10. Mai 2021 / 15:20 Uhr

Hinten und vorn überragend: Als der FC Lehrte den Aufstieg in die Landesliga feierte 

Hinten und vorn überragend: Als der FC Lehrte den Aufstieg in die Landesliga feierte 

Dirk Drews
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Konfettikanone und Bierdusche zugleich: Besser kann es für den FC Lehrte nicht kommen als am 29. Mai 2016.
Konfettikanone und Bierdusche zugleich: Besser kann es für den FC Lehrte nicht kommen als am 29. Mai 2016. © Sascha Priesemann
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Am 29. Mai 2016 feierte der FC Lehrte den Aufstieg in die Landesliga. Das Team von Erfolgscoach Willi Gramann dominierte die Bezirksliga 2, kassierte in 30 Spielen nur 33 Gegentore, erzielte überragende 106 Saisontore und erreichte das große Ziel in einem echten Herzschlagfinale. Der SPORTBUZZER blickt zurück.

Es gibt Momente im Sportlerleben, die vergisst man nie. Spiele, bei denen man jetzt noch genau weiß, wo man sie damals verfolgt oder wie man sie erlebt hat. Geschichten, die von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr ausgeschmückt werden, aber immer gleich anfangen. Wir haben Vereine im Umland nach ihrem ganz besonderen Ereignis der vergangenen Jahre gefragt. Heute erinnert sich der FC Lehrte, wie sein Traum vom Aufstieg in die Landesliga wahr wurde.

Es war der 29. Mai 2016, als im Lehrter Stadion am Hohnhorstweg gegen 17 Uhr Böller krachten und Sektkorken knallten. Die FC-Fans zündeten vor Freude Bengalos und warfen sogar Rauchbomben. Umhüllt von den roten (gemäß der FC-Farben) Nebelschwaden jubelten auf dem Rasen siegestrunkene Kicker. In der Mitte der Spielertraube Arm in Arm: Erfolgscoach Willi Gramann sowie Co-Trainer und Manager Patrick Werner. Auf ihren übergestreiften T-Shirts stand „Meister 2016“.

Unter roten Nebelschwaden schreien es die Lehrter raus: Landesliga, wir kommen. 
Unter roten Nebelschwaden schreien es die Lehrter raus: Landesliga, wir kommen.  © Sascha Priesemann

Lehrte distanziert Godshorn nach Herzschlagfinale

Kurz zuvor hatte der FCL vor 400 Zuschauern in einem Herzschlagfinale der Bezirksliga 2 einen 4:0-Erfolg gegen den TSV Stelingen geschafft, den parallel ebenfalls siegreichen Verfolger TSV Godshorn um einen Punkt distanziert und somit den Titelkampf entschieden. Mit dem Aufstieg in die Landesliga konnte der Ende der Sechziger Jahre aus der Fusion der Klubs VfL Lehrte und SC Taube Lehrte entstandene FC in der Tat ein ganz großes Ding realisieren.

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„Auf den Punkt genau hatten wir einen vom Vorsitzenden Fred Koch, Manager Patrick Werner und mir festgelegten Dreijahresplan mit dem Aufstieg perfekt umgesetzt. In meiner langen Amtszeit als FC-Trainer war es das absolute Highlight“, sagt Gramann, der seit der Saison 2002/2003 die Lehrter coacht. Nach schnellen Aufstiegen von der Kreisliga über die Bezirksklasse in die Bezirksliga sollte es bis zur Spielzeit 2015/2016 dauern, um unter seiner Regie den Sprung in die Landesliga zu schaffen.

Coach Willi Gramann und Co-Trainer Patrick Werner (von links) sind Hauptdarsteller im Aufstiegsfilm des FCL.
Coach Willi Gramann und Co-Trainer Patrick Werner (von links) sind Hauptdarsteller im Aufstiegsfilm des FCL. © Sascha Priesemann

Starke Defensive, überragende Offensive

Das Erfolgsrezept war die Ausgeglichenheit des Teams. Sowohl die Defensivabteilung um Torwart Alexander Homann und Abwehrchef Mateusz Duraj, die nur 33 Gegentore in 30 Spielen zuließ, als auch die Offensive überzeugte. Der FCL-Angriff erwies sich mit 106 Saisontreffern sogar als veritable Torfabrik. Im finalen Match gegen die Stelinger gelang dem damals 35-jährigen Torjäger Patrick Heldt nach dem Führungstor von Christopher Reinecke (24. Minute) innerhalb von neun Minuten (40., 44., 48.) ein Hattrick.

„Das Freistoßtor zum 4:0 aus 25 Metern in den Winkel wurde vom SPORTBUZZER sogar als Tor des Jahres gekrönt. Bei der Party wurde ich dafür mit einer Reise zu zweit nach München zum Doppelpass belohnt“, sagt Heldt, der damals sogar doppelte Ehren in Empfang nahm. Als Rekordtorschütze der Region (43 Tore) gab es vom Sportbuzzer für den ersten Platz in der Kategorie „Spieler des Jahres“ den Besuch eines Länderspieles geschenkt. „Ich habe mir mit meinem Vater Günther (einst selbst als Torjäger für Stern Misburg aktiv, Anm. d. Red.) in Berlin die Partie Deutschland gegen Brasilien angesehen“, sagt Heldt, der inzwischen beim TuS Altwarmbüchen als Trainer fungiert.


Meistertrainer Willi Gramann stellt seinen FC Lehrte vor!

<b>Antonio Marotta</b>: Ich habe noch nie solch einen Spieler erlebt, der ohne Training, dafür aber mit vielen isotonischen Getränken, solch starke Leistungen abruft. Als Routinier in der Mannschaft ist er unersetzlich. Zur Galerie
Antonio Marotta: "Ich habe noch nie solch einen Spieler erlebt, der ohne Training, dafür aber mit vielen isotonischen Getränken, solch starke Leistungen abruft. Als Routinier in der Mannschaft ist er unersetzlich." © Sascha Priesemann

Lehrte will erneut in die Landesliga

Sein einstiger Sturmpartner beim Landesliga-Aufstiegstriumph gegen den TSV Stelingen, Tobias Schmitt, wird nach seinem Wechsel zum Stadtrivalen SV 06 Lehrte künftig wieder für den FC Lehrte am Ball sein. Dann allerdings in der Bezirksliga. Denn die 6. Liga war für den FCL nur ein kurzes Intermezzo. Im Mai 2017 ging es trotz eines 3:1-Erfolges zum Abschluss beim MTV Almstedt als Tabellen-14. zurück in den Bezirk.

In der wegen der Corona-Pandemie annullierten Saison lag das Team in der Bezirksliga 5 aussichtsreich mit Blick Richtung Aufstiegsrunde auf Rang zwei – in der nächsten Spielzeit wird aber wieder angegriffen. Mit Schmitt und weiteren interessanten Neuzugängen wie Obrad Sosic, Leonard Berisha oder Jonas Künne soll wieder ein großes Ziel angepeilt werden. „Die künftige Mannschaft wird noch mehr Qualität haben. Unser Ziel ist es, in der nächsten Saison zumindest die Aufstiegsrunde zu erreichen“, sagt Gramann. Und das 54-jährige Trainerurgestein des FC Lehrte fügt hinzu: „Vielleicht können wir ja wie vor fünf Jahren zum zweiten Mal in meiner Ära den Sprung in die Landesliga schaffen.“