mehr vergleichbar. Damals war es eine völlig andere Generation. Hinzu kam, dass die Mannschaft total eingespielt war. Unter Trainer Joachim Steffens zählte nur der Leistungsgedanke, demzufolge musste man im Training immer an die Grenzen gehen. Jeder Einzelne musste in den Einheiten um seinen Platz im Team kämpfen, die Konkurrenzsituation in der Mannschaft war damals extrem hoch. Die Oberliga war zu dem Zeitpunkt die vierthöchste Spielklasse, so dass das damalige Niveau top war. Jeder Fehler wurde knallhart bestraft – schon aus diesem Grund hat uns Joachim Steffens immer gefordert. Ein „streicheln“ gab es damals nicht. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und mir für meinen weiteren Lebensweg extrem geholfen.

Ihr erstes Oberliga-Spiel absolvierten Sie beim Halleschen FC (0:1), als Sie in der 75. Minute für Thomas Mähne eingewechselt wurden. Haben Sie noch Erinnerungen an diese Begegnung?


Natürlich war ich etwas aufgeregt und hatte durchaus Lampenfieber. Allerdings erinnere ich mich, dass wir im Duell zweier schwacher Mannschaften damals die schwächere waren. Uns gelang nicht viel, wir hatten einen gebrauchten Nachmittag. Dann ist es natürlich schwer als Einwechsler noch etwas zu bewegen. Zumal ich der Meinung bin, dass wir bis zum heutigen Tag kein Tor erzielt hätten.

In besagter Oberliga-Saison 2005/06 kamen Sie insgesamt auf sechs Einsätze – davon vier über 90 Minuten. Nach der Saison stieg der SV 1919 Grimma in die Sachsenliga ab. Wie haben Sie diese turbulente Phase im Verein erlebt?

Ich hatte als junger Spieler natürlich noch keinen Einblick, was abseits des grünen Rasens passiert. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Vereins kannte ich anfangs nicht. Doch ich bekam immer mehr mit und machte mir auch meine Gedanken. Ich hatte auch zwei, drei Angebote, doch auch aufgrund meiner Ausbildung bei Faun in Grimma beschloss ich, weiter beim SV 1919 zu spielen.

Im Anschluss daran erlebte der SV 1919, beziehungsweise der FC Grimma, zunächst sehr schwere Jahre in Sachsens höchster Spielklasse. Sie gehörten all die Jahre zu den Leistungsträgern. Was waren damals die Probleme?

Die Mannschaft fiel nach dem Oberliga-Abstieg ziemlich auseinander, nur wenige Spieler blieben in Grimma. Aufgrund der finanziellen Probleme fehlte es dem Kader etwas an Qualität und vor allem an der Breite, um zeitnah das Wort Wiederaufstieg in den Mund nehmen zu können. Es mangelte vor allem an Führungsspielern, die das Team in jeder Lage mitziehen und an denen sich die Mannschaft aufrichten kann. Weiterhin kam aus dem eigenen Nachwuchsbereich außer Oliver Kurzbach und mir kein Spieler hervor, der sich langfristig im Herrenteam etablieren konnte. Natürlich hatten wir gute Trainingsbedingungen, doch reichten diese zweifelsohne nicht aus, um sportlich eine gewichtige Rolle in der Sachsenliga spielen zu können.

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Zur Saison 2013/14 wechselten Sie zur damaligen SG Sachsen Leipzig. Was waren die Gründe dafür?

Nach vielen Jahren in Grimma habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht. So kam der Kontakt mit Sachsen-Trainer Dirk Havel zustande. Das gute sportliche Konzept und die Mannschaft mit unter anderen Alexander Bury, Mario Schaaf, Andy Müller oder René Ledwoch hat mich überzeugt. Außerdem habe ich zu diesem Zeitpunkt schon in Leipzig gewohnt. Also habe ich mich dazu entschlossen, das Angebot anzunehmen und nach Leutzsch zu wechseln.

Allerdings war das Intermezzo in Leipzig schon nach sechs Monaten wieder beendet und Sie sind nach Grimma zurückgekehrt. Wie lief damals die Rückholaktion ab?

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Das Problem war, dass kurzfristig der Hauptsponsor abgesprungen war und somit die wirtschaftliche Situation im Verein extrem schwierig wurde. Demzufolge war eine sportliche Perspektive für die kommenden Monate und Jahre nicht gewährleistet, obwohl wir mit dieser Mannschaft um den Oberliga-Aufstieg mitgespielt hätten. Als die finanziellen Probleme der Leipziger nach außen drangen, kontaktierte mich der damalige und heutige Grimmaer Teammanager und wir kamen über eine eventuelle Rückkehr ins Gespräch. Entscheidend hierbei war für mich auch, dass ich kurz vor der Selbstständigkeit mit der Muldentalhalle stand. Nachdem noch einige bürokratische Klippen bewältigt werden mussten, wechselte ich im Januar 2014 zurück nach Grimma.

Nach jahrelangen Versuchen schaffte der FC Grimma in der Saison 2018/19 endlich die Rückkehr in die Oberliga. Was war anders als in den Jahren zuvor?

Der Trainerwechsel im Sommer 2018 brachte frischen Wind ins Team. Alles war neu. Neue Abläufe, neue Ansprache, neue Trainingsinhalte. Aus der Mannschaft wurde alsbald eine Einheit, bei der auf dem Platz jeder für den anderen da war. Doch nicht nur auf dem Feld, sondern auch außerhalb waren wir eine eingeschworene Truppe. Trainer Alexander Kunert ist es gelungen, genau an den richtigen Stellschrauben zu drehen, damit sich die Fehler aus den Vorjahren nicht mehr wiederholen. Eine positive Entwicklung war frühzeitig spürbar. Auch Spieler, welche nicht zur ersten Elf gehörten, wurden immer stark geredet. Das endete letztlich 2018/19 in einer Leistungsexplosion.

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Neben Ihren fußballerischen Aktivitäten sind Sie hauptberuflich verantwortlich für die Grimmaer Muldentalhalle und stolzer Papa einer kleinen Tochter. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Dies ist manchmal natürlich nicht alles ganz so einfach, doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Zweifelsohne ist mein zeitlicher Druck schon enorm, doch mit leichten Abstrichen ist organisatorisch vieles lösbar. Der Fußball gibt mir viel. Er ist der richtige Ausgleich zu meiner Selbstständigkeit. Primär für mich ist es jedoch immer, so viel Zeit wie möglich mit meiner Tochter zu verbringen.

Wenn Sie Ihre Grimmaer Zeit mal etwas Revue passieren lassen: Gibt es ein Spiel oder ein Ereignis, was bis heute immer in Erinnerung geblieben ist?

Nach so vielen Jahren fallen mir da einige ein. In unserem Oberliga-Abstiegsjahr 2006 spielten wir mit dem SV 1919 am vorletzten Spieltag beim 1. FC Magdeburg vor über 4000 Zuschauern. Wir holten dort beim 0:0 einen Punkt. Für uns war der zu wenig, Magdeburg hatte damit den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Die Atmosphäre damals war schon gigantisch. Außerdem ist mir ein Pokalspiel im September 2006 beim damaligen Bezirksliga-Aufsteiger 1. FC Lokomotive Leipzig in Erinnerung. Freitagabend, Flutlicht, 4500 Zuschauer – was will man mehr! Doch für mich war bei der 0:2-Niederlage kurz vor der Halbzeit die Partie beendet, als ich unberechtigt mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Unter FC-Regie ist mir die Begegnung bei Chemie Leipzig im Februar 2015 in Erinnerung, als wir vor guter Kulisse in Leutzsch mit 2:0 gewannen und ich kurz nach der Halbzeit das zweite Tor erzielte. Nicht zu vergessen ist aber auch der knappe 1:0-Heimsieg im Sachsenliga-Spitzenspiel gegen Einheit Kamenz im November 2018. Es war ein Mittwochspiel, ich hatte bis früh noch eine Veranstaltung in der Muldentalhalle. Eigentlich war ich gar körperlich gar nicht in der Lage, 90 Minuten abzuspulen. Doch wie es der Zufall manchmal so will: Ich machte in der 88. Minute das Siegtor.