28. Mai 2020 / 13:56 Uhr

Trainer David Wagner mit Schalke 04 im Sturzflug: Die Krise des Revierklubs in fünf Punkten

Trainer David Wagner mit Schalke 04 im Sturzflug: Die Krise des Revierklubs in fünf Punkten

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der FC Schalke 04 um Salif Sané (von links), Trainer David Wagner und Daniel Caliguiri steckt tief in der Krise.
Der FC Schalke 04 um Salif Sané (von links), Trainer David Wagner und Daniel Caliguiri steckt tief in der Krise. © imago images/Sven Simon/Poolfoto (Montage)
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Die Corona-Pause scheint dem FC Schalke 04 überhaupt nicht gut getan zu haben. Der Revierklub hat mit drei Niederlagen seit dem Neustart auf dem Weg, die Plätze für die europäischen Wettbewerbe zu erreichen, einen herben Dämpfer erhalten - fünf Punkte zur Krise von S04.

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Die Arbeitsbeziehung zwischen David Wagner und dem FC Schalke 04 begann stürmisch und verheißungsvoll. Knapp elf Monate später wird die erste ernsthafte Krise von Woche zu Woche schlimmer. Ob sie überwunden wird, scheint nach dem 1:2 (0:0) bei Fortuna Düsseldorf am Mittwoch, das teilweise einem Offenbarungseid gleichkam, fraglich. Der Druck auf Wagner wird größer - doch Sportvorstand Jochen Schneider gab seinem Coach nun sogar eine Jobgarantie über die Saison hinaus. Der Unmut auf Schalke vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr, Sky) gegen den nächsten Abstiegskandidaten Werder Bremen wächst trotzdem. Der SPORTBUZZER blickt auf fünf zentrale Punkte zur Krise von S04.

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Verletzungspech: Schon die gesamte Saison über kämpft Schalke mit dem Ausfall von Schlüsselspielern. Ab dem 10. Spieltag gab es vor allem in der Abwehr viele Verletzte. Sowohl Matija Nastasic als auch Benjamin Stambouli verletzten sich, einen Spieltag später traf es Salif Sané und wenig später für mehrere Wochen auch Ozan Kabak. Die lange Ausfallzeit des Trios hatte erheblichen Einfluss auf die defensive Stabilität der Gelsenkirchener. Dank der Corona-Pause stand Sané für den Re-Start wieder zur Verfügung, doch die lange Verletzung ist ihm noch anzumerken. Hinzu kommt nun, dass im Saison-Endspurt wichtige Akteure in der Offensive fehlen. Shooting-Star Amine Harit (sechs Tore, vier Vorlagen) zog sich eine Innenbandverletzung zu, zu ihm gesellt sich der mit sieben Treffern beste S04-Torschütze Suat Serdar, der einen Außenbandanriss im Knie erlitten hat. Ausfallzeit: gleich mehrere Monate.

Bittere Schalke-Bilanz: Nur drei Tore in zehn Spielen

Trend: Zehn sieglose Spiele in Serie mit 3:24 Toren für das nun schlechteste Rückrunden-Team der Liga - hätte es nicht die starke Hinserie mit 30 Punkten gegeben, müsste der Tabellen-9. wohl noch ernsthaft um den Klassenverbleib bangen. Die Hoffnung auf Schalke war groß, die Krise, die Anfang des Jahres begonnen hatte, während der zehnwöchigen Corona-Pause überwunden zu haben. Stattdessen setzte es drei Klatschen in Dortmund (0:4), gegen Augsburg (0:3) und in Düsseldorf - dort sogar trotz neuer Mauer-Taktik. An eine Europapokal-Rückkehr ist aktuell nicht zu denken. „Wir können uns nicht so präsentieren wie in den letzten drei Spielen. Das ist ein gehöriger Negativlauf, den müssen wir schnellstens beenden. Am besten am Samstag“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider.

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Torwart-Debatte: Seit dem feststehenden Wechsel von Alexander Nübel, der sich nach der Saison dem FC Bayern anschließen wird, hat Schalke zwischen den Pfosten ein Problem. Trainer Wagner entschied sich dafür, Nübel nach wechselhaften Leistungen auf die Bank zu setzen - doch der neue Stammkeeper Markus Schubert präsentierte sich ebenfalls oft unsicher. Der Ex-Dresdner mag Talent haben, doch mit Patzern im Revierderby beim BVB und nun erneut in Düsseldorf heizte er die Diskussion weiter an. Die Verantwortlichen wehren die Kritik dennoch ab. "Das gehört zur Entwicklung dazu, wir werden weiter mit ihm arbeiten", erklärte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies nach dem Dortmund-Spiel.

Corona-Krise verschärft Finanzprobleme von S04

Finanzielle Probleme: Die finanzielle Situation auf Schalke ist sehr bedrohlich. Die Corona-Krise verschärfte die ohnehin vorhandene wirtschaftliche Schieflage weiter, es grassiert die Angst vor einer bilanziellen Überschuldung. Der Klub soll sich schon vor der Corona-Krise um Bürgschaften für einen weiteren Kredit gekümmert haben – darunter auch beim NRW-Wirtschaftsministerium (SPORTBUZZER berichtete). Im vergangenen Geschäftsjahr machte Schalke einen Verlust von 26 Millionen Euro – trotz des zweithöchsten Umsatzes der Klubhistorie (275 Mio.). Insgesamt liegen die Verbindlichkeiten bei knapp 200 Millionen Euro. Deshalb wird erneut über eine Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft diskutiert. So könnten externe Geldgeber den Verein retten. Nur teilweiser Gehaltsverzicht und die Hilfe der Fans, zum Beispiel durch den Erlass der Ticket-Rückerstattung, wird nicht helfen. Marketingboss Alexander Jobst betonte: „Es geht um die Existenz des Klubs."

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Hohe Ansprüche: In den vergangen fünf Spielzeiten schaffte es Schalke einmal unter André Breitenreiter auf Platz 5 und damit in die Europa League (2015/16) und einmal sogar zur sehr überraschenden Vizemeisterschaft unter Domenico Tedesco (2017/18), also auch in die Champions League. Doch dazwischen landete der Revierklub auf Rang 10 (2016/17) respektive Rang 14, begleitet von akuten Abstiegssorgen sowie einem Kurzeinsatz von Huub Stevens in der abgelaufenen Spielzeit. Dennoch wird die Qualifikation für das europäische Geschäft Jahr für Jahr als Ziel genannt - mal mehr, mal weniger offensiv. Die Konkurrenz aus Gladbach, Leverkusen, Leipzig, Dortmund und München ist allerdings enteilt. Weitere Klubs wie der VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim sind mittlerweile mit ähnlichen Zielen wie S04 unterwegs - und Überraschungen wie Frankfurt oder Freiburg müssen ebenfalls stets mitgedacht werden.