17. Oktober 2020 / 18:51 Uhr

Finale im Scheibenholz: 2000 Leipziger Galoppfans genießen nasskalten Renntag

Finale im Scheibenholz: 2000 Leipziger Galoppfans genießen nasskalten Renntag

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
Angry Bird (Tommaso Scardino) vor Mister Bean (Alexander Pietsch) beim Zieleinlauf   im 3. Rennen).
Zaro mit Jockey Michael Cadeddu siegt vor So Brave mit Lukas Delozier im Sattel. © Christian Modla
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Reichlich Favoritensiege, ein überragender Bauyrzhan Murzabayev und so etwas wie ein Heimkomplex bei Lokalmatador Mister Bean: Beim ersten und letzten Renntag mit Publikum im Scheibenholz gab es für die Galoppsportfans Einiges zu erleben. Auch unser Kollege Uwe Köster war vor Ort.

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Leipzig. Nein, das ist, das war kein wirklich gutes Jahr für den Leipziger Galoppsport. Nach Absagen, Geisterrenntag und vielen Enttäuschungen zum Finale endlich doch noch ein Renntag mit Publikum. 2400 waren zugelassen, knapp 2000 sind gekommen am Samstagnachmittag. Auf dem großzügigen Gelände muss Maske getragen werden, überwacht von einem eifrigen Ordnungsdienst. "Ist Teil des Hygienekonzepts", erklärt Rennbahn-Chef Alexander Leip. Auf den Bahnen in Hoppegarten oder Dresden war Maske im Freien nicht nötig - verstehe einer die Corona-Welt... Und dann funktioniert die Startmaschine nicht, bei den ersten drei Rennen gibt's den ungeliebten Flaggenstart. Einmal am Nörgeln - das Wetter könnte auch besser sein.

Hoffnung auf Mister Bean

All die Widrigkeiten können dem Gros des Publikums die Laune jedoch nicht verderben. "Wir waren ja auf Entzug", erklärt Michael Faber von den Leipziger Rennsportfreunden. Gute Stimmung also, vor allem natürlich wenn die Favoriten gewinnen. Und sie gewinnen. Wie in Rennen eins Key To Success der mit Tomaso Scardino im Sattel mit sagenhaften sieben Längen vor der Konkurrenz ins Ziel kommt. Wie in Rennen zwei, wo dem sechsjährigen Wallach Zenith dank eines exzellenten Ritts von Jockey Mirko Sanna der dritte Sieg in Folge gelingt. Alles erwartbar, macht Viele zufrieden, bringt aber keine Quoten.

DURCHKLICKEN: Das Saisonfinale im Scheibenholz

Zum Saisonabschluss hat es dann doch noch geklappt mit einem Renntag vor Zuschauern. 2000 waren am 17. Oktober auf der Galopprennbahn im Scheibenholz dabei, natürlich unter strengen Hygieneauflagen. Zur Galerie
Zum Saisonabschluss hat es dann doch noch geklappt mit einem Renntag vor Zuschauern. 2000 waren am 17. Oktober auf der Galopprennbahn im Scheibenholz dabei, natürlich unter strengen Hygieneauflagen. © Christian Modla

Im Hauptrennen des Tages, dem mit 4000 Euro dotierten Ausgleich III über 1600 Meter, richten sich alle Augen auf den hochgewetteten Lokalmatador Mister Bean. Zunächst gibt es einen ärgerlichen Fehlstart, den mancher Reiter erst nach 300, 400 Metern mitbekommt. Im zweiten Anlauf klappt es, der von Gunther Richter in Hoppegarten trainierte und für den Stall Erzgebirge laufende Wallach Zaro mit Jockey Michael Cadeddu führt vom Start an und behauptet die Spitze auch im packenden Zielspurt gegen So Brave.

Jubiläumssieg für Bauyrzhan Murzabayev

Freude bei Gunther Richter, für den es in diesem Jahr bei nur sechs Pferden im Training ausgezeichnet läuft. "Als Zaro vorn lag, wusste ich, dass er gewinnen wird. Von vorne klappt es immer. Er mag nicht, wenn er andere Pferde vor sich hat, da wäre es mit dem Sieg nichts geworden", erzählt der Trainer. Stall Erzgebirge ist übrigens Richter selbst. Seine Erklärung: "Ich bin in Karl-Marx-Stadt geboren und hänge am Erzgebrige." Mister Bean wird Sechster. "Er ist kein Heimpferd, hier im Scheibenholz ist die Zielgerade für ihn vielleicht zu kurz", konstatiert Trainer Marco Angermann.

Highlights der weiteren Rennen: Dem feststehenden deutschen Jockey-Champion Bauyrzhan Murzabayev gelingt mit Danka der 100. Jahressieg - 96 in Deutschland und vier im Ausland. In den beiden folgenden Rennen legt der gebürtige Kasache zunächst auf Vendetta und dann auf Kliff eindrucksvoll nach und feiert Siege 101 (97) und 102 (98). Der Triumph mit Kliff in Rennen sechs ist überaus spektakulär - fünf Pferde gehen in einer Linie aufs Ziel zu, knapp hat Kliff die Nase vorn. Ganz klar ein Jockey-Sieg. Der Sieg von Captain Murtek mit Jockey Concetto beschließt dieses extrem kurze und in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Rennjahr 2020 im Scheibenholz. Alle hoffen auf ein besseres Jahr 2021.

Für Interessierte: Die Elster vom "Elsterartig gewinnt das Maskottchenrennen.