21. April 2022 / 21:53 Uhr

Finale! Chemie Leipzig schlägt FSV Zwickau im Sachsenpokal

Finale! Chemie Leipzig schlägt FSV Zwickau im Sachsenpokal

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Die BSG Chemie Leipzig besiegt den FSV Zwickau im Elfmeterschießen und zieht so in Sachsenpokalfinale ein.
Die BSG Chemie Leipzig besiegt den FSV Zwickau im Elfmeterschießen und zieht so in Sachsenpokalfinale ein. © Christian Modla
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Spannung bis ganz zum Ende! Chemie Leipzig zwingt den Favoriten aus der 3. Liga ins Elfmeterschießen - und gewinnt dort gegen den FSV Zwickau.

Leipzig. Viertligist Chemie Leipzig hat die Pokalsensation gegen den Drittligisten FSV Zwickau im Elfmeterschießen geschafft. Nach dem 1:1 nach 90 und 120 Minuten ging es in die Nervenschlacht vom Punkt. Hier hatte Chemie am Donnerstag im eigenen Stadion die besseren Nerven sowie ein Quäntchen Glück und gewann vom Punkt mit 4:3. Im Finale tritt Chemie am 21. Mai beim Chemnitzer FC an. Der Sieger qualifiziert sich für den DFB-Pokal.

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Verdiente Halbzeitführung

Die Grün-Weißen waren vom Punkt mehrfach im Vorteil. Denn Can Coskun schoss für Zwickau drüber, doch der Chemiker Denis Jäpel scheiterte am FSV-Keeper Brinkies. Dann hielt der Leutzscher Keeper Benjamin Bellot gegen Yannik Möker, doch auch Florian Brügmann schoss weit übers Tor. Und dann vergab Zwickaus letzter Schütze Max Reinthaler – und der Alfred-Kunze-Sportpark stand Kopf.

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Spannender geht es kaum! DIe BSG Chemie Leipzig zwingt den Favoriten aus Zwickau ins Elfmeterschießen, gewinnt dort und steht im Finale des Sachsenpokals! ©

Es dauerte exakt elf Sekunden, da wusste der 2018er Pokalheld Alex Bury, was die Stunde geschlagen hatte. Zwickaus Göbel hatte hingelangt, Bury am Boden, der Schieri hatte erstmals Redebedarf. Chemie miot offensiver Grundordnung, versteckte sich überhaupt nicht und startete selbstbewusst. Florian Kirstein nahm den Ball einfach mal volley und zwang Torhüter Brinkies zu einer ersten Parade (7.). Zwickau meldete sich erst- und auch letztmals in der ersten Hälfte durch Baumann, dessen Schuss Benny Bellot aber entschärfte (10.).

Chemie ganz stark über die rechte Seite, wo sich Flo Brügmann und Denis Mast wunderbar ergänzten und Angriff auf Angriff starteten. So fiel auch der Führungstreffer, als Brügmann flankte, Flo Kirstein verpasste und Alex Bury den aufspringenden Ball yolley in die Maschen feuerte. 1:0, Leutzsch stand kopf, gerade mal 19 Minuten waren gespielt. Natürlich versuchten auch die Zwickauer, ihrerseits Angriffe zu initiieren, aber die Könnecke und Co. blieben erstaunlich blass.

Aufopferungsvoll kämpften die Leutzscher um jeden Ball und standen hinten sicher. In der Luft indes sind die Westsachsen eine Macht und jederzeit gefährlich, die meisten Kopfballduelle gingen zu ihren Gunsten aus. Doch Stefan Karau und die Seinen knieten sich richtig rein und ließen den Gästen kaum einmal Raum. Bei besser ausgespielten Angriffen (Timo Mauer, Denis Jäpel, Flo Kirstein) wäre vielleicht mehr dringewesen, aber so ging es erst einmal mit dem verdienten 1:0 in die Kabinen.

90 Minuten reichen nicht

Der Ausgleich fiel in der 52. Minute, als Marco Schikora nach einer Kopfballstaffette wuchtig traf - das 1:1. Nach 72 Minuten kamen Ben Keßler und Philipp Wendt für den glücklichen Timo Mauer und den angeschlagenen Paul Horschig. Surek rückte nach vorn und versuchte der Offensive Impulse zu geben. Kirstein rückte in die Spitze, Trainer Miro Jagatic stellte auf 4-4-2 um. Lucas Surek und Göbel hatten jeweils den Siegtreffer auf dem Fuß, scheiterten aber in den Schlussminuten der regulären Spielzeit. Der größte Aufreger passierte außerhalb des Rasens: Die Polizei musste mit einem Wasserwerfer einen Brand auf einen Toilette löschen.


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Die Verlängerung musste her, um womöglich einen Sieger vor dem Elfmeter-Krimi zu finden. Pünktlich zu Beginn der zusätzlichen 30 Minuten zog „Leutzscher Wetter“ auf – es begann (teilweise heftig) zu regnen. Ein Vorteil für die kampfstarken Grün-Weißen gegen die technisch beschlagenen Zwickauer? Die Westsachsen wiederum brachten ihre Geheimwaffe Ronny König, doch das „Kopfball-Ungeheuer“ konnte sich kaum in Szene setzen. Überhaupt verliefen die ersten 15 Minuten der Zusatz-Zeit ereignisarm. Bei den Chemikern ließen die Kräfte nach, ihnen unterliefen einige Stockfehler, die der Drittligist nicht nutzen konnte.

Graue Haare bei Jagatic

In den letzten 15 Minuten hatten beide Teams noch einmal Gelegenheiten zum 2:1. Doch unter anderem bekam Bury bei einem Kopfball nach 116 Minuten zu wenig Druck auf den Ball. Zwickau hatte einige Eckbälle. Doch meist war Bellot auf dem Posten – und einmal rettete nach einem König-Kopfball die Latte für den geschlagenen Keeper. Dann musste Chemie-Kapitän Stefan Karau angeschlagen raus, ebenso Tarik Reinhard. Kurz vor Schluss sah der Zwickau Butzen noch Gelb-Rot. Letzte Aktion war ein FSV-Freistoß über den Kasten. Dann fiel die Entscheidung vom Punkt. Es wurde auf die Seite der Gäste-Fans geschossen – doch die Hausherren bejubelten das Finalticket.

Benjamin Boltze meinte im Freudentaumel: „Jetzt haben wir in Chemnitz eine 50:50-Chance – und wollen das Ding gewinnen. Warum soll uns das nicht gelingen?“ Sechs Landespokalsiege hat der 35-Jährige schon geholt – die Sieben sei eine magische Zahl. Trainer Miro Jagatic: „Das Elfmeterschießen hat graue Haare gebracht. Aber ich sage es immer: Fleiß schlägt Talent. Ich bin unheimlich stolz auf die Jungs.“ Anton Kanther, der das fünfte Chemie-Tor des Abends erzielte: „Ich habe ja schon mehrere Elfmeter geschossen – am Ende war es gar nicht so schwer. Mein Vorteil war, dass der letzte Zwickauer nach mir dran war.“

Chemie: Bellot – Brügmann, Karau (110. Wajer), Horschig (69. Wendt), Surek – Reinhard (110. Boltze) – Kirstein (83. Kanther), Bury, Mast, Mauer (69. Keßler) – Jäpel. Zuschauer: 4999. Tore: 1:0 Bury (16.), 1:1 Schikora (52.). Chemie-Tore vom Punkt: Mast, Bury, Surek, Kanther