05. Juli 2020 / 18:59 Uhr

FC Hansa Rostock: Ein trauriger Tag 

FC Hansa Rostock: Ein trauriger Tag 

Christian Lüsch
Ostsee-Zeitung
Nach der 2:4-Pleite in Chemnitz und der endgültig verpassten Aufstiegschance versammelten sich die Rostocker ein letztes Mal in dieser Saison um einen enttäuschten Trainer Jens Härtel.
Nach der 2:4-Pleite in Chemnitz und der endgültig verpassten Aufstiegschance versammelten sich die Rostocker ein letztes Mal in dieser Saison um einen enttäuschten Trainer Jens Härtel.
Anzeige

Nach der Niederlage in Chemnitz und verpassten Relegationschance zieht FCH-Trainer Jens Härtel eine kritische Saisonbilanz. Klub verabschiedet Profis und startet Ende Juli neu.

Anzeige

Die beste Beschreibung zur Stimmung nach dem Saisonfinale lieferte Kai Bülow: „Das ist ein trauriger Tag. Es gibt keine lachenden Gesichter“, sagte der 34-jährige Hansa-Profi. Sprach’s, und schlich mit seinen Teamkollegen aus dem Stadion.

Für Fußball-Drittligist FC Hansa Rostock endete eine durchwachsene Saison am Sonnabend mit einer 2:4 (0:0)-Niederlage beim Chemnitzer FC. Es war ein Tag, der nur Verlierer kannte: Hansa verpasste den Sprung auf den Relegationsplatz, Chemnitz die Rettung. Die Niederlage besiegelte den Abstieg der „Himmelblauen“.

Mehr zum FC Hansa Rostock

Die Rostocker verloren aber mehr als nur ihre Aufstiegschance. Futsch war auch das Saisonziel: Einen Platz unter den fünf besten Teams der Liga hatte die Mannschaft als Ziel anvisiert. Am Ende wurde sie – wie in den beiden Spielzeiten zuvor – Sechster. Damit war die direkte Qualifikation für den finanziell lukrativen DFB-Pokal hin. Nur die Top-5 der 3. Liga sind gesetzt. Hansa muss den Landespokal gewinnen, um am Wettbewerb teilnehmen zu dürfen.

Kein Wunder, dass Härtel haderte: „Wenn es um etwas geht, musst du da sein. Das waren wir nicht“, bilanzierte er. Seine Analyse umfasste nicht nur das Duell gegen Chemnitz. Der 51-Jährige erinnerte an vier der letzten fünf Saisonspiele seines Teams, von denen nur das Heimspiel gegen den KFC Uerdingen (1:0) gewonnen wurde. Gegen Duisburg (0:0) und Kaiserslautern (1:1) reichte es jeweils nur zu einem Punkt. Bei den Würzburger Kickers (1:3) und am Sonnabend in Chemnitz erlitt Hansa torreiche und folgenschwere Pleiten. Das einzig Positive war, dass der FCH es erstmal nach seinem Zweitliga-Abstieg schaffte, seine Aufstiegschance bis zum Saisonfinale zu wahren. Dennoch fühlte Härtel sich angesichts des unbefriedigenden Abschlusses „leer und enttäuscht“.

Hansa Rostock: Die Einzelkritik zum 2:4 in Chemnitzer FC

Markus Kolke: Zur Galerie
Markus Kolke: ©

Es war nur ein schwacher Trost, dass Hansa auch ein Sieg gegen die Sachsen nicht in die Relegation geführt hätte. Denn weder der FC Ingolstadt noch der MSV Duisburg leisteten sich Ausrutscher.

Noch bitterer als für die Mecklenburger endete das Saisonfinale für die Chemnitzer. Nicht mal der klare Heimsieg reichte ihnen zur Rettung. Die Sachsen steigen aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ge-genüber Zwickau in die Regionalliga ab.

Das mit Spannung erwartete Entscheidungsspiel verlief kurios: In der ersten Halbzeit fielen keine Tore in der zweiten ein halbes Dutzend: Philipp Hosiner (50./Foulelfmeter, 86., 88.) und Sören Reddemann (78.) trafen für die Sachsen. Lukas Scherff (52.) und Erik Engelhardt (89.) für die Rostocker.

Die letzten drei Treffer der Partie fielen innerhalb von nur drei Minuten. „Das war vogelwild“, ärgerte sich Härtel über das Abwehrverhalten. Man müsse jetzt die „Lehren ziehen“ und „es in der nächsten Saison besser machen“, kündigte der Coach an. Bei seinem Team sei nicht immer alles da gewesen, was er sich gewünscht hätte, kritisierte der Fußballlehrer. „Bei der Intensität, dem Zweikampfverhalten und den Standards haben wir Luft nach oben.“

Hansa rüstet personell um. Bei zwölf Spielern enden Verträge (Reinthaler, Rieble, Öztürk, Pepic, Sebald, Daedlow, Bülow) beziehungsweise Ausleihen (Opoku, Hanslik, Granatowski, Nartey, Pedersen). Der Klub verabschiedete das Team am Sonntag. Abgänge wurden nicht verkündet. Die Gespräche seien nicht abgeschlossen, hieß es. Den Trainingsauftakt plant Härtel für den 27. Juli.

Von Christian Lüsch