06. Februar 2020 / 15:25 Uhr

FIFA-20-Selbstversuch: RB Leipzig zwingt Bayern München in die Knie

FIFA-20-Selbstversuch: RB Leipzig zwingt Bayern München in die Knie

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Im Duell an der Konsole: RB Leipzig eSportler Alex Czaplok und SPORTBUZZER-Redakteur Thomas Fritz.
Im Duell an der Konsole: RB Leipzig eSportler Alex Czaplok und SPORTBUZZER-Redakteur Thomas Fritz. © dpa / RBL / Privat
Anzeige

Tabellenerster gegen -zweiter: Im Selbstversuch hat SPORTBUZZER-Redakteur Thomas Fritz RB Leipzigs E-Sportler Alex Czaplok zum Duell an der Konsole herausgefordert. In der virtuellen Welt verliert Bayern München 0:3 (0:1). Ein gutes Omen für die Bundesliga-Partie am Sonntag?

Anzeige
Anzeige

Leipzig. Ein Nachmittag in der RB-Geschäftsstelle am Cottaweg. Alex Czaplok sitzt im eSports-Raum im Erdgeschoss in seinem Gaming-Stuhl. Vor ihm ein Tisch mit Spielkonsole, Controllern und Flachbildschirm. Wir haben uns zum Interview verabredet – und zu einem Selbstversuch. Ich fordere den 21-Jährigen, der seit 2018 bei RB Leipzig unter Vertrag steht, zu einer Partie FIFA 20 auf der PS4 heraus, der beliebtesten Fußball-Simulation der Welt. Wir wollen das Match zwischen Bayern München und RB Leipzig vorspielen. Czaplok, der an der Seite von Profi Cihan Yasarlar RBL in der Virtuellen Bundesliga (VBL) vertritt und aktuell auf Platz fünf steht, trainiert etwa zwei bis drei Stunden am Tag. Bei Turnieren am Wochenende können es auch mal acht Stunden oder mehr sein. Mein eigenes Pensum ist zwar geringer. Ich würde mich aber schon als versierten FIFA-Zocker bezeichnen und habe sogar den einen oder anderen Trick auf Lager.

Mein Ziel: Wenigstens ein Tor erzielen

Damit das Ganze ein wenig ausgeglichener gestaltet wird, übernimmt mein Gegner die RB-Kicker und ich die insgesamt besser bewerteten Bayern. Ich rechne natürlich mit einer deutlichen Niederlage. Beim ersten Selbstversuch gegen Cihan vor knapp zwei Jahren schickte mich der Europameister von 2017 und dreifache deutsche Meister mit einem 5:0 in die Kabine. Mein Ziel ist klar: in den zweimal sechs Minuten Spielzeit wenigstens ein Tor erzielen.

Das Spitzenspiel: Thomas Fritz (Bayern München) vs. Alex Czaplok (RB Leipzig)

Timo Werner, Marcel Sabitzer und Dayot Upamecano gegen Robert Lewandowski, Thomas Müller und Niklas Süle. Rein ins Match. Den ersten Angriff läuft Czaplok über Kevin Kampl, Yussuf Poulsen und Werner. Eine schöne Kombination durch die Mitte. Im letzten Moment kann ich Werner im Strafraum noch die Kugel abnehmen. Das war knapp. Im Anschluss habe ich selbst eine längere Ballbesitzphase und versuche durch viele Querpässe etwas Sicherheit zu bekommen. Im letzten Drittel bin ich aber zu ideenlos. Czaplok schnappt mir den Ball nach einem schlampigen Pass von Joshua Kimmich weg. Danach beginnt die Dauerbelagerung meines Strafraums. Die ersten 25 Minuten rührt mein Abwehrriegel Beton an. „Deine Verteidigung steht gut“, lobt mich der E-Sportler.

Werner trifft zur Führung

Wenig später dribbelt er sich mit Timo Werner im Strafraum frei und netzt zum 1:0 ein (27.) In der realen Bundesliga wäre das die erste 1:0-Führung für RBL seit dem 3:0 gegen Düsseldorf Mitte Dezember. Im Anschluss das gleiche Bild: Mir fehlen die Fähigkeiten, um wirklich gefährlich vors Tor zu kommen, Czaplok fängt meine Pässe meistens schon im Mittelfeld problemlos ab. Kurz vor der Pause vergibt er mit Timo Werner die Chance auf das 2:0. Von Robert Lewandowski ist bisher gar nichts zu sehen.

Mehr zu RB

Mit dem Halbzeitergebnis kann ich dennoch mehr als zufrieden sein. Zwar konnte ich keinen einzigen Schuss anbringen, aber auch der Student, der irgendwann als Profi seinen Lebensunterhalt bestreiten will, kam nur zu vier Versuchen. Bei Ballbesitz (58 Prozent) und Passquote (90 Prozent zu 81 Prozent) ist er klar überlegen.

Erste gefährliche Bayern-Aktion durch Gnabry

Nach der Pause setzt mich Czaplok sofort unter Druck und vollendet den ersten gefährlichen Angriff prompt zum 2:0. Yussuf Poulsen geht seinem eigenen abgeprallten Schuss nach und setzt sich im Kopfballduell gegen David Alaba durch – 2:0 (55.). In der echten Bundesliga wäre das Ergebnis nach der aktuellen Mini-Krise der Rasenballer eine Überraschung. „2:0 stehts hier. Sie machen einen guten Eindruck“, kommentiert der virtuelle Wolff-Christoph Fuss.

In der 59. Minute komme ich endlich mal gefährlich vors Tor. Serge Gnabry schlägt nach gewonnenem Dribbling gegen Marcel Halstenberg eine flache Flanke von der rechten Seite in den Strafraum, RB-Schlussmann Peter Gulacsi wehrt flach in die Mitte ab – aber es steht kein Bayern-Spieler für den Abstauber bereit. „Den hätte Peter auch fangen können“, kommentiert Alex Czaplok die Aktion.

Cihan Yasarlar und Alexander Czaplok treten für RB Leipzig im neuen virtuellen Wettbewerb an.
Bilden ein Team in der Virtuellen Bundesliga: Cihan Yasarlar und Alexander Czaplok. © RB Leipzig
Anzeige

Wenig später flanke ich mit David Alaba von links in die Box – leider in den Rücken von Robert Lewandowski. Fast 65 Minuten vorüber und immer noch kein Torschuss. So langsam schwindet meine Hoffnung auf einen Treffer.

„Wo waren sie, die großen Stärken der Bayern?“

Alex Czaplok knallt den Ball kurz darauf mit Marcel Sabitzer aus gut 15 Metern an den Pfosten. Manuel Neuer, der Teufelskerl, bekommt die Fingerspitzen an den Ball. Das hätte das 3:0 sein müssen. Schließlich macht der E-Sportler kurz vor Schluss den Deckel drauf. Nach einem schlampigen Pass im Spielaufbau bedient Werner Marcel Sabitzer, der seinen Doppelpack festzurrt (83.). Im letzten Angriff hatte der Österreicher sogar das 4:0 auf dem Fuß. „Wo waren sie, die großen Stärken der Bayern?“, fragt Kommentator Frank Buschmann. „Nichts zu sehen.“ Ich habe mich ganz gut geschlagen, aber dem Urteil von „Buschi“ ist nichts hinzufügen. Ein hochverdientes 3:0 gegen chancenlose Bayern. Ein Ergebnis, das Julian Nagelsmann und seine Jungs am Sonntag mit Kusshand mitnehmen würden.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt