30. Dezember 2017 / 14:00 Uhr

Felix Uduokhai vom VfL Wolfsburg spricht über sein verrücktes 2017: "Herr Sammer hat mir gratuliert"

Felix Uduokhai vom VfL Wolfsburg spricht über sein verrücktes 2017: "Herr Sammer hat mir gratuliert"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Felix Uduokhai ist der Shootingstar des VfL Wolfsburg
Felix Uduokhai ist der Shootingstar des VfL Wolfsburg
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Felix Uduokhai – Wolfsburgs bester Sommer-Neuzugang hat ein aufregendes Jahr hinter sich. Im SPORTZBUZZER-Interview spricht er über seinen Abschied von 1860 München, den VfL, Europameister Matthias Sammer und über sein erstes Tor in der Fußball-Bundesliga.

UDUOKHAI UND DIE LETZTEN MONATE BEI 1860

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Benno Möhlmann, Kosta Runjaic, Daniel Bierofka – und im vergangenen Winter Vitor Pereira: In ihrem ersten Jahr als Profi haben Sie bei 1860 gleich vier Trainer gehabt...
Das war sicher nicht der Plan des Klubs, dass es auf diesem wichtigen Posten so viel Rotation gibt, es war auch nicht gut.
Von außen betrachtet sah das wie das pure Chaos aus, was da bei 1860 gerade im ersten halben Jahr 2017 herrschte...
Ich hatte mich damit abgefunden, dass bei Sechzig der Trainer öfter mal getauscht wird und habe versucht, mich immer wieder neu zu beweisen – egal, wie der Trainer hieß.
Sie haben ab der U 12 bei den Löwen gespielt, tat Ihnen der Niedergang des Klubs weh?
Ja, klar. Ich war als kleiner Junge im Stadion, die Atmosphäre war immer super, die Fans standen immer hinter der Mannschaft. Sechzig war für mich in München der Klub, der ein bisschen mehr geliebt wurde, der das Familiäre hatte. Was da passiert ist, ist einfach nur schade – für den Verein, für die Stadt, für die Fans.
Hatten Sie bereits im Januar 2017 die Entscheidung getroffen, im Sommer den Klub zu verlassen?
Nein, damals habe ich mir noch keine Gedanken über einen Wechsel in die Bundesliga gemacht. Ich wollte mit Sechzig erfolgreich sein. Mein Ziel war es, mich als junger Spieler in dieser Mannschaft zu behaupten, die Bundesliga war damals für mich noch ganz weit weg.

Der steile Aufstieg von Felix Uduokhai beim VfL Wolfsburg

Erstes Foto als VfLer: Felix Uduokhai Zur Galerie
Erstes Foto als VfLer: Felix Uduokhai ©

UDUOKHAI UND DIE ERSTEN TAGE IN WOLFSBURG

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Ihr großes Talent hatte sich in der Beraterbranche herumgesprochen – welcher Klub wollte Sie eigentlich im Sommer 2017 neben dem VfL ebenfalls verpflichten?

Ja, es gab auch Anfragen von anderen Bundesliga-Vereinen, aber auch von einigen Zweitligisten.

Von welchen Klubs?

Das behalte ich lieber für mich. Aber am Ende ist das auch egal, ich habe mich für den VfL Wolfsburg entschieden.

Welche Argumente hatte der VfL, die andere nicht hatten?

Man muss sich hier nur umschauen: Die Bedingungen sind einfach super, das Umfeld ist relativ ruhig. Als junger Spieler kann man sich gut entwickeln, wenn man auf dem Boden bleibt.

Ruhig war der Sommer beim VfL nach dem Fast-Abstieg aber nicht, es gab viele Veränderungen im Kader.

Ich fand nicht, dass es hier unruhig war. Der Verein ist mit der ganzen Sache sehr professionell umgegangen.

Der Klub hat damals nicht mit Ihnen für die Startelf geplant, welche Ansprüche hatten Sie an sich selbst?

Ich wusste, dass ich nicht sofort Startelf spiele. Aber in den Gesprächen hieß es immer, dass ich meine Chance bekommen werde.

Waren Sie anfangs etwas nervös, so plötzlich mit Mario Gomez und Co. auf dem Trainingsplatz zu stehen?


Ein bisschen schon, aber ich habe die Dinge professionell durchgezogen.

Sie sind jemand, der die Dinge sehr gewissenhaft angeht...

Das ist doch normal – wenn man so eine Chance bekommt, sollte das so sein. Es träumen so viele Kinder und Jugendliche davon, Profi zu werden. Der Wechsel zum VfL war ein großes Geschenk für mich. Dieses Vertrauen wollte ich zurückzahlen.

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UDUOKHAI UND SEIN ERSTES BUNDESLIGA-TOR


Erstes VfL-Pflichtspiel der neuen Saison im Pokal in Norderstedt – wissen Sie noch, was Andries Jonker Ihnen gesagt hat, als er Sie für den verletzten John Anthony Brooks eingewechselt hat?
Nein, gar nicht mehr. Ich war schon zu sehr im Tunnel.
Nicht nur in diesem Spiel fiel auf, dass Sie eine unglaublich gute Spieleröffnung haben – woher haben Sie diese Übersicht?
Es kann sein, dass das ein bisschen aus meiner Zeit als Mittelfeldspieler stammt. Bis ich 17 Jahre alt war, habe ich noch links außen gespielt. Aber dann habe ich von der Größe einen Schub gemacht und wurde ins Zentrum gerückt.
Sie sind nach dem Pokalspiel im Team geblieben, wer hat Ihnen auf dem Platz am meisten geholfen?
Josh Guilavogui, Koen Casteels, aber auch Jay Brooks, Jeff Bruma, Robin Knoche und Ignacio Camacho. Gerade in Sachen Mentalität kann ich von Camacho einiges lernen.
Bestand mal die Gefahr, dass Sie wegen des persönlichen Höhenflugs abheben könnten?
Nein, dafür bin ich nicht der Typ. Dennoch ist es wichtig, dass Familie und Freunde darauf ein Auge haben. Aber es gab bisher keine Klagen (lacht).
Andries Jonker musste nach dem vierten Spieltag gehen – hatten Sie Angst, Ihren Platz im Team zu verlieren?
Ich hatte das Vertrauen von Jonker bekommen, aber ich hatte nicht die Sorge, auf der Tribüne zu landen. Ich habe nach vorn geschaut und wusste aus meiner Zeit bei 1860, wie man mit einem Trainerwechsel umzugehen hat.
Gut ein Jahr nach Ihrem ersten Tor im Profi-Fußball gab’s die Tor-Premiere für den VfL – was hat eigentlich Matthias Sammer danach zu Ihnen gesagt?
Sein Sohn ist ja mein Berater. Wir haben danach kurz miteinander telefoniert, Herr Sammer hat mir gratuliert. Wir haben uns miteinander gefreut.
Stolz? Bestätigung? Was haben Sie nach dem Treffer zum 1:1 gegen Hoffenheim empfunden?
Ich war einfach total happy. In diesem tollen Moment wusste ich gar nicht, wohin mit meiner Freude. Es war einfach nur genial.

Die VfL-Spiele der Hinrunde in der SPORTBUZZER-Rangliste

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Die VfL-Rangliste ©

UDUOKHAI UND SEIN SPITZNAME


Mehr zum VfL Wolfsburg

Nach Ihrem ersten Tor haben die VfL-Fans Ihnen den Spitznamen „Udo“ verpasst...
In unserer Kabine werde ich zwar weiterhin Felix gerufen, aber ich habe nichts gegen diesen Spitznamen, die Anhänger von 1860 München haben mich auch schon so gerufen.
Drehen Sie sich auf der Straße um, wenn Sie jemand mit „Udo“ anspricht?
Ja, klar. Ich kann damit sehr gut leben. Wirklich.
Ihr erstes VfL-Tor haben Sie unter Jonker-Nachfolger Martin Schmidt erzielt – im spielerischen Bereich hat sich der VfL unter ihm verbessert...
...mit jeder Trainingseinheit mehr verstehst du ein bisschen besser, was einem der Trainer mitgeben möchte. Aber bis alles komplett passt, braucht es Zeit.
Ihr erstes Halbjahr beim VfL ist vorbei – sind Sie zufrieden, wie es für Sie gelaufen ist?
Ich kann das noch gar nicht genau sagen. In den freien Tagen werde ich das Ganze mal Revue passieren lassen. Aber klar: Ich bin sehr dankbar, wie es gelaufen ist. Ich bin hier super aufgenommen worden, man hat mir viel geholfen.
Und wie fällt Ihr Fazit für das gesamte Jahr aus?
Einerseits war es traurig, weil das mit Sechzig passiert ist. Anderseits bin ich froh, mich für den VfL entschieden zu haben. Damit kann ich sehr, sehr gut leben.