08. Februar 2021 / 12:42 Uhr

Kommentar zur Talfahrt des FC Liverpool: Jürgen Klopp muss sich ein Beispiel an Pep Guardiola nehmen

Kommentar zur Talfahrt des FC Liverpool: Jürgen Klopp muss sich ein Beispiel an Pep Guardiola nehmen

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister bewertet die aktuelle Situation von Jürgen Klopp (links) und Pep Guardiola in der Premier League.
SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister bewertet die aktuelle Situation von Jürgen Klopp (links) und Pep Guardiola in der Premier League. © Getty Images/Montage
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Nach Ansicht von SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister hat der FC Liverpool seinen Höhepunkt mit dem Titelgewinn in der vergangenen Saison erreicht und muss nun schleunigst einen Umbruch forcieren. Als Beispiel könnte Trainer Jürgen Klopp sein Kollege Pep Guardiola von Manchester City dienen.

Im Fußball droht immer die Gefahr, Ergebnisse überzubewerten oder zu dramatisieren. Ein glorreicher Sieg oder eine krachende Niederlage geben nicht immer den wahren Zustand der beteiligten Mannschaften wieder. Manchmal hat der Ausgang eines Spiels auch einfach mit Glück, Pech oder den äußeren Gegebenheiten zu tun, besonders in der Corona-Pandemie. Das 1:4 des FC Liverpool gegen Manchester City war keines dieser Spiele. Es hat enorme Aussagekraft, enorme Bedeutung, für beide Teams. Nach den beiden Meisterschaften für Pep Guardiolas Kurzpass-Ensemble 2018 und 2019 und dem Titel für Jürgen Klopps Mentalitätsmonster in der vergangenen Saison markiert diese Partie den erneuten Machtwechsel an der Spitze der Premier League.

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Manchester City ist zurück auf dem Gipfel, die Mannschaft ist seit Wochen in ähnlich berauschender Form wie in den Meisterjahren und hat nach der Demonstration von Anfield als Tabellenführer schon fünf Punkte Vorsprung auf den engsten Verfolger Manchester United, der – nach allgemeiner und eigener Auffassung – gar kein Verfolger ist. Wenn Guardiolas Mannschaft nicht noch einen unerklärlichen Einbruch erleidet, wird Manchester City in dieser Saison Meister, mit dem 4:1 beim Titelverteidiger als Meilenstein auf dem Weg dorthin.

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Beim FC Liverpool dagegen bestätigte die Demontage, was sich schon die ganze Saison über angedeutet hatte – nämlich, dass diese großartige Mannschaft mit (dem aktuell verletzten) Virgil Van Dijk, Jordan Henderson und der furiosen Sturmreihe um Mohamed Salah mit dem Titelgewinn in der vergangenen Saison ihren Höhepunkt erreicht hatte. Nach einem Höhepunkt geht es zwangsläufig abwärts. Das passiert gerade mit Klopps Team.

Die Zahlen belegen, dass das 1:4 kein Ausrutscher war. Zum ersten Mal seit 1963 hat Liverpool drei Heimspiele nacheinander verloren. Die Mannschaft hat 27 Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison. So tief ist noch kein Meister im englischen Fußball gefallen. Für den aktuellen Tabellenvierten kann es in der Liga in dieser Saison nur noch um die Champions-League-Qualifikation gehen, und sogar die ist in Gefahr, weil von hinten Thomas Tuchels FC Chelsea drängt. Auch die Champions League selbst, wo es im Achtelfinale bekanntermaßen gegen RB Leipzig geht, bietet für Liverpool noch die Chance auf einen Titel in dieser Saison.

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Der FC Liverpool braucht einen Umbruch

Trotzdem ist klar, dass die Mannschaft einen Umbruch braucht angesichts alternder Schlüsselspieler und sichtbarer Erschöpfung nach dem Rausch der vergangenen Jahre. Teilweise wurde der Kader schon aufgefrischt mit Thiago vom FC Bayern, Diogo Jota von den Wolverhampton Wanderers, Talenten aus der eigenen Schule wie Curtis Jones und dem von Schalke geliehenen Ozan Kabak. Diesen Weg muss Liverpool künftig noch konsequenter gehen.

Nach dem Ende des Meisterfluchs in der vergangenen Saison wird die Erneuerung seines Teams die nächste große Aufgabe für Klopp. Er genießt immer noch höchstes Ansehen in England, doch der Presse ist nicht entgangen, dass der Trainer zuletzt oft ratlos wirkte und sich bei der Suche nach Gründen für die trüben Ergebnisse in seltsame Verschwörungstheorien verstieg. Wenn er sich ein Beispiel nehmen will, wie man eine Mannschaft erneuert, muss er sich nur Manchester City anschauen. Nach der demütigenden Vorsaison hat Guardiola sein Team neu erfunden, mit einer soliden Abwehr um Rúben Dias, einem überragenden Ilkay Gündogan als Spielmacher und ohne echte Spitze. Ein solcher Neuaufbau ist jetzt auch Klopps Herausforderung.

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