04. August 2019 / 18:32 Uhr

Finals in Berlin begeistern Athleten und Zuschauer - "Ein Hauch von Olympia"

Finals in Berlin begeistern Athleten und Zuschauer - "Ein Hauch von Olympia"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Eindrucksvolle Kulisse: Gesa Felicitas Krause läuft zum Deutschen Meistertitel bei den Finals in Berlin.
Eindrucksvolle Kulisse: Gesa Felicitas Krause läuft zum Deutschen Meistertitel bei den Finals in Berlin. © dpa
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Von Turnen über BMX bis Leichtathletik: 3300 Athleten haben in Berlin um 202 deutsche Meisterschafts-Titel gekämpft. Die Finals in Berlin haben vollends überzeugt. Stefan Döring war für den SPORTBUZZER vor Ort.

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Es sind nur 160 Meter – aber die haben es in sich. Mit voller Kraft pflügen die Kanuten durch die Spree, liefern sich packende Duelle vor der East Side Gallery. Die Zuschauer toben am Uferrand. 3500 sollen es allein am Samstag an diesem historischen Ort gewesen sein. Darunter auch viele Touristen, die angelockt von den klatschenden Kanufans den Blick hinter die Mauer wagten. Ronald Rauhe war hin und weg. Vor dem Stück Berliner Mauer, bemalt mit Kunstwerken, krönte er sich gerade zum deutschen Meister. „Ich habe das komplett aufgesaugt und bin total begeistert, was Berlin hier auf die Beine gestellt hat“, sagte er. „Am liebsten wäre ich noch zehnmal rauf und runter gefahren.“ Es schien, als wäre diese deutsche Meisterschaft auch ein Höhepunkt in seiner Karriere – trotz Olympiasiegen und Weltmeistertiteln.

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Finals Berlin: 3300 Athleten kämpfen um 202 Titel

Besonders war es allemal, was an diesem Wochenende in Berlin stattfand. Erstmals wurden zehn deutsche Meisterschaften an einem Ort ausgetragen – 3300 Athleten kämpften um 202 Titel. Nachdem die European Championships in Glasgow und Berlin im vergangenen Jahr ein durchschlagender TV- und Zuschauererfolg gewesen waren, wollten die Organisatoren Ähnliches auf nationaler Ebene schaffen. Ein TV-Event, das den sogenannten Randsportarten mediale Aufmerksamkeit verschafft. „Wir wollten durch kompakte Meisterschaften gute Bilder schaffen“, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel dem SPORTBUZZER. Darunter sind die nationalen Titelkämpfe der Leichtathleten im Olympiastadion, der Schwimmer und Bahnradfahrer – oder eben der Kanuten.

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Für möglichst spektakuläre Bilder wurde bei den Kanuten erstmals die deutsche Meisterschaft über die Sprintdistanz ausgetragen. 160 Meter, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Alles sollte knackig und krachend sein. Für die Zuschauer – und vor allem die Veranstalter um die TV-Anstalten ARD und ZDF, die 20 Stunden live übertrugen. Da wurde schon einmal der Gang zur Siegerehrung wiederholt, weil der übertragende Sender noch nicht mit der Kamera bereit war.

Berlins Innensenator Geisel. „Jede Sportart findet ihre Fans“

Das störte die Sportler wenig, sie waren begeistert von dem Konzept der Finals. Und die Befürchtung, es könnte ein reines TV-Event sein, bewahrheitete sich auch nicht. „Überall ist die Hölle los. Wir haben Berlin einen Hauch von Olympia eingehaucht“, freute sich der Kanute Rauhe. „Die Finals waren atemberaubend, die Stimmung fantastisch.“ Durch die gesamte Stadt verteilt fanden die Wettkämpfe statt: Überall zog es Sportfans auf die Tribünen. Beim Turnen in der Max-Schmeling-Halle, bei der Leichtathletik im Olympiastadion mit mehr als 26.000 Zuschauern, beim Boxen im Kuppelsaal. Beim Schwimmen war gar am Samstagabend die Halle ausverkauft, als der neue Schwimmstar Florian Wellbrock ungefährdet seinen Meistertitel über die 1500 Meter Freistil einschwamm.

Auch beim Bogenschießen oder Trial hatten die Zuschauer ihren Spaß, jener spektakulären Sportart, bei der die Athleten auf BMX-Rädern von Hindernis zu Hindernis hüpfen – im Schatten des Fußballstadions Jahn-Sport-Park. Es könnte als Symbolbild gelten. An diesem Wochenende traten die zehn Sportarten zumindest kurz aus dem Schatten des Fußballs. „Jede Sportart sollte hier angemessen berücksichtigt werden und im Rampenlicht stehen. Das ging auf. Berliner und ihre Gäste nehmen die Finals an“, sagte Berlins Innensenator Geisel. „Jede Sportart findet ihre Fans.“

Finals Berlin werden wegen Olympia 2020 nicht ausgetragen - 2021 neuer Versuch?

Die Organisatoren und Verbände hoffen nun auf eine Wiederholung. „Wenn es nach uns geht, ist das ein zukunftsträchtiges Modell. Nächstes Jahr wird es aufgrund der Olympischen Spiele nicht klappen. Aber 2021 würden wir das gern wieder austragen. Es funktioniert! Wenn es für ARD und ZDF gute Einschaltquoten gab, werden wir es sicherlich wiederholen“, sagte Geisel.

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Am Samstagabend sahen 2,2 Millionen die Leichtathletik-Wettkämpfe (15 Prozent Marktanteil). Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, berichtete sogar, man habe „Anfragen aus dem Ausland erhalten, ob wir nicht auch Weltcups in dieser Art ausrichten könnten“. Das Konzept geht auf. Der Mut der Macher wurde belohnt. „Es ist genau das, was wir brauchen“, sagte Triathlonstar Patrick Lange.