06. Juni 2019 / 06:00 Uhr

Verteidiger Felix Uduokhai im Interview über die U21-EM, Protz-Profis und die Nigeria-Connection

Verteidiger Felix Uduokhai im Interview über die U21-EM, Protz-Profis und die Nigeria-Connection

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Felix Uduokhai vom VfL Wolfsburg debütierte im September vergangenen Jahres bei der deutschen U21-Nationalmannschaft.
Felix Uduokhai vom VfL Wolfsburg debütierte im September vergangenen Jahres bei der deutschen U21-Nationalmannschaft. © Verwendung weltweit
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U21-Nationalspieler Felix Uduokhai spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Unterschiede zwischen DFB und Verein, Jungstars in 500-PS-Autos, seinen Glauben und die Nigeria-Connection im Team.

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Die deutsche U21-Nationalmannschaft bereitet sich in Südtirol auf die EM in Italien und San Marino (16. bis 30. Juni) vor. Trainer Stefan Kuntz muss bis spätestens Donnerstagabend um 23:59 Uhr den Kader für die Mission Titelverteidigung melden, am Freitagmorgen folgt die Bekanntgabe. Felix Uduokhai (21), Abwehrspieler vom VfL Wolfsburg, hofft auf seine Nominierung.

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Herr Uduokhai, wer sammelt bei der U21 eigentlich die Bälle ein?

(lacht) Ach, da packen wirklich alle mit an. Egal ob Kapitän, ob Torjäger, oder ob zwei Jahre jünger – das ist völlig wurscht.

In manchen Klubs spiegelt sich darin die Hierarchie eines Teams wider.

Aber die ist bei der U21 ohnehin sehr flach. Bei uns geht es nicht darum: Das ist der Älteste, das ist der Jüngste. Wir sind alle mehr oder weniger in demselben Alter. Man befindet sich mit jedem auf Augenhöhe.

Uduokhai: Trainingslager samt EM "eine geile Sache"

So ein Trainingslager samt EM darf man sich dann also vorstellen wie eine Klassenfahrt?

Ich war bislang noch nie bei einem Turnier dabei. Aber man braucht auf jeden Fall diesen Wechsel von Lockerheit und Anspannung. Und wenn man da die richtige Mischung hat, ist das schon eine geile Sache.

Gibt es eine Mannschaftskasse?

Es wird immer davon gesprochen und auch schon mal vom Kapitän damit gedroht, wenn man mal etwas zu spät zur Abfahrt oder zur Besprechung kommt, was natürlich nicht vorkommen sollte. Aber bislang habe ich noch keine Mannschaftskasse gesehen. Fraglich, ob die also wirklich existiert. (lacht)

Das ist der vorläufige EM-Kader der deutschen U21-Nationalmannschaft

Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  Zur Galerie
Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  ©
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U21 eine Durchlaufstation zur Nationalmannschaft: "Einige von uns werden es nach ganz oben schaffen"

Würden Sie sagen, es geht anders zu bei der U21 als bei einem Bundesligisten?

Ja, schon. Aber nur weil es noch „Junioren“ heißt, sollte man diese Aufgabe nicht unterschätzen. Das Niveau ist trotzdem sehr hoch. Es steht aber vielleicht etwas mehr die Entwicklung im Vordergrund – weil eben nur junge Spieler da sind.

Inwiefern?

Es ist die klare Ansage vom Trainer, dass die U21 eine Durchlaufstation ist. Deswegen ist auch die individuelle Förderung ein entscheidender Punkt, einige von uns werden es nach ganz oben schaffen. Aber man weiß eben auch: Stand jetzt geht es nur mit dem Team. Davon profitieren am Ende alle.

Uduokhai: Kicken mit Risiko

Es können aber nicht alle spielen.

Obwohl wir das natürlich alle gern würden, das spürt man schon, wir sind hungrig. Alle wollen einfach nur kicken – und dabei gehen wir auch mal ein bisschen mehr Risiko ein, als man das in der Bundesliga machen würde.

Wie kommt‘s?

Einerseits durch das Alter und die Unbekümmertheit. Andererseits auch, weil das Trainerteam von jedem Einzelnen fordert, seine Stärken zu zeigen. Wir sollen was probieren, uns zeigen – das macht ja auch einfach Spaß. Ich persönlich schätze das ganz besonders an der U21. Und es tut uns jungen Kerlen auch sehr gut.

Werden Fehler somit auch eher mal verziehen?

Naja, wenn man sagt „Trau dich!“, dann geht man immer auch davon aus. Das heißt nicht, dass man so viele Fehler machen kann, wie man will. Aber überhaupt den Mut zu haben, in ein Eins-gegen-Eins zu gehen oder einen gefährlichen Pass zu spielen – das wird gern gesehen.

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Uduokhai: U21 würde in der Bundesliga einen einstelligen Tabellenplatz erreichen

Wer sind diese Typen Straßenfußballer im deutschen Kader?

Ich denke da an Mo (Mahmoud Dahoud, d. Red.), aber auch Flo (Florian Neuhaus, d. Red.) spielt sehr instinktiv. Nadiem (Amiri, d. Red.) ist ebenfalls ein guter Zocker, der fein am Ball ist. Und in der Abwehr haben wir mit Benjamin Henrichs auch einen super Techniker! Aber eigentlich hat ja auch jeder von uns mal auf dem Bolzplatz angefangen.

Für welchen Tabellenplatz würde es mit dieser Truppe in der Bundesliga reichen?

Ich kann mir schon vorstellen, dass wir einen einstelligen Tabellenplatz belegen würden.

Kann man als U21-Nationalspieler eigentlich noch unerkannt durch die Stadt gehen?

Mit der gesamten Mannschaft? Da würden uns schon einige ansprechen. Aber ich persönlich kann mich noch sehr frei bewegen – was mir auch ganz recht ist.

Sie geben sich selbst ohnehin gern sehr „normal“ und bescheiden. Haben Sie Tattoos?

Nee. Das habe ich auch nicht vor.

"Klar fragt man sich heutzutage auch, wenn ein 20-Jähriger mit einem 500-PS-Auto herumfährt: In welcher Welt leben wir?"

Schon mal ein goldenes Steak probiert?

(lacht) Natürlich denkt man sich da seinen Teil zu, aber so etwas ist mir eigentlich ganz egal. Wenn jemand sein eigenes Geld verdient, dann kann der damit tun und lassen, was er will. Klar fragt man sich heutzutage auch, wenn ein 20-Jähriger mit einem 500-PS-Auto herumfährt: In welcher Welt leben wir? Aber ich bin vorsichtig, darüber zu urteilen, ohne den Menschen persönlich zu kennen.

Wer hilft Ihnen, bodenständig zu bleiben?

Meine Familie natürlich, meine Freunde – und der Glaube an Jesus Christus. Wenn ich die Möglichkeit habe, versuche ich in die Kirche zu gehen und einen Gottesdienst zu besuchen. Oder ich lese in meiner stillen Zeit in der Bibel.

Was gibt Ihnen das?

Für mich ist das ein festes Fundament, auf dem ich stehe. Darauf baut für mich alles andere auf, ich schöpfe Kraft daraus, hole mir Ruhe – und auch Freude. Mit ein paar Spielern bei der U21 bin ich da auch im Austausch.

BOURNEMOUTH, ENGLAND - MARCH 26: Felix Uduokhai of Germany is swamped by team mates after scoring the wnning goal during an England U21 v Germany U21 International Friendly at Vitality Stadium on March 26, 2019 in Bournemouth, England. (Photo by Mike Hewitt/Getty Images)
BOURNEMOUTH, ENGLAND - MARCH 26: Felix Uduokhai of Germany is swamped by team mates after scoring the wnning goal during an England U21 v Germany U21 International Friendly at Vitality Stadium on March 26, 2019 in Bournemouth, England. (Photo by Mike Hewitt/Getty Images) © 2019 Getty Images

Nigeria-Connection in der U21: A-Nationalmannschaft der Afrikaner für Uduokhai aktuell noch kein Thema

Neben Jordan Torunarigha und Lukas Nmecha sind Sie auch einer von drei Spielern im Kader, die nigerianische Wurzeln haben.

Beim letzten Lehrgang war auch noch Emma (Emmanuel Iyoha) dabei. Da ist uns aufgefallen, dass wir vier Naija Boyz – das ist eine Abkürzung für nigerianische Jungs – sind. Da mussten wir auch ein bisschen schmunzeln und meinten schon: Da können wir bald eine eigene Nationalmannschaft aufmachen. (lacht)

Apropos, hat Sie der nigerianische Verband bereits kontaktiert?

Ja, Kontakt gab es in den letzten Monaten öfter. Aber sie respektieren, dass ich da noch meine Zeit haben möchte und brauche. Daher ist das aktuell noch kein Thema.

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