31. März 2021 / 19:59 Uhr

"Schweren Herzens": Saison wird in Niedersachsen von der Oberliga abwärts annulliert

"Schweren Herzens": Saison wird in Niedersachsen von der Oberliga abwärts annulliert

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Fußballschuhe etlicher Amateurkicker bleiben erst einmal ungenutzt - die Saison 2020/21 ist nun offiziell annulliert worden.
Die Fußballschuhe etlicher Amateurkicker bleiben erst einmal ungenutzt - die Saison 2020/21 ist nun offiziell annulliert worden. © IMAGO/Hanno Bode
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Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat die Saison 2020/21 am Mittwochabend nach 110-minütiger Sitzung ab der Oberliga abwärts in allen Altersklassen offiziell annulliert. Wie es schon seit einer Woche zu erwarten war. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was wurde entschieden?

Die Ende Oktober 2020 zunächst unterbrochene Saison ist mit sofortiger Wirkung in allen Alters- und Spielkassen auf Kreis-, Bezirks- und Verbandsebene beendet. Konkreter: Sie wird annulliert, aus den Annalen gestrichen, als hätte es sie nie gegeben. Zum ersten Mal in der Geschichte des Verbandes, woran man allein die Tragweite der Entscheidung bemessen kann.

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Gab es Gegenstimmen?

Ja, unter anderem vom Bezirk Hannover. 167 Stimmen (84,3 Prozent) entfielen auf den Saisonabbruch mit Annullierung. 15,7 Prozent (31) sind der Meinung, dass die Entscheidung zu früh getroffen wurde. Dass der Verband nicht alle seine Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um die Saison auf möglichst sportlichem Weg zu Ende zu bringen.

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Gibt es Auf- und Absteiger?

In allen Altersklassen von der Landesliga bis hinunter zur 4. Kreisklasse nicht. Die Klubs auf den Spitzenplätzen ärgern sich, weil sie nicht aufsteigen dürfen. Die abstiegsbedrohten Teams sind gerettet. Für die Schnittstellen Regionalliga/Oberliga wird es aller Voraussicht nach Ausnahmen geben. Das liegt allerdings im Ermessen des Norddeutschen Fußball-Verbandes.

Was ist noch offen?

Die Pokalwettbewerbe, die möglichst auf sportlichen Wege entschieden werden sollen, sowie die Auf- und Abstiegsregelungen in den Schnittstellen der Landesverbände. Im NFV-Pokal sind in zwei Turnierbäumen noch 17 Mannschaften vertreten. Und natürlich hoffen auch der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide und der SV Arminia Hannover weiterhin auf die Teilnahme am DFB-Pokal. Genauso wie die Oberligisten 1. FC Germania Egestorf/Langreder und SV Ramlingen/Ehlershausen auf den Aufstieg hoffen dürfen. Mit dem Beschluss im Rücken sitzt der niedersächsische Spielausschuss um Jürgen Stebani am Donnerstag zusammen, um über beide offenen Punkte zu beraten. Wie es in der Regionalliga Nord weitergeht, ist freilich noch offen.

Wie geht es jetzt weiter?

Aus der längsten Winterpause aller Zeiten wird nahtlos die längste Sommerpause aller Zeiten. Die neue Saison beginnt formell am 1. Juli – dass der Ball allerdings vor Ende August wieder rollt, ist unwahrscheinlich. Denn am Mittwoch, 1. September, enden erst die Sommerferien. Und mögliche Perspektiven hat der NFV bislang nicht aufzeigen können.

Ist die Annullierung endgültig?

Nicht unbedingt. Kritische Stimmen gibt es ja immer. Das ist die Problematik des Verbandes, der sich in einer nie dagewesenen Situation an der Quadratur des Kreises versuchen musste. So sollen NFV-Präsident Günter Distelrath im Vorfeld der Sitzung unzählige Briefe von Vereinen erreicht haben, die appellierten, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.


„Noch vor ein paar Wochen waren meine Vorstandskollegen und ich vor dem Hintergrund der positiven Entwicklung der Inzidenzen und der in Aussicht gestellten Öffnungsperspektiven – auch für den Amateursport – zuversichtlich, die Saison sportlich beenden zu können. Dass jetzt aufgrund der Rahmenbedingungen der Abbruch der Saison steht, berührt uns alle emotional zutiefst. Doch leider ist dieser Schritt angesichts der aufgeführten Punkte ohne realistische Alternativen", sagte Distelrath.

Es kam freilich anders. Vereine aus ganz Niedersachsen könnten den Beschluss nun vor den Gerichten anfechten. Das werden jedoch erst die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Was sagt Günter Distelrath zur Entscheidung?

„Wir haben unsere Entscheidung schweren Herzens getroffen. Aufgrund der staatlichen Verfügungslage, die den Lockdown zunächst bis zum 18. April verlängert hat, sowie den perspektivischen politischen Aussagen erachten wir eine rechtzeitige Aufnahme eines uneingeschränkten Mannschaftstrainings und Spielbetriebs für nicht mehr realistisch. Selbst im besten Fall würden wir vor Mitte Mai nicht zu einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs kommen, denn nach so langer Pause würde eine nur zweiwöchige Vorbereitungszeit sicherlich nicht ausreichen. Erschwerend kommen die drastisch gestiegenen Infektionszahlen hinzu. Es sind einfach zu viele Unwägbarkeiten wie der weitere Pandemie-Verlauf im Spiel. Nicht zuletzt folgen wir mit unserer Entscheidung dem klaren Votum unserer Vereine.“