23. Februar 2021 / 17:40 Uhr

Waschen, trösten, organisieren: Allzweck-Ehrenamtler hört nach 22 Jahren auf

Waschen, trösten, organisieren: Allzweck-Ehrenamtler hört nach 22 Jahren auf

Marcus Alert und Maximilian Krone
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jens Meyer gibt zum Saisonende sein Ehrenamt beim FC Stahl auf.
Jens Meyer gibt zum Saisonende sein Ehrenamt beim FC Stahl auf. © Marcus Alert
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Seit 1998 engagiert sich Jens Meyer beim FC Stahl Brandenburg. Im Sommer ist nun Schluss. Während seiner Zeit beim FC Stahl war Meyer nicht nur ein Mannschaftsleiter, sondern auch Zeugwart, Verpfleger und Seelsorger in einer Person.

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16 Jahre agierte Jens Meyer beim FC Stahl Brandenburg als Mannschaftsleiter der ersten Männermannschaft. Er begleitete das Team sowohl in der Brandenburg- als auch in der Landesliga. Jetzt hat der 54-Jährige aber seinen Abschied zum Ende der Saison angekündigt. "Ich hätte gerne noch weitergemacht, aber die Zeit lässt es nicht mehr zu", erklärt der im technischen Service in Kindereinrichtungen arbeitende Meyer: "Die Arbeit mache ich nicht gerne mit dem halben Arsch."

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„Weit mehr als ein Jahrzehnt war Jens Meyer die gute Seele der Mannschaft. Wäsche waschen, die Versorgung der Mannschaft, die Erstellung der Spielberichte oder auch die Schiedsrichterbetreuung – es waren nicht nur lange Tage am Wochenende, sondern auch innerhalb der Woche war er häufig auf dem Gelände des FC Stahl zu finden“, so Andreas Koch aus der Sportlichen Leitung. Unter sechs Trainer wirkte Meyer seitdem mit: Eckart Märzke, Ingo Nachtigall, Detlev Zimmer, Lars Posorski, Udo Richter, Andreas Koch und zuletzt Maik Aumann. "Besonders mit Eckart Märzke habe ich mich gut verstanden", erklärte Meyer, der schon seit zwei Jahren mit dem Gedanken spielte aufzuhören.

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Jens Meyer ist ein gebürtiger Brandenburger, der bereits seit 1998 beim FC Stahl ehrenamtlich tätig ist. Meyer betreute auch schon alle drei Männermannschaften des Vereins und war zur Stelle, wann immer man ihn brauchte. Im Betreuungsteam der ersten Männermannschaft ist er inzwischen eigentlich kaum wegzudenken und fungiert als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainerteam. Meyer, dem besonders "der menschliche Faktor im Umgang mit dem Spielern" fehlen wird, war bisher für das leibliche Wohl an den Spieltagen verantwortlich und hatte für die Spieler des FC Stahl immer ein offenes Ohr.

Dabei war Fußball in seiner Jugend nicht die erste Wahl. Meyer besuchte die Rochow-Schule in Brandenburg. Der gelernte Maler und Lackierer kam ursprünglich vom Volleyball. Acht Jahre lang hatte er diesen Sport bei der BSG Einheit Brandenburg ausgeübt. Neben dem Kanurenn- und dem Seesport als Kind und Jugendlicher war er aber auch aktiver Straßenfußballer in seiner Heimatstadt.

Schon als Kind aktiver Stahl-Fan

Schon als Kind begeisterte sich Jens Meyer für die damalige Männermannschaft der BSG Stahl Brandenburg und besuchte ab 1973 die Spiele der Stahl-Mannschaft in der damaligen DDR-Liga, später dann auch als aktiver Fan der Mannschaft in der DDR-Oberliga sowie der 2. Bundesliga. Der FC Stahl Brandenburg wurde so zu seinem Verein und so brachte er sich nach und nach immer mehr ehrenamtlich ein. In den Jahren nach 1998 bis heute war dem ruhigen Meyer keine Arbeit zu viel.

Als im Jahr 2005 als Nachfolger des Duos Dieter Wetzel und Dieter Beyer ein Betreuer für die erste Männermannschaft gesucht wurde, war der immer zuverlässige Jens Meyer auch hier sofort dabei. Er erledigte nebenher auch ein paar Jahre das Abkreiden der Plätze, das Waschen der Wäsche und steuerte den Kleinbus zu den Auswärtsspielen des Herrenteams. Dennoch stieg Stahl in seiner ersten Saison aus der Verbandsliga ab. "Drei Jahre später sind wir dann wieder aufgestiegen, an die Party erinnere ich mich gerne", erklärt Meyer, der aber ebenso ergänzt: "Auch die Nichtabstiege in den Jahren danach wurden ordentlich gefeiert."

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Mindestens genauso ordentlich würde Meyer sicherlich bei einem Aufstieg am Ende dieser Spielzeit feiern. Derzeit sind die Stahl-Kicker auf Platz eins der Landesliga Nord, eine Saisonfortführung wünscht sich der 54-Jährige sicherlich nicht als Einziger im Verein. "Es wäre ein schöner Abschied, aber ich bin nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt", hält Meyer sich bedeckt, sieht aber die Unterschiede zu den weniger erfolgreichen Jahren zuvor: "Wir sind breiter aufgestellt und haben mehr Zuschauer, weil die Jungs jetzt aus der Gegend kommen."

Nun aber ist der Verein vom Quenz auf der Suche nach einem neuen Betreuer für die Landesliga-Mannschaft. „Meyerchen“ geht schweren Herzens von Bord, es wird eine Zeit brauchen, diese Entscheidung zu realisieren. "Wenn ich Lust und Zeit habe, möchte ich im Notfall immer noch helfen. Ich möchte keinen Strich ziehen, ich finde es wunderschön hier im Verein", lässt er wissen.