09. Januar 2021 / 11:02 Uhr

Heute 31 Spiele ohne Sieg? Tasmania-Boss möchte Schalke den Negativrekord nicht überlassen

Heute 31 Spiele ohne Sieg? Tasmania-Boss möchte Schalke den Negativrekord nicht überlassen

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Schalke-Profis stehen vor einem historischen Tiefpunkt ihrer Vereinsgeschichte. Tasmania-Vorstand Almir Nunic kann mit dem Negativrekord seines Klubs gut leben.
Die Schalke-Profis stehen vor einem historischen Tiefpunkt ihrer Vereinsgeschichte. Tasmania-Vorstand Almir Nunic kann mit dem Negativrekord seines Klubs gut leben. © imago images/RHR-Foto/Tasmania Berlin/Njie/Montage
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Der FC Schalke 04 steht kurz davor, den unrühmlichen Anti-Rekord von 31 sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie einzustellen. Tasmania Berlin stellte ihn einst auf. Ein Negativ-Rekord, von dem niemand dachte, dass er mal gebrochen werden könnte – schon gar nicht von den Schalkern. Tasmania-Vorstand Almir Numic hätte nichts dagegen, den Rekord im Klub zu behalten.

Almir Numic hätte es wissen müssen. Denn als der Unternehmer im Mai vergangenen Jahres zum neuen Vorsitzenden des SV Tasmania Berlin gewählt wurde, hatte ihn sein Vorgänger Detlef Wilde gewarnt. "Almir", erinnert Numic im Gespräch mit dem SPORTBUZZER daran, wie Wilde ihn ins Gebet nahm, "du musst damit rechnen, wenn es um irgendwelche Rekorde geht, dass man ab und zu auch ein paar Interviews geben muss."

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Tasmania ist eben nicht irgendein Verein. Und die Rekorde, die dieser seit fast 55 Jahren verteidigt, sind nicht irgendwelche. Tasmania ist jener Berliner Verein, der nur in der Saison 1965/1966 in der Bundesliga spielte und dabei derartige Negativrekorde aufstellte, dass man annehmen musste, sie seien für die Ewigkeit. Doch an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) schickt sich das aktuelle Bundesliga-Schlusslicht Schalke 04 gegen die TSG 1899 Hoffenheim an, den bekanntesten Anti-Bestwert des heutigen Tabellenführers der Oberliga Nordost zu egalisieren: 31 Punktspiele ohne Sieg.

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Diese nahende Wachablösung hat sich längst über die Stadtgrenzen Berlins und Gelsenkirchens hinaus herumgesprochen. Und auch über Landesgrenzen hinweg. Numic staunte nicht schlecht, als ihm in dieser Woche eine Anfrage der New York Times ins Haus flatterte. "Das kann nicht jeder Amateurverein von sich behaupten." Auch aus Italien und Spanien habe es Interesse gegeben. "Es ist viel in diese Richtung, was ich auch ein bisschen unterschätzt habe", gibt er zu. Denn eigentlich mache er den SV Tasmania ja nur nebenbei.

Das doppelte Tasmania-Erbe

SV? Das Kürzel weist darauf hin, dass der Amateurklub nicht mit dem Bundesligisten von einst identisch ist. Denn der Verein stieg 1966 als SC Tasmania 1900 ab und musste 1973 Insolvenz anmelden. Die heutige Tasmania, die nicht als Rechtsnachfolger gilt, formierte sich aus dem aus der Jugendabteilung des SC Tasmania hervorgegangenen SV Tasmania 73 Neukölln. Insofern spricht Numic gleich im doppelten Sinne von einem Erbe – vom Kluberbe mit seiner wechselhaften Geschichte und vom sportlichen aus der Bundesliga-Zeit. Sein Ziel: die "1900" wieder offiziell in den Vereinsnamen aufnehmen zu lassen.

Dass Fußballnostalgiker den Viertligisten vor allem mit den Negativmarken in Verbindung bringen, stört den Funktionär nicht. "Wir sind aufgrund dessen ein Kultverein geworden", meint er. Als er sich einmal mit Hans-Joachim Posinski, dem Ersatztorwart der alten Garde, unterhielt, habe der ihm von einem Plädoyer an seine Teamkollegen erzählt. Nach rund zwei Dritteln der Saison habe Posinski, der auf zwei Einsätze für das Bundesliga-Team kam, der Truppe gesagt: "Jungs, wenn wir Vorletzter werden, wird kein Schwein jemals über uns sprechen. Aber das, was wir jetzt leisten, wird in die Geschichtsbücher eingehen."

Tasmania in aller Munde

Dem ist schwer zu widersprechen. Denn Tasmania ist nicht nur das Team mit der längsten Sieglosserie – im Gegensatz zu Schalke innerhalb einer Spielzeit und nicht saisonübergreifend –, sondern auch das mit den wenigsten Toren (15), meisten Gegentreffern (108) und wenigsten Punkten (nach der Drei-Punkte-Regel: zehn) in einer Serie. Und darum sieht es BVB-Fan Numic gelassen, sollte S04 gegen Hoffenheim zum 31. Mal nicht gewinnen und mit Tasmania gleichziehen. "Natürlich würden wir den Rekord gern behalte", sagt er: "Aber wir haben in dieser speziellen Saison viele weitere aufgestellt, die nicht so leicht gebrochen werden. Darum wird Tasmania weiter in aller Munde sein, wenn eine Mannschaft wieder eine schlechte Saison spielt."


Aus Sicht von Numic ist das für seinen Klub "eine Superpresse. Wenn man in Zukunft mit Sponsoren Gespräche führt, hat man etwas vorzuweisen." Insofern scheinen auch die paar Interviews, die sein Vorgänger ihm prognostiziert hatte, verschmerzbar.