24. Oktober 2020 / 14:00 Uhr

Die Lage beim FC Schalke 04 in der Analyse - kann eine Ausgliederung den Revierklub retten?

Die Lage beim FC Schalke 04 in der Analyse - kann eine Ausgliederung den Revierklub retten?

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der FC Schalke 04 will sich wirtschaftlich stabilisieren - und zieht dafür wieder die bei den Fans in Gelsenkirchen verpönte Ausgliederung in Betracht.
Der FC Schalke 04 will sich wirtschaftlich stabilisieren - und zieht dafür wieder die bei den Fans in Gelsenkirchen verpönte Ausgliederung in Betracht. © imago images (Montage)
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Der Vorstand des FC Schalke 04 will den sportlich und wirtschaftlich angeschlagenen Klub retten. Eine Ausgliederung der Profi-Abteilung soll den Bundesligisten wieder in die Spur bringen - doch wie sinnvoll ist dieser Schritt gerade jetzt? Eine Analyse.

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Vor dem Revierderby am Samstag (18.30 Uhr, Sky) steht eines fest: Borussia Dortmund ist dem FC Schalke 04 um Jahre voraus. Diese These trifft aus mehreren Blickwinkeln zu. Sie passt sportlich, weil die Königsblauen seit 20 Spielen ohne Sieg sind und abgesehen davon in den vergangenen fünf Spielzeiten nur zweimal international vertreten waren – der BVB schaffte es in dieser Zeit immer in die Champions League. Unter anderem deshalb stimmt die These auch finanziell. Und strukturell hat der BVB schon 1999 dem kommerzialisierten Fußballgeschäft Rechnung getragen, indem die Profiabteilung des Vereins in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert wurde. Als einziger Bundesligist firmiert die Borussia sogar an der Börse.

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Diesen Schritt des Ruhrpottrivalen will Schalke zwar nicht gehen, aber einer der letzten eingetragenen Vereine der Bundesliga (neben Mainz 05 und dem SC Freiburg) strebt nun, inmitten der Corona-Krise und einer nie dagewesenen sportlichen Talfahrt, seine Ausgliederung an. Das kündigten die beiden Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst vergangene Woche an. Das Schreckgespenst der treuen Fans und S04-Ultras geistert konkreter denn je umher.

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Mit der Ausgliederung will S04 "langfristig wieder höhere Ziele" in Angriff nehmen, verkündete Jobst. Man will an frisches Geld kommen. Investoren könnten sich an einer ausgegliederten Profiabteilung beteiligen. Doch was verspricht sich der Klub davon – gerade jetzt? Die wirtschaftliche Gesamtlage des Klubs ist bedrohlich. Gerade erst musste Schalke eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von rund 40 Millionen Euro in Anspruch nehmen. Insgesamt weist der Bundesligist Verbindlichkeiten von rund 205 Millionen Euro auf.

Von der aktuellen Schieflage müssten potenzielle Geldgeber nicht grundsätzlich abgeschreckt werden, meint Thomas Rudy. "Wenn ein Investor auf Schalke blickt, dann sieht er die Tradition, die große Anzahl der Mitglieder und Unterstützer – regional, aber auch deutschlandweit", sagt der in Deutschland und den USA tätige Sportinvestorenexperte.

Erster Knackpunkt: Wie viel ist Schalke wert?

Der günstigste Zeitpunkt ist die Corona-Krise und der seit Jahren anhaltende sportliche Misserfolg selbstredend nicht. "Ein Streitpunkt ist die Bewertung des Vereins. Der Wert eines Klubs wird nach einem Vielfachen des Umsatzes bestimmt, der in Deutschland einfach gesagt in etwa beim Faktor zwei bis drei liegt. War Schalke also zu Champions-League-Zeiten mit 350 Millionen Euro Umsatz noch mindestens 700 Millionen Euro wert, ist er in der aktuellen Lage mit dem starken Umsatzeinbruch zumindest temporär nur noch etwa die Hälfte wert", gibt Rudy zu bedenken.

So geht es darum, dass der Klub sich von Beginn an eine gute Verhandlungsposition begibt. "Wirklich viele Argumente, dass aufgrund der Lage des Klubs nun Dumpingpreise für eine Beteiligung durchgedrückt werden können, gibt es aus meiner Sicht nicht", erklärt Sebastian Uhrich, Sportökonom an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Diesem Ansatz stimmt Rudy zu. "Es werden sich grundsätzlich wegen der Krise nicht weniger Investoren interessieren", sagt er.

Zweiter Knackpunkt: Gegenwind der Fans

Soviel zur wirtschaftlichen Komponente – doch vor all diesen Überlegungen steht die Auseinandersetzung mit den eigenen Fans. "Aufgrund der aktuellen Umstände hat man noch überzeugendere Argumente gegenüber den kritischen Fans", sieht Uhrich eher Vorteile für die S04-Bosse, gerade jetzt die Ausgliederung voranzutreiben.

Doch um dafür die volle Unterstützung der Mitglieder zu bekommen, wird der S04-Vorstand fortan viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Das Management müsse deutlich machen, auch weiterhin die Fäden in der Hand zu halten. "Es sollte sich dafür entscheiden, das kulturell passendste Angebot anzunehmen – und nicht zwingend das finanziell lukrativste", sagt Rudy.