28. Juni 2017 / 20:33 Uhr

FIFA bestätigt trotz Garcia-Report: WM 2022 in Katar!

FIFA bestätigt trotz Garcia-Report: WM 2022 in Katar!

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Keine zweite Überlegung: Die WM 2022 bleibt trotz der veröffentlichten Dokumente in Katar.
Keine zweite Überlegung: Die WM 2022 bleibt trotz der veröffentlichten Dokumente in Katar. © imago
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Mit der Veröffentlichung des Garcia-Berichts ist FIFA-Boss Infantino Erstaunliches gelungen. Russland und Katar gelten plötzlich als quasi unbescholtene WM-Ausrichter. Die FIFA bestätigt die WM-Ausrichter. Aber: Kritik kommt von den ehemaligen Chefjuristen. Und das russische Doping-Problem wird zur Bedrohung.

Jetzt wird bei der FIFA wieder getanzt. Am Tag nach der Veröffentlichung des Garcia-Reports schaltete man beim Fußball-Weltverband in den Party-Modus. Die schweren Zeiten der Korruptionsvorwürfe sind von der FIFA-Spitze um Gianni Infantino für beendet erklärt, das neue Aufreger-Thema Doping, über das sich sogar Weltmeister-Trainer Joachim Löw echauffierte, wird in alter Tradition erstmal relativiert.

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Während die lange hart kritisierten Turnier-Gastgeber Russland und Katar ihre Genugtuung über den WM-Freibrief für 2018 und 2022 mit teils hämischen Kommentaren nicht verbergen wollten, ließ sich Fatma Samoura zu einer ungewöhnlichen Tanz-Einlage animieren. In Kasan drehte die FIFA-Generalsekretärin am Mittwoch wenige Stunden vor dem Halbfinale des Confed Cups zwischen Portugal und Chile bei einem Termin ein paar schwungvolle Runden mit Turniermaskottchen Zabivaka, einem russischen Wolf mit drolliger Brille.

Hier lesen: Das steht im Garcia-Report!

Infantino musste nach Leak handeln - WM 2022 bleibt in Katar

Die Botschaft war klar: Die Stimmung ist wieder gut beim Fußball-Weltverband mitten in der heißen Phase des WM-Testlaufs in Russland. Und sie soll es auch bleiben, ungeachtet der scharfen Kritik der von auf Infantinos Geheiß im Mai abgelösten ehemaligen Ethikchef Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbely. Die Topjuristen warfen Infantino und Co. vor, mit der Veröffentlichung des Garcia-Berichts sogar gegen geltendes FIFA-Recht verstoßen zu haben.

Die Nachricht des Tages ist für den Fußball-Weltverband eine andere: Aufgrund des nach mehr als zweieinhalb Jahren doch veröffentlichten Untersuchungsberichts des einstigen Chefermittlers Michael Garcia "gibt es keine solide Grundlage, die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland und Katar infrage zu stellen", sagte Samoura nach dem Tanz mit dem Wolf.

Ihr Chef Infantino war da gerade im Anflug auf die Tatarenmetropole. Offiziell wurde die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts von der neuen Ethikspitze Maria Claudia Rojas und Vassilios Skouris veranlasst, aber der Einfluss des FIFA-Präsidenten für die plötzlich offensive Taktik ist unumstritten. Infantino musste handeln, nachdem der Bericht geleakt war.


Kommentar: Nehmt Katar endlich die WM weg!

Katar hält sich mit Jubel zurück

Der Schachzug erscheint clever, denn die internationalen Reaktionen geben ihm letztlich recht. Der FIFA fehlt der Beweis für eine klare Einflussnahme aus Katar und Russland auf zumindest mehrere korrumpierbar erscheinende Wahlmänner. "Das war sie schließlich, die Gelegenheit, die giftigen Innereien völlig zu verdauen und den schlagenden Beweis zu finden, inmitten dieser Geschichte aus menschlicher Dummheit und Gier. (...) Aber der verworrene, giftige Garcia-Report ruft eher Lachen als Empörung hervor", schrieb die englische Zeitung "The Guardian".

In Katar reagierte man relativ sachlich auf die für die WM-Macher gute Nachricht. "Wir glauben, dass das Ausmaß unserer Kooperation bei der Untersuchung und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen eine Rechtfertigung der Integrität unserer Bewerbung sind", hieß es. Die Mitteilung war so kurz, dass es erschien, als wollte man bloß kein Staub mehr aufwirbeln. Die Details im Garcia-Bericht belegen nämlich wohl, dass Millionen in die Taschen von FIFA-Funktionären flossen. Nur als Quelle war das WM-OK nicht nachweisbar zu identifizieren.

Viel lauter als die Katarer kamen die Russen daher. "Wir haben nichts getan, was gegen den Ethikcode oder die allgemeinen Normen und Grundsätze der Bewerbungsregeln verstoßen hat", sagte Multi-Funktionär Witali Mutko. Für seinen engsten Mitarbeiter Alexej Sorokin war der Schuldige für die Verdächtigungen schnell ausgemacht: "Man sollte die Schlussfolgerungen des Berichts zur russischen Bewerbung lesen, um zu sehen, dass alle Anschuldigungen durch westliche Medien unbegründet sind."

Doping-Skandal ungeahnten Ausmaßes

Auch der von Präsident Wladimir Putin protegierten Kandidatur ist nichts nachzuweisen, was einen WM-Entzug ermöglicht, eventuell, weil die Computer des Organisationskomitees zerstört wurden. Auf Hypothesen konnte Garcia keine Anklage formulieren.

So sehr die FIFA trommelt: Russland kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nun droht ein Doping-Skandal noch ungeahnten Ausmaßes. Der WADA-Sonderermittler Richard McLaren geht nach einem ARD-Bericht sogar davon aus, dass es im russischen Fußball ein separates Doping-Vertuschungssystem gegeben hat. 155 beschlagnahmte Urinproben von russischen Fußballern, auf die er bei seinen Recherchen gestoßen war, werden derzeit untersucht.

"Es gab offenbar eine Bank mit sauberem Urin - und diese Bank wurde offenbar für Fußball genutzt", sagte der Kanadier in einem ARD-Interview. Der Doping-Aufklärer geht davon aus, dass noch weitaus mehr über eine mögliche Vertuschung in Russlands Fußball aufgedeckt wird. "Es ist nur die Spitze des Eisbergs. Nun muss man in Erfahrung bringen, was alles noch unter der Wasseroberfläche ist."

Bundestrainer Löw fordert Namen der Dopingsünder

Die FIFA will aber weiterhin keine konkrete Auskunft zu Ergebnissen der Untersuchung der Dopingvorwürfe geben. "Bis wir eine endgültige Entscheidung vom Labor haben, können wir dies nicht näher ausführen", erklärte Samoura und betonte, "keine Namen offenbaren" zu wollen.

DFB-Präsident und FIFA-Council-Mitglied Reinhard Grindel forderte ein neues Vorgehen für alle Dopingtests im Rahmen der WM 2018. "Die FIFA will Informationen von der WADA, Herr McLaren will Informationen von der FIFA. Dieses Hin und Her muss beendet werden", sagte er vor dem Abschlusstraining der deutschen Nationalmannschaft in Sotschi.

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"Es wäre ein richtiges Signal, wenn die FIFA mit Blick jetzt auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 sagen würde, alle Dopingkontrollen werden von der WADA, der Welt-Anti-Doping-Agentur, unabhängig selbst gemacht", forderte Grindel. FIFA und Russland hätten so "keinerlei Zugriff auf Dopingkontrollen" mehr.

Bundestrainer Löw hat speziell in Bezug auf britische Medienberichte, wonach die gesamte russische Nationalmannschaft bei der WM 2014 gedopt gewesen sein könnte, dafür wenig Verständnis. Wenn es so sein sollte, müssten WADA oder FIFA "Ross und Reiter" nennen. Niemand dürfe etwas "unter den Tisch fallen lassen".