07. Februar 2022 / 19:47 Uhr

Spielbetrieb in Oberhavel gerät durch 2G-Regel in Gefahr

Spielbetrieb in Oberhavel gerät durch 2G-Regel in Gefahr

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
SV Badingen, Saison 2021/22
Der SV Badingen konnte zuletzt wegen der 2G-Regel nicht zum Auswärtsspiel in Häsen antreten. © Verein
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2. Kreisklasse Nord: In der untersten Kreisspielklasse fielen zum Re-Start vier Partien aus, weil Mannschaften nicht genügend Spieler hatten. Die Vereine, auch in anderen Spielklassen der Region, hoffen nun auf Zeichen aus der Politik und eine Veränderung zur 3G-Regel.

Sechs Spiele sind am kommenden Wochenende in der 2. Kreisklasse Nord des Fußballkreises Oberhavel/Barnim angesetzt. Wie viele am Ende auch wirklich angepfiffen werden können, ist nach jetzigem Stand noch ungewiss. Die Vereine in der untersten Kreisspielklasse haben Probleme, unter der aktuellen Brandenburger Eindämmungsverordnung aufzulaufen – Stichwort: 2G-Regel. Mindestens bis Sonntag gilt noch die aktuelle Regelung, nach der nur geimpfte oder genesene Fußballer auf die Anlagen zum Kicken dürfen. „Wir können nur von Spieltag zu Spieltag schauen“, sagt Marco Dahlenburg, Spielertrainer des SV Badingen. „Eine Prognose für Samstag abzugeben, ob wir spielen oder nicht, ist schwierig.“

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Schon am vergangenen Sonnabend musste der Club aus dem Oberhavel-Norden seine Partie absagen – ebenso wie die Vereine aus Großwoltersdorf, Fürstenberg und Burgwall. „So hatte ich mir den Spieltag sicherlich nicht vorgestellt. Da es sich bei einigen Vereinen aber schon angedeutet hatte, war ich nicht gänzlich überrascht“, sagt Staffelleiter Rene Grysla, der am Ende vier Absagen aufgrund eines Nichtantritts registrieren musste. Zwei weitere Partien fielen witterungsbedingt aus. Noch vor dem Re-Start zeigte sich Michael Reichert optimistisch: "Wir haben bis jetzt keine Anzeichen, dass irgendjemand unter diesen Voraussetzungen nicht spielen will oder kann."

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Beim Verein aus Badingen ist seit Beginn der Corona-Pandemie ein Mitgliederschwund zu verzeichnen. „Viele haben sich mittlerweile einfach andere Hobbys gesucht“, sagt Dahlenburg, der vor der Saison 2019/20 einst 30 Spieler zur Verfügung hatte – keine schlechte Bilanz für den Verein aus dem Ortsteil der Stadt Zehdenick. Doch in den zwei Jahren der Corona-Pandemie verlor der Club immer mehr Spieler. Das hat sich mit der Einführung der 2G-Regel nicht verbessert – eher im Gegenteil. „Wir haben vor dem Spiel gegen den Häsener SV II durchgezählt und ich wäre nur auf sechs einsatzfähige Spieler gekommen“, erklärt Dahlenburg. „Auch, dass der Genesenen-Status nicht mehr sechs, sondern nur noch drei Monate gültig ist, trifft uns schwer.“ Somit musste der SVB das Gastspiel in Häsen zuletzt notgedrungen absagen. „Natürlich wollen wir spielen. Aber wir sind Tabellenletzter und wenn wir nur mit ein paar Leuten antreten und hoch verlieren, vergraulen wir noch die letzten Spieler“, ist Dahlenburg sicher.

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Die Badinger kassierten in den bisher ausgetragenen zehn Saisonspielen zehn Niederlagen und stehen ganz am Tabellenende. Zudem gelangen der Mannschaft nur zwei Treffer bei bisher 63 Gegentoren. Die Badinger könnten wohl elf Leute unter der 2G-Regel stellen. Die seien jedoch nicht immer alle gleichzeitig da. „Aktuell sind einige von uns in Quarantäne. Diese Akteure gelten dann aber erst 28 Tage später als genesen und könnten dann spielen“, sagt der SVB-Spielertrainer. „Wir müssen einfach von Spieltag zu Spieltag schauen. Unser Ziel ist es nicht, uns vom Spielbetrieb abzumelden.“

Hoffnung auf 3G-Regel im Sport

Da hilft dem Verein aus Oberhavel auch die neue Regelung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB) – ebenso wie allen anderen Mannschaften auf Landes-und Kreisebene. Die Änderungen der Paragrafen 25 (2) und 29 (4) in der FLB-Spielordnung sind vergangene Woche beschlossen worden. Demnach gibt es für Vereine bei 2G-bedingtem Verzicht keine Geldstrafe und keinen Zwangsabstieg nach dreimaligem Nichtantreten, wenn mindestens 48 Stunden vor Spielbeginn die Meldung beim Staffelleiter eingeht. „Wir wollen da innerhalb des Fußballkreises eine einheitliche Linie fahren“, sagt Grysla, der aber betont: „Am Ende ist es doch das Ziel von uns allen, dass Fußball gespielt werden kann.“

Also blicken die Vereine, nicht nur aus Oberhavel, in diesen Tagen gespannt in Richtung Landespolitik. Am gestrigen Montag wurde bekannt, dass die 2G-Regel bereits im gesamten Einzelhandel aufgehoben werden soll. Am Dienstag berät das Kabinett über die neue Corona-Verordnung des Landes. Der FLB appellierte in diesen Tagen ebenso an die Regierung, auf den Sportplätzen die 3G-Regel einzuführen. Danach könnten zusätzlich zu geimpften und genesenen Kickern auch negativ-getestete Fußballer wieder am Spielbetrieb teilnehmen – eine Entlastung für die Amateurvereine. „Das würde uns sicherlich helfen. Es gibt aktuell keine Impfpflicht in Deutschland und deshalb finde ich es schwierig, dass Ungeimpfte nicht spielen dürfen“, sagt der Badinger Marco Dahlenburg, der sich an der Online-Petition für eine 3G-Regel im Fußball beteiligte – ebenso wie rund 12 000 Unterstützer die dafür ihre Stimme im Internet abgaben.

Die Entscheidung beeinflusst vielleicht auch, wie viele Partien in der 2. Kreisklasse Nord am 14. Spieltag angepfiffen werden. Der SV Badingen würde ab 14 Uhr zum ersten Spiel 2022 die SpG Krewelin/Mildenberg II erwarten.