21. März 2021 / 18:42 Uhr

FK-Chef Michael Reichert im Interview: "Die Hoffnung ist auf Null gesunken“

FK-Chef Michael Reichert im Interview: "Die Hoffnung ist auf Null gesunken“

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Michael Reichert
FK-Chef Michael Reichert hat derzeit wenig Hoffnung und befürchtet einen Saisonabbruch. © Christoph Brandhorst
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Fußballkreis Oberhavel/Barnim: Seit dem 2. November 2020 fanden keine Pflichtspiele mehr statt. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie rückt ein Saisonabbruch immer näher. Als Hoffnungsschimmer dient der Kreispokal, der wie im Vorjahr nach dem Ablauf des Spieljahres stattfinden könnte.

Der Spielbetrieb im Fußballkreis (FK) Oberhavel/Barnim ruht. Seit über 140 Tagen fand kein Pflichtspiel mehr in den verschiedenen Spielklassen von der Kreisoberliga bis in die 2. Kreisklasse statt. Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER lässt Michael Reichert, Vorsitzender des FK, die letzten Monate Revue passieren, schaut in die Zukunft und spricht dabei auch über seine aktuelle Tätigkeit im Gesundheitsbereich.

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„Sicher kann heute noch niemand sagen, ob die Saison tatsächlich nach unseren Planungen vollzogen werden kann.“ Diese Worte schrieben Sie als Vorwort im Ansetzungsheft für die Spielzeit 2020/21. Wie viel Wahrheitsgehalt steckt aktuell in diesen Zeilen, Herr Reichert?
Michael Reichert: Das kann man auch Monate später noch nicht sagen. Da müssen wir im Endeffekt abwarten, was der Bund-Länder-Gipfel am Montag sowie die anschließenden Beratungen des Bundeslandes Brandenburg und dem Fußball-Landesverband Brandenburg bringt. In deren Auswertung müssen wir uns weitere Gedanken machen. Das kann am Ende auch ein Saisonabbruch sein.

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Hatten Sie damals, beim Schreiben der besagten Zeilen im Vorwort, schon solche Befürchtungen?
Nein. Als ich das damals geschrieben habe, kamen wir aus dem ersten Lockdown. Da waren wir alle in der Glückseligkeit, dass wir wieder mit dem Training anfangen dürfen. Die ersten Spiele haben nicht lange auf sich warten lassen. Es gab überall freudige Gesichter. Jeder hatte wieder Spaß am Fußball. Dass es solche Auswirkungen annimmt, konnte keiner ahnen.

Hätten Sie nach dem Abbruch der Spielzeit 2019/20 gedacht, dass es in der Saison 2020/21 schlimmer wird?
Wenn man das Vorhergesehen hätte, hätten wir die alte Saison nicht abbrechen müssen, sondern stattdessen mit in das neue Spieljahr nehmen sollen. Aber das wusste keiner.

Seit November 2020 ist die laufende Spielzeit ausgesetzt. Wie viel Hoffnungen haben Sie noch, dass der Ball diese Saison noch einmal auf den Plätzen in Oberhavel rollen wird?
Das kann man nicht in Prozenten festsetzen. Für mich ist die Hoffnung, dass wir die Meisterschaft zu Ende bringen werden, auf Null gesunken. Ich hoffe zumindest, dass wir wie in der vergangenen Spielzeit den Kreispokal der Herren, Frauen und Ü-Mannschaften durchführen können. Auch zu einem späteren Zeitpunkt und nach dem regulären Saisonende.

Wie lange ist denn noch Zeit, dass noch Saisonspiele in der aktuellen Serie stattfinden können?
Wir wollten, bei einem positiven Verlauf, gerne am Wochenende des 17. Aprils wieder anfangen mit den ersten Partien. Dann hätte man da Nachholspiele oder Pokalpartien ansetzen können und es hätte in der Folgezeit keine Spiele unter der Woche oder an Pfingsten gegeben. Man kann theoretisch auch noch drei bis vier Wochen später anfangen. Da muss man dann aber auch abwägen, was man den Vereinen zumuten kann. Wir wollen nicht auf Teufel heraus irgendetwas über das Knie brechen.


Wird sich der Fußballkreis Oberhavel/Barnim den Entscheidungen des Fußball-Landesverbands Brandenburg (FLB) anschließen oder vielleicht auch einen eigenen Weg gehen?
Da werden wir uns zu 99 Prozent unterordnen. Da können wir nicht einfach ausscheren und weiter spielen. Da sind wir uns unter allen Kreisen auch einig.

In Bildern: Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Oberhavel/Barnim.

Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Oberhavel/Barnim. Zur Galerie
Das sind die Torfabriken des Fußballkreises Oberhavel/Barnim. ©

Gibt es denn schon Abbruchszenarien?
Da warten wir noch ab. Es gilt dann einen Beschluss zu fassen, wie gewertet wird oder ob es zu einem Abbruch kommt. Es gilt, alles rechtssicher zu machen. In allen Fällen warten wir aber die Entscheidung des FLB ab.

Zuletzt durften die Vereine in Oberhavel erstmalig für zwei Wochen in diesem Jahr wieder trainieren. Nun sind die Zahlen im Zusammenhang mit der Sieben-Tage-Inzidenz aber wieder gestiegen, die Plätze werden ab Dienstag gesperrt. Aus ihrer Sicht die richtige Entscheidung in dieser Situation?
Ja, auch wenn mir als Fußballer die Seele brennt und die Kinder und Jugend dann fast anderthalb Jahre in ihrer Entwicklung verlieren. Das ist aber besser, als das Leben zu verlieren. Denn aufgrund meiner beruflichen Nähe, ich arbeite für das Robert-Koch-Institut, sehe ich die Zahlen und die Entwicklungen. Deshalb muss ich diese Entscheidung befürworten.