13. Februar 2020 / 20:37 Uhr

Fehlstart für Deutschland bei Biathlon-WM: Denise Herrmann "tut es wirklich leid"

Fehlstart für Deutschland bei Biathlon-WM: Denise Herrmann "tut es wirklich leid"

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
Biathlon-Star Denise Herrmann leistete sich zu viele Fehler.
Biathlon-Star Denise Herrmann leistete sich zu viele Fehler. © imago images/CEPix
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Zum Auftakt nur Vierter: Die deutschen Biathleten haben die erste Medaille bei der WM verpasst. Denise Herrmann sorgte mit ihrer Strafrunde für einen großen Rückstand auf die Spitze. Sie zeigte sich enttäuscht.

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Eine Blechmedaille, ein Blick in die Historie, das Klima und auch noch Doping: Der Auftakt der Biathlon-Weltmeisterschaft in Antholz hatte es in sich. Aus deutscher Sicht lief Tag eins nicht optimal. „Wir sind schon enttäuscht, denn wir haben unser Ziel nicht erreicht“, redete Arnd Peiffer nach Rang vier am Donnerstag in der Mixed-Staffel Klartext. Mit einer Medaille wollte das DSV-Team schwungvoll in das Saisonhighlight starten. Daraus wurde nichts, weil: „Wir hatten zu viele Nachlader.“ Tatsächlich verballerten die Deutschen Edelmetall. Keiner kam fehlerfrei durch, schon Startläuferin Franziska Preuß schwächelte (drei Fehler), übergab als Elfte. Dem Rückstand lief das Quartett praktisch immer hinterher. Eine Strafrunde und elf Nachlader standen am Ende zu Buche. Zum Vergleich die Bilanz der Medaillengewinner: Weltmeister Norwegen (0+7), Italien (0+6) und Tschechien (0+2) waren einfach besser.

Denise Herrmann wirkte besonders geknickt – nach drei Fehlern im Stehendschießen musste sie in die Strafrunde: „Die Fehler waren alle rechts hoch, wahrscheinlich stand ich nicht ganz sauber. Irgendwann spielen dann auch die Nerven eine Rolle. Mit tut es wirklich leid für die Männer, weil ich 25 Sekunden in der Strafrunde verloren habe.“ Umgehend betrieb Peiffer Aufbauarbeit: „Es gibt einen Unterschied zwischen Enttäuschung und ich heule jetzt drei Tage.“ Geweint hat wegen der Blechmedaille natürlich keiner der vier Staffelläuferinnen und Staffelläufer.

Neuner-Check: Diese Chancen haben die deutschen Biathleten und das sind die Topfavoriten für die Biathlon-WM

Showtime im Biathlon: Mit der Mixed-Staffel beginnt die Weltmeisterschaft im Südtiroler Antholz, für viele der schönste Biathlon-Ort der Welt. Als TV-Expertin dabei sein wird Magdalena Neuer. Für den SPORTBUZZER checkt sie die deutschen Teilnehmer und die Topfavoriten auf die WM-Titel. Zur Galerie
Showtime im Biathlon: Mit der Mixed-Staffel beginnt die Weltmeisterschaft im Südtiroler Antholz, für viele der schönste Biathlon-Ort der Welt. Als TV-Expertin dabei sein wird Magdalena Neuer. Für den SPORTBUZZER checkt sie die deutschen Teilnehmer und die Topfavoriten auf die WM-Titel. ©

WM-Auftakt ist voller Erfolg

Bis auf leicht enttäuschte Deutsche und wirklich saure Franzosen (Rang sieben) war dieser WM-Auftakt ein voller Erfolg. Kaiserwetter, volles Stadion, famose Stimmung – es hat alles gepasst. Und das bei einer Mixed-Staffel – lange ein ungeliebter Wettbewerb im Biathlon-Programm. Just in Antholz, bei der WM 2007, erlebte das Format seine Premiere im regulären WM-Programm. Damals höchst umstritten.

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Vor allem die Deutschen mochten diesen Wettbewerb gar nicht. Die Argumente: ein zu volles Wettkampfprogramm, zu viele Rennen, zu wenig Zeit für Regeneration. So schickte der DSV seinerzeit eine leicht verstärkte B-Mannschaft ins Rennen (Hitzer, Denkinger, Greis, Wolf) – und wurden dafür prompt bestraft. Rang fünf sprang für das Quartett heraus, man war gar nicht zufrieden. Damals gewann Schweden vor Frankreich – die hatten ihre stärksten Leute ins Rennen geschickt. Hinterher wurde heftig diskutiert, ob eine Mixed-Staffel eine Zukunft hat. Die Schweden waren sehr dafür, die Deutschen sehr skeptisch. Heute diskutiert keiner mehr über diesen Wettbewerb, er ist sogar Bestandteil des olympischen Programms.

Biathlon-WM droht Temperatur-Chaos: Bis zu 13 Grad in der kommenden Woche

Mit der Mixed-Staffel die WM zu beginnen erwies sich als ein kluger Schachzug. Dass die Gastgeber am ersten Tag eine Medaille gewinnen, war allenfalls eine leise Hoffnung. Stimmungstechnisch auf jeden Fall hilfreich, denn nun sind die Südtiroler heiß auf die nächsten Rennen. Wenn da nicht der Wetterbericht wäre. Im auf 1600 Meter Höhe gelegenen Biathlon-Areal sieht es sehr winterlich aus, es ist kalt genug und Schnee liegt auch. Sieben Kilometer talabwärts in Antholz Mittertal (rund 1200 Meter Höhe), wo die Besucher in Shuttlebusse umsteigen, ist alles anders. Kein Schnee, alles grün, die zu Parkplätzen umfunktionierten Wiesen sind ein einziger Schlammpark. Und es soll noch wärmer werden, bis zu 13 Grad sind ab Mitte nächster Woche prophezeit. Plusgrade wohl auch im Stadion. „Eine Katastrophe“, sagt ein Einheimischer. Spätestens dann wird es auch hier eine Wintersport-Klimawandel-Debatte geben.

Noch ein anderes Thema schwebt über dieser WM: Doping. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der russische Biathlet Jewgeni Ustjugow juristisch gegen neue Dopingermittlungen vorgeht. Er habe Klage gegen den Biathlon-Weltverband (IBU) eingereicht, teilte der russische Verband mit. Eines scheint nach Tag eins dies WM klar: Langweilig wird es in Antholz nicht.