22. Juli 2021 / 19:01 Uhr

Vor Zweitliga-Start: Wie Schalke 04 seinen Kader umbaut - Grammozis für Slomka "gefühlt neuer Trainer"

Vor Zweitliga-Start: Wie Schalke 04 seinen Kader umbaut - Grammozis für Slomka "gefühlt neuer Trainer"

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Gesicht des FC Schalke 04 hat sich vor dem Start der 2. Liga drastisch geändert.
Das Gesicht des FC Schalke 04 hat sich vor dem Start der 2. Liga drastisch geändert. © Getty Images/IMAGO/Panthermedia (Montage)
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Mit der Partie gegen den Hamburger SV eröffnet Schalke 04 am Freitag die neue Zweitliga-Saison. Der Bundesliga-Absteiger hat seinen Kader radikal umgebaut. Und auch der Trainer ist für Ex-Coach Mirko Slomka "gefühlt" ein neuer. Der SPORTBUZZER nimmt das neue S04 unter die Lupe.

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Von Gerald Asamoah gibt es reichlich Bilder, auf denen der langjährige Fußballprofi des FC Schalke 04 gut gelaunt wirkt, feixend jemanden in den Arm nimmt oder breit grinst. Am 20. April dieses Jahres dürften solche Bilder nicht entstanden sein. Es war der Tag, an dem der damalige Koordinator und jetzige Leiter des Lizenzspielerbereichs den Bundesliga-Abstieg des Revierklubs mit ansehen musste. Mit dem 0:1 bei Arminia Bielefeld war unumkehrbar, was sich in zuvor 16 desaströsen Monaten unheilvoll aufgebaut hatte. Und Asamoah zeigte auch in diesem Moment, was viele Anhänger den meisten Spielern seinerzeit absprachen: Emotionen. Der Ex-Nationalspieler kämpfte mit den Tränen.

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Spätestens an diesem Frühlingsabend in Ostwestfalen war klar, dass in diesem Sommer bei S04 kaum ein Stein auf dem anderen würde bleiben können. Der sportlich wie wirtschaftlich angeschlagene Klub, der im Laufe der Abstiegssaison seine gesamte sportliche Führung austauschte, hat für die an diesem Freitag (20.30 Uhr, Sky und Sat.1) mit dem Heimspiel gegen den Hamburger SV beginnende Zweitligasaison umgebaut.

Drexler und Fraisl als weitere Neuzugänge

Am Mittwoch vermeldeten die Königsblauen die Verpflichtung des offensiven Mittelfeldspielers Dominick Drexler vom 1. FC Köln und des vereinslosen Torwarts Martin Fraisl – die Neuzugänge Nummer elf und zwölf, wenn man die von ihren Ausleihen zurückgekehrten Ozan Kabak (FC Liverpool) und Rabbi Matondo (Stoke City) nicht mitrechnet.

Der Transfer von Fraisl ist auch eine Reaktion auf den positiven Corona-Test bei Routinier Ralf Fährmann, den Trainer Dimitrios Grammozis als Stammtorwart eingeplant haben dürfte. "Aufgrund der Geschehnisse der vergangenen Tage hatten wir akuten Handlungsbedarf", sagte Sportdirektor Rouven Schröder. Beim Auftakt gegen den HSV will der Trainer dennoch zunächst auf den erfahrenen Michael Langer bauen. Zu den Hoffnungsträgern gehören außerdem der neue Kapitän Danny Latza, der vom FSV Mainz 05 zurückkehrte, und Torjäger Simon Terodde, der zuletzt beim HSV spielte.

Ex-Trainer Slomka sieht "Riesenumbruch" bei Schalke

Demgegenüber stehen bislang 21 Abgänge. "Bei Schalke gibt es einen Riesenumbruch. Sie haben mehr als 20 Spieler aus dem Kader verloren. Das ist Wahnsinn", sagte Ex-S04-Trainer Mirko Slomka unlängst in einer Medienrunde des TV-Senders Sky, für den er als Experte fungiert. Der 53-Jährige fühlte sich an seine zweite Amtszeit bei Hannover 96 erinnert, die im November 2019 nach nicht einmal einem halben Jahr ein jähes Ende nahm. Er musste damals ebenfalls mehr als ein Dutzend neue Profis einbauen.

Unter Slomka (2006 bis 2008) waren die Königsblauen einst ein Kandidat für die Champions-League-Ränge – jetzt also 2. Liga unter Grammozis, der das Unterhaus aus seiner Zeit bei Darmstadt 98 kennt. Seit Anfang März ist der 43-Jährige Coach auf Schalke. Da war die Mannschaft schon so deutlich abgeschlagen, dass kaum jemand noch den Klassenerhalt erwartete. "Für mich ist Grammozis gefühlt auch ein neuer Trainer. Er wurde zwar in der ersten Liga verpflichtet, aber eigentlich, um wieder den Aufstieg zu schaffen", so Slomka, der trotz Grammozis’ Erfahrung in der 2. Liga damit rechnet, dass es "am Anfang ein bisschen zäh" werde.

Durchgereicht? Tönnies-Sorgen um S04

Zudem warnte Slomka seinen Ex-Verein vor der körperlichen Robustheit vieler Teams in der Zweitklassigkeit: "Dort sind Kampf und Wille angesagt, und es dauert lange, bis man sich abgesetzt hat." Davon, dass auf eine stabile Hinserie ein Absturz folgen kann, kann nicht zuletzt der HSV ein Lied singen. Die Hansestädter scheiterten seit ihrem Abstieg 2018 nun schon dreimal an der ersehnten Bundesliga-Rückkehr.

Immerhin: Die Sorge des langjährigen Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies, S04 könne ohne strukturelle Änderungen weiter nach unten "durchgereicht" werden, teilt Slomka nicht. "Nein, auf gar keinen Fall. Ich glaube eher, dass sie mit Werder Bremen zusammen Favorit auf den Aufstieg sind", betont er. Dagegen dürfte kaum jemand in Blau-Weiß etwas einzuwenden haben. Gewiss auch nicht Asamoah, bei dem die Tränen im nächsten Frühjahr dann vielleicht erneut fließen würden – diesmal aus Freude.