10. November 2020 / 18:12 Uhr

FK-Nachwuchschef Alfredt Gebhardt: "Fingerspitzengefühl ist gefragt"

FK-Nachwuchschef Alfredt Gebhardt: "Fingerspitzengefühl ist gefragt"

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Nachwuchs-Pokalendspiele in Löwenberg
Wann der Nachwuchs auf Kreisebene in Oberhavel wieder kicken kann, ist derzeit noch offen. © Robert Roeske
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Kreisfußball Oberhavel/Barnim: Der Fußballnachwuchs darf, anders als in Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin, derzeit in Brandenburg und Oberhavel nicht trainieren. Wann die Saison fortgesetzt wird, ist noch unklar.

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Die Blicke von Alfred Gebhardt, Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußballkreis Oberhavel/Barnim, dürften in diesen Tagen neidisch in die Nachbarbundesländer nach Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gehen. Denn während dort der Nachwuchs in den verschiedenen Sportarten zumindest in festen Gruppen nach den lokalen Gesundheitsbehörden vor Ort trainieren darf, wird dies dem (Fußball-)Nachwuchs in der Region verwehrt. In Oberhavel, so wie in ganz Brandenburg, ruht der Ball aktuell bei den Vereinen – egal wie alt die Spieler sind. „Es ist schade, dass es da keine bundeseinheitliche Richtlinie gibt und einzelne Bundesländer ausscheren“, so Gebhardt.

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„Wenn ich daran denke, dass die Kinder zusammen im Bus sitzen oder gemeinsam zur Schule gehen, frage ich mich, warum sie nicht in ihren Vereinen trainieren können.“ Zumal Gebhardt anfügt, dass „das Training im Freien stattfindet. Den erneuten Trainingsstopp kann ich für den Nachwuchs nicht nachvollziehen.“

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In der bisherigen Saison hatte der Jugendausschussvorsitzende „keine größeren Probleme“, wie er sagt. „Es waren insgesamt drei Vereine vom Coronavirus betroffen, aber nicht die Spieler direkt.“ Daher konnte eine Vielzahl der Partien stattfinden. Auch, wie Gebhardt betont, weil die Vereine ihre Hygienekonzepte umsetzten. Somit sind die Meisterschaften für den Kreisnachwuchs nun im vollem Gange. Für den November standen noch einmal drei Spieltage auf dem Programm. Diese wurden nun aber alle abgesagt und fallen der erneuten Corona-Eindämmung zum Opfer.

Regulärer nächster Spieltag erst im März 2021

Laut Rahmenterminplan waren für den Monat Dezember keine Partien in den Nachwuchs-Ligen auf Kreisebene mehr angesetzt. Regulär ist der nächste Spieltag nach der Saisonaussetzung bis Ende November erst auf Anfang März datiert. „Wir machen uns aktuell noch keine Gedanken, wann wir weiterspielen, da wir nicht wissen, wie sich die Politik entscheidet“, so Gebhardt. „Es ist jetzt noch zu früh, darüber zu sprechen oder zu philosophieren.“ Es brauche Fakten, findet der Barnimer. Über die Konsequenzen der fehlenden Spieltage aus der Hinrunde konnte Gebhardt noch keine Aussagen machen. „Wir werden uns da, auch in Anlehnung an den Landesverband, entsprechend die Gedanken machen“, sagt der Jugendausschusschef und bemerkt: „Wir werden zeitnah eine Entscheidung treffen. Es ist Fingerspitzengefühl für die Vereine und Spieler gefragt. Auch müssen wir die Witterung immer im Blick behalten.“


Das sagen Trainer aus Oberhavel zur Trainingssituation für den Nachwuchs

Kerstin Paech (Leichtathletik-Trainerin SV electronic Hohen Neuendorf): „Aufgrund der Anerkennung als Landesleistungsstützpunkt dürfen die Kinder der ersten Förderphase, sprich bis zur 6. Klasse, trainieren. Darüber haben sich die Kinder gefreut. Wir achten aber weiterhin verstärkt auf die Einhaltung der Hygieneregeln. Das Training ist aber freigestellt, da dürfen die Kinder und Eltern entscheiden. Die Jugendlichen haben dagegen individuelle Trainingspläne für zu Hause.“

Kathrin Nimtz (Jugendwartin SV Zehdenick): „Es ist eine schwierige Entscheidung. Auf der einen Seite darf man die Zahlen nicht vergessen. Wir sind noch mitten in einer Pandemie. Auf der anderen Seite tut die sportliche Betätigung der Entwicklung der Kinder gut. Die hatten sich gerade ihre Form wieder erarbeitet. Aus Vereinssicht müssen wir sehen, ob uns dadurch Mitglieder verloren gehen und wir vielleicht in Zukunft weniger Nachwuchsmannschaften an den Start schicken können.“

Enis Djerlek (Jugendkoordinator Oranienburger FC Eintracht): „Man nimmt den Kindern einiges an Lebensqualität. Es ist sicher unlogisch, warum die Kinder, die vormittags zusammen sind, sich nicht am Nachmittag in ihren Vereinen sehen dürfen. Zumal der Sport bis dato sehr vernünftig war, Hygienekonzepte entwickelt hat. Mit dieser Entscheidung der Aussetzung hat es sich die Politik einfach gemacht. Aber aus einer Nicht-Verantwortung ist es leicht, zu kritisieren.“

Wolf-Dieter Alte (Vereinsvorsitzender VSV Havel Oranienburg): „Ich bin da zwiegespalten. Sicherlich würde ich gerne wieder trainieren. Aber man darf nicht vergessen, dass man in einem Verein eine große Durchmischung hat, die Kinder aus verschiedenen Orten kommen. Wir sollten diesen Monat gemeinsam kürzertreten, um die Chance zu haben, dass die Corona-Zahlen wieder runter gehen. Dann sehe ich positiv in die Zukunft, dass wir bald wieder normal trainieren können.“