11. März 2020 / 11:20 Uhr

Finanzielle Einbußen und Heimvorteil weg: Darum sind Geisterspiele Wettbewerbsverzerrung

Finanzielle Einbußen und Heimvorteil weg: Darum sind Geisterspiele Wettbewerbsverzerrung

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Geisterspiele haben sowohl finanzielle als auch sportliche Nachteile für die Fußball-Vereine.
Geisterspiele haben sowohl finanzielle als auch sportliche Nachteile für die Fußball-Vereine. © imago/McPHOTO/dpa/SPORTBUZZER/Montage Behrens
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Die meisten Bundesliga-Spiele finden aufgrund der Ausweitung des neuartigen Coronavirus ohne Zuschauer statt. Doch durch die Geisterspiele ergeben sich Wettbewerbsnachteile für die Vereine und Mannschaften - aus finanzieller und sportlicher Sicht.

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Die Aufregung in der Bundesliga ist groß. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sorgt in der Liga für Geisterspiele - allerdings bisher nicht flächendeckend. Deshalb befürchten einige Klub-Verantwortliche große Wettbewerbsnachteile. Während in vielen Teilen Deutschlands inzwischen Spiele ohne Zuschauer angeordnet wurden, wird in Leipzig wohl mit Zuschauern gespielt. Eintracht Frankfurt (gegen Borussia Mönchengladbach) und Union Berlin (gegen den FC Bayern) dürfen nun doch nicht vor ihren Fans spielen.

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"Für uns ist wichtig, dass ein annähernd fairer Wettbewerb ohne Wettbewerbsverzerrungen aufrecht erhalten bleibt. Daher muss eine einheitliche Lösung gefunden werden, die für alle Klubs gilt", teilte der FC Augsburg auf SPORTBUZZER-Anfrage mit. "Dabei kann in unseren Augen ein genereller Spielbetrieb ohne Zuschauer eine mögliche Lösung sein, da bei Spieltagverlegungen der Spielbetrieb aus terminlichen Gründen nicht bis Ende Mai durchgeführt werden kann."

Durch die unterschiedlichen Regelungen ergeben sich für einige Klubs Wettbewerbsnachteile - sowohl sportlich als auch finanziell. Borussia Dortmund gab bekannt, dass der Klub zwar wegen der Coronavirus-Krise "derzeit keine wesentlichen, nachhaltigen negativen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens" erwarte. Allerdings dürften durch Geisterspiele vor Steuern negative Auswirkungen "in einer Größenordnung zwischen 2,5 und 3,0 Millionen Euro pro betroffenen Spieltag entstehen", teilten die an der Börse notierten Dortmunder zu Wochenbeginn durch ihren Syndikusrechtsanwalt Dr. Robin Steden mit.

Geisterspiele: Wettbewerbsnachteile durch Coronavirus

Generellt scheint klar: Ein Heimspiel ohne Fans ist nicht nur für die Spieler und die Fans eine höchst ärgerliche Angelegenheit, es wird den Klubs langfristig auch finanziellen Schaden zufügen. Wie viel konkret, ist wegen der Stadionkapazität und der Ticketpreise von Klub zu Klub natürlich unterschiedlich. Im Schnitt fassen die Stadien der Bundesliga 40.867 Zuschauer, bei diesem Mittelwert ergeben sich laut Bild finanzielle Einbußen von 1,5 Millionen Euro pro Spieltag. Je höher der Zuschauerschnitt, desto höher auch die finanziellen Einbußen. Je niedriger, desto mehr halten diese sich wohl in Grenzen.

Der Ticket-Erlös macht bei den Bundesligisten rund 13 Prozent des Gesamtetats aus. Der FC Bayern soll laut Sport1 sogar mit 18 Prozent des Etats aus Zuschauereinahmen planen. Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald sagt: "Die wirtschaftlichen Folgen liegen im siebenstelligen Bereich. Es geht jetzt darum, die Folgen abzumildern." Auch Kölns Geschäftsführer spricht von "erheblichen Einnahmeverlusten. Im Worst Case sind es bis zu fünf Heimspiele ohne Zuschauer. Das sind je nach Verein siebenstellige Beträge. Das kann man nicht einfach so wegstecken, das ist gar keine Frage", sagte FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle.

Geisterspiele, Absagen: Diese Partien fallen der Ausbreitung des Coronavirus zum Opfer

Zahlreiche Geisterspiele und auch etliche Spielabsagen hat die Ausbreitung des Coronavirus jetzt schon verursacht. Der <b>SPORT</b>BUZZER gibt einen Überblick über alle großen Spiele, die abgesagt werden. Zur Galerie
Zahlreiche Geisterspiele und auch etliche Spielabsagen hat die Ausbreitung des Coronavirus jetzt schon verursacht. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über alle großen Spiele, die abgesagt werden. ©

Genervt sind die Vereinsverantwortlichen davon, dass es keine klare Linie gibt, keine einheitlichen Vorgaben. "Wir akzeptieren allerdings nicht, dass bei einem bundesweiten Wettbewerb wie der Bundesliga keine bindenden Regeln für alle Klubs gelten“, erklärte Fortuna Düsseldorfs Vorstandsvorsitzender Thomas Röttgermann. „Hier ist die Liga gefordert, Wettbewerbsgleichheit herzustellen" Kölns Sportchef Horst Heldt stimmt ihm zu: "Ich finde den Umgang mit dem Coronavirus konsequent inkonsequent. Manche Spiele finden statt, andere nicht. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt."

Geisterspiele bedrohen Vereins-Existenzen

Deutlich dramatischer ist die fianzielle Situation für die Vereine aus der zweiten und dritten Liga. "Viele Geisterspiele werden sich die Zebras nicht leisten können; eine Verlegung der Spiele oder auch eine Verlängerung der Saison ist eigentlich alternativlos", erklärte etwa der Drittligist MSV Duisburg am Mittwoch. "Jedes Spiel ohne Zuschauer kostet uns schätzungsweise 260.000 Euro“, sagte Michael Klatt, Geschäftsführer des MSV. Bedeutet im Klartext laut den Meiderichern: "Ein, zwei Spiele ohne Zuschauereinnahmen – bei Geisterspielen hätte jeder Besucher Anrecht darauf, sein Eintrittsgeld zurück zu erhalten - sind drin. Danach wird’s mit dem Flutlicht-Anknipsen schon schwieriger."

Die DFL gab aber auch schon bekannt, dass man eventuell die Lizenzvergabe verändern würde. "Hinsichtlich finanzieller Auswirkungen sind die jeweiligen Situationen vor Ort individuell durch die Klubs zu betrachten. Gleichwohl prüft die DFL die Möglichkeit von Anpassungen des Lizenzierungsverfahrens für die kommende Saison 2020/21, um finanzielle Nachteile infolge von Auswirkungen des Corona-Virus entsprechend zu berücksichtigen. Zudem prüft die DFL die Möglichkeit, auf Basis der Statuten Auszahlungszeitpunkte von zentral generierten Einnahmen anzupassen, um Klubs im Fall von möglichen Liquiditätsengpässen zu entlasten."

Neben den finanziellen Nachteilen ergeben sich für Vereine und vor allem die Mannschaften aber auch sportliche Nachteile. Viele Mannschaften punkten zu Hause - mit den eigenen Fans im Rücken - deutlich besser als in der Ferne. "In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, wie wichtig unsere Fans sind, sie haben uns eine Wucht gegeben. Gerade in unserer sportlich schwierigen Lage wären sie wertvoll für uns", sagte etwa Bremens Geschäftsführer Frank Baumann. In Punkten ist das allerdings bisher nicht zu belegen. In der aktuellen Saison holte Werder zu Hause nur fünf Zähler, auswärts immerhin 13.

Sportlicher Nachteil für heimstarke Teams

Erhebliche sportliche Nachteile könnten hingegen Vereine wie Eintracht Frankfurt und der FC Augsburg haben. Beide Teams sind auswärts erheblich schwächer als in Heimspielen. Unterstützt von ihren Fans punkteten sie bisher im heimischen Stadion deutlich besser. Der Heimvorteil mit den Fans im Rücken ist durch die Geisterspiele aber eingeschränkt.

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Doch auch im Meisterschaftskampf könnte der entfallene Heimvorteil durch die Zuschauer im Rücken Einfluss nehmen. Borussia Dortmund etwa, erster Herausforderer des FC Bayern, punktete in den Heimspielen deutlich besser als in Auswärtsspielen - auch im Vergleich mit dem FCB.