26. Juni 2020 / 18:04 Uhr

Brandenburger Udo Pütsch über die Meisterschaft des FC Liverpool: "Die große Sehnsucht hat sich erfüllt"

Brandenburger Udo Pütsch über die Meisterschaft des FC Liverpool: "Die große Sehnsucht hat sich erfüllt"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Fans des FC Liverpool feierten in der Nacht zu Freitag vor dem Stadion Anfield die Meisterschaft. Udo Pütsch aus Zeuthen ist seit 1977 Liverpool-Fan.
Die Fans des FC Liverpool feierten in der Nacht zu Freitag vor dem Stadion Anfield die Meisterschaft. Udo Pütsch aus Zeuthen ist seit 1977 Liverpool-Fan. © Peter Byrne/dpa/Privat
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Nach 30 langen Jahren des Wartens ist der FC Liverpool unter dem deutschen Trainer Jürgen Klopp wieder englischer Meister – Brandenburger Fans jubeln über Titelgewinn.

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Udo Pütsch war für den lang ersehnten Moment perfekt vorbereitet. „Ich habe mir das inoffizielle Meistershirt schon im März vor der Anfiel Road gekauft“, berichtet der 61-Jährige, der in Zeuthen (Dahme-Spreewald) lebt. „Der Straßenhändler hatte mir damals gesagt, dass es ja nur eine Frage des wann und nicht des ob ist.“ Das war am 11. März, als die Liverpooler im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Atletico Madrid scheiterten und Pütsch beim bis dato letzten Spiel vor Zuschauern an der legendären Anfield Road war.

Am Donnerstagabend um 23.10 Uhr war es endlich soweit. Nach der 1:2-Niederlage von Pep Guardiolas Manchester City beim FC Chelsea stand fest, dass der englische Traditionsverein FC Liverpool nach 30 Jahren erstmals wieder über den Gewinn der englischen Meisterschaft jubeln kann. Es ist bereits der 19. nationale Titel – allerdings der erste seit Gründung der Premier League im Jahr 1992.„Die große Sehnsucht hat sich erfüllt“, sagt Udo Pütsch mit Blick auf die 11 016 Tage währende Durststrecke, in der die Anhänger der Reds viel leiden mussten. Einige Male war ihr Herzensverein nah dran. Besonders tragisch bleibt die Saison 2013/14 in Erinnerung, als Brendan Rodgers’ Elf den sicher geglaubten Titel zwei Spieltage vor Schluss verspielte. In der Vorsaison standen die Reds schon mit sieben Punkten Vorsprung an der Spitze. Am Ende verpassten sie den Titel als bester Zweitplatzierter aller Zeiten mit 97 Punkten ganz knapp.

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Ausnahmezustand in Liverpool! Die Spieler (kleine Bilder) feiern die Meisterschaft des LFC genauso ausgelassen wie die Fans an der Anfield Road - trotz Versammlungsverbote. Die Party-Bilder aus Liverpool. Zur Galerie
Ausnahmezustand in Liverpool! Die Spieler (kleine Bilder) feiern die Meisterschaft des LFC genauso ausgelassen wie die Fans an der Anfield Road - trotz Versammlungsverbote. Die Party-Bilder aus Liverpool. ©

„Obwohl 2005 und 2019 die Champions League gewonnen wurde, zählte eigentlich immer nur die Meisterschaft. Es gab in der Stadt nie ein anderes Thema. Das kann man sich in Deutschland vielleicht gar nicht so vorstellen“, sagt Pütsch, der als Leiter des Englisch-Zentrums in Zeuthen regelmäßig in Liverpool ist. „Zudem konnten wir es unserem Erzrivalen Manchester United endlich mal wieder zeigen.“ United ist mit 20 Meisterschaften noch immer Rekordchampion im Mutterland des Fußballs, spielte in den vergangenen Jahren im Titelkampf aber keine Rolle mehr.

Groß war die Freude anschließend auch bei anderen Liverpool-Fans in Brandenburg. „Trotz der Begleitumstände ist es einfach ein überragendes Gefühl“, sagt etwa der 31-jährige Nico Tennigkeit, der in den vergangenen beiden Spielzeiten die Landesklasse-Kicker des ESV Lok Seddin (Potsdam-Mittelmark) trainierte und seit 15 Jahren glühender Liverpool-Anhänger ist. „Die Saison an sich überstrahlt einfach alles. Da ist es egal, ob man länger darauf warten musste und die Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie sich das für Leute aus Liverpool anfühlt, die jetzt eine 30-jährige Durststrecke hinter sich haben.“ Pütsch ist bereits seit 1977, als der FC Liverpool im Endspiel des Europapokals der Landesmeister auf Borussia Mönchengladbach traf, 3:1 gewann und er das Spiel am Fernseher verfolgte, Fan des Teams aus der Hafenstadt im Nordwesten Englands.

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Der Anteil des deutschen Trainers Jürgen Klopp sei dabei nicht hoch genug einzuschätzen. Nach dem Gewinn der Champions League und des Weltpokals ist es für den 53-Jährigen der dritte Titel mit Liverpool – und der wichtigste. „Er ist ein Mann der Völkerverständigung. Durch ihn hat sich das Ansehen Deutschlands in Liverpool komplett verändert. Seit der Beatle-Mania hat in Liverpool niemand mehr für so viel Euphorie gesorgt“, adelt Pütsch den ehemaligen Coach von Mainz 05 und Borussia Dortmund. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 habe „The Normal One“ unfassbar viel bewegt und sei nach dem Gewinn des Meistertitels jetzt in den „Olymp aufgestiegen“.

Die Klopp-Schützlinge hatten ihr Punktekonto am Mittwoch durch einen 4:0-Sieg gegen Crystal Palace auf 86 Zähler erhöht und feierten den langersehnten Titelgewinn vor dem Fernseher auf der Couch. Udo Pütsch, der in der aktuellen Saison bei vier Heimspielen des Klopp-Teams im Stadion war und für drei weitere Partien Tickets hatte, und ein paar Freunde fanden sich am Donnerstagabend zu einer spontanen Meisterfeier in einer Kneipe in Eichwalde zusammen – bei der Udo Pütsch natürlich sein Meistershirt trug.