18. April 2019 / 06:00 Uhr

Felix Magath im SPORTBUZZER-Interview: Deshalb braucht die Bundesliga Investoren

Felix Magath im SPORTBUZZER-Interview: Deshalb braucht die Bundesliga Investoren

Daniel Jovanov
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Felix Magath hat sich im SPORTBUZZER-Interview klar für Investoren im deutschen Fußball ausgesprochen.
Felix Magath hat sich im SPORTBUZZER-Interview klar für Investoren im deutschen Fußball ausgesprochen. © imago images
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Er ist eine Legende des HSV und ein dreifacher Meistertrainer der Bundesliga: Felix Magath. Das exklusive SPORTBUZZER-Interview über Fehler des DFB in der Spieler- und Trainerausbildung, die lahmende Bundesliga und warum bald Investoren in Vereine einsteigen müssten.

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Eintracht Frankfurt ist das, was man gemeinhin wohl als eine Art Gallisches Dorf bezeichnen würde. Zumindest nach der Logik des Ex-Bundesliga-Trainers Felix Magath, der den FC Bayern München (zweimal) und den VfL Wolfsburg zum Deutschen Meister machte. Denn das hessische Team lehnt sich gegen die Entwicklung im deutschen Profifußball auf, wo laut Magath alle Vereine darauf bedacht sind, bloß nicht zu groß zu denken. Der Erfolg gebe der Eintracht, dem aktuell letzten deutschen Team im Europapokal, recht, so der 65-Jährige. Im SPORTBUZZER-Interview spricht Magath über ein mögliches Comeback, Investoren im Fußball und darüber, warum das Ausbildungskonzept des DFB nicht funktioniert.

Herr Magath, der deutsche Fußball steckt in einer Krise: Vorrunden-Aus bei der WM 2018, Abstieg aus der Nations League, kein Team unter den besten acht in der Champions League. Liegen die Ursachen für den sportlichen Abschwung bereits bei der Nachwuchsarbeit?

Nach der EM 2000 hat der DFB als Reaktion auf das Abschneiden sein Ausbildungskonzept verändert und Nachwuchsleistungszentren eingeführt, die nach strikten DFB-Vorgaben zu funktionieren haben. Ein bürokratischer Aufwand mit unzähligen Dokumenten wird von den Vereinen verlangt. Aber was ist das Resultat? Wenn ich mir die Weltmeister von 2014 anschaue, kann ich nicht feststellen, dass wir den Titel diesem Ausbildungskonzept zu verdanken haben. Es dauert nun mal eine gewisse Zeit, bis herbeigeführte Reformen auch tatsächlich gelehrt und umgesetzt werden.

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Magath: "Es gibt einen Trend zur Verwissenschaftlichung des Fußballs"

Was waren denn dann die Auswirkungen?

Spieler werden in diesem System in ein Korsett gepresst und haben kaum eine Möglichkeit, sich persönlich und fußballerisch weiterzuentwickeln. Unter diesem Ausbildungssystem leidet die Qualität, weil zu viele ähnliche Spielertypen daraus entspringen. Diese Entwicklung beeinträchtigt auch den Spaß am Fußball – für die Spieler und die Zuschauer. Bereits die Zehn- oder Elfjährigen werden dem Druck des Geschäfts ausgesetzt. Wir brauchen daher wieder mehr Individualität und Freiheit in der Entwicklung.

Was halten Sie von der Trainerausbildung in Deutschland?

Die Situation in der Trainerausbildung ähnelt der Nachwuchsentwicklung. Es gibt einen Trend zur Verwissenschaftlichung des Fußballs. Mein Eindruck ist, dass der Einsatz von Hilfsmitteln oder der Gebrauch einer theoretischen Fachsprache wichtiger gemacht werden als das Spiel selbst. Das wird bei der Trainerausbildung gelehrt und entsprechend an die Spieler weitergegeben. Es wäre falsch, junge Trainer nur auf Laptops oder sonstige Hilfsmittel zu reduzieren.

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Magath über die Fehlentwicklung beim DFB: "Man braucht offenbar immer eine Krise, um nachzudenken"

Glauben Sie, dass diese Fehlentwicklung vom DFB auch so erkannt wird?

Das Thema scheint beim DFB inzwischen angekommen. Aber die Erkenntnis kommt meiner Meinung nach zu spät. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis man entsprechende Veränderungen herbeiführt. Fakt ist nur, dass es offenbar immer eine Krise braucht, um nachzudenken und Dinge zu verändern. Wenn man Kritik gar nicht mehr zulässt, Kritiker sogar persönlich diffamiert und sich einer inhaltlichen Debatte nicht stellt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man im Fußball international den Anschluss verliert.

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Spiegelt sich das in der Lage in der Bundesliga wider?

Es fehlt oft der Anspruch. Die Gleichmacherei führt zu Mittelmäßigkeit. Ein kritischer Umgang ist oftmals nicht mehr gefragt. Im Gegenteil: Es wird alles schöner geredet, als es ist. Die meisten Vereine freuen sich, dass sie in der Bundesliga sein dürfen. Kaum einer traut sich, größer zu denken, Ziele zu formulieren und sich an ihnen messen zu lassen.

Magath fordert die Öffnung für Investoren im deutschen Fußball

Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass die finanziellen Abstände zwischen den Vereinen zu groß sind.

Natürlich ist Geld ein wichtiger Faktor. Aber Geld allein macht noch keinen Meister. In der Bundesliga sehen Sie an Eintracht Frankfurt, dass es auch ohne Investor möglich ist, sich national in die Spitze zu entwickeln. Das ist auch das Wesen des Mannschaftssports: sich mit den Besten zu messen und gewinnen zu wollen. Der DFB-Pokal ist ein gutes Beispiel, wo regelmäßig vermeintlich schlechtere und finanzschwächere Teams Favoriten schlagen können. Solche Ereignisse begeistern Fans und Zuschauer.

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Würden externe Investoren zumindest auf der finanziellen Ebene für mehr Chancengleichheit sorgen?

Wenn man international erfolgreich sein will, muss man auch den internationalen Regeln folgen. Es wird letztendlich kein Weg an der Öffnung für Investoren vorbeiführen. Ohne zusätzliche Mittel wird es schwierig, international konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn wir mehr internationale Investoren in der Bundesliga hätten, könnte sich auch der Kreis der Entscheidungsträger in den Vereinen verkleinern, was ich für sinnvoll halte. Wir haben in Deutschland das Problem, dass die Einflussnahme von fußballexternen Personen immer größer wird.

Können Sie sich persönlich denn eine Rückkehr in den Fußball vorstellen?

Durchaus. Den Fußball kann und werde ich nicht verändern. Aber als jemand, der sein ganzes Leben im Fußball verbracht hat, sehe ich Entwicklungen, die das Geschäft, aber nicht den Sport besser machen. Deshalb habe ich klare Vorstellungen über eine mögliche neue Aufgabe. Wenn sich ein Verein sportlich weiterentwickeln will, auch ehrgeizige Ziele definiert, sehe ich mich in der Lage, in vielen Bereichen zu helfen. Herausforderungen haben mich immer interessiert. Nur möchte ich dabei das, was ich verantworten soll und muss, auch entscheiden dürfen.

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