06. Oktober 2019 / 20:39 Uhr

Flens-Oberliga: "Derbyheld" Ugur Dagli ballert SV Eichede zum Sieg bei Preußen Reinfeld

Flens-Oberliga: "Derbyheld" Ugur Dagli ballert SV Eichede zum Sieg bei Preußen Reinfeld

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Ugur Dagli sorgte mit seinem Tor für den Derbysieg der Eicheder.
Ugur Dagli sorgte mit seinem Tor für den Derbysieg der Eicheder. © Agentur 54°
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Nach über einem Jahrzehnt trafen die Teams in einem Ligaspiel wieder aufeinander - die Zuschauer waren unbeeindruckt.

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„Derbysieger, Derbysieger, hey, hey“: Dank eines frühen Tor des Tages von Ugur Dagli hat der SV Eichede das Oberliga-Derby beim SV Preußen Reinfeld knapp, aber verdient mit 1:0 gewonnen, die Kräfteverhältnisse im Kreis zunächst wieder geradegerückt, sich für die Pokalpleite in der vergangenen Saison revanchiert und den Liganeuling auch in der Tabelle überholt.

Dagli: Vom Pechvogel zum Derbyhelden

Gästetrainer Denny Skwierczynski sprach nach dem Abpfiff einer kampfbetonten Partie von einer Momentaufnahme. „Das war ein wichtiger Sieg. Wir wollen in Stormarn die Nummer eins sein. Am Ende der Saison wäre es schön, wenn wir vor den Reinfeldern stehen würden“, sagte er. Wieder einmal bestätigte sich, dass der Fußball die besten Geschichten schreibt: War Dagli in der letzten Woche noch der große Pechvogel beim 1:4 gegen Spitzenreiter SC Weiche Flensburg 08 II, als er beim Stand von 1:0 einen Strafstoß vergab (danach kippte das Spiel), avancierte er dieses Mal zum umjubelten Derbyheld.

Sonderlob für Dagli

„Ich habe mich schlecht gefühlt nach dem letzten Spiel“, gestand der ehemalige Strander den LN, „um so mehr freue ich mich über den verdienten Sieg.“ Für Skwierczynski gab es indes keinen Grund, auf seinen Stürmer zu verzichten. „Es ist ja nicht so, dass er gegen Flensburg schlecht gespielt hat. Auch heute hat Ugur ein ordentliches Spiel gemacht. Das war kein leichter Ball. Ugur hat das super gemacht und auch viel Defensivarbeit verrichtet“, lobte der 45-Jährige dessen körperlich sehr gute Verfassung. Die Vorlage zum entscheidenden Treffer lieferte Niko Hasselbusch, der sich über links bis zur Grundlinie durchtankte und dann gekonnt zurück zu Dagli legte. Dieser blieb eiskalt und ließ dem Reinfelder Schlussmann Jonas Marschner aus halbrechter Position keine Chance (10.).

Mehr vom SV Eichede

Skwierczynski stellt auf Viererkette um, Rönnau nicht zu ersetzen

Die frühe Führung verdienten sich die „Bravehearts“ mit einer guten ersten Halbzeit. Sie waren das klar bessere Team. Statt auf Dreierkette, hatte Skwierczynski („Wir haben umgestellt, weil wir Reinfeld verstärkt über die Flügel erwartet haben“) auf eine Viererkette in der Abwehr gesetzt. „Der Sieg ist insgesamt durchaus verdient“, resümierte derweil Preußen-Trainer Michael Clausen, „weil wir im ersten Durchgang zu wenig nach vorne zu Stande bekommen haben.“ Für seinen fehlenden Stürmer Kristof Rönnau (Urlaub) agierte Philipp Bosbach im Sturmzentrum, blieb aber ohne eine nennenswerte Szene. „Eichede hatte mehr Anteile und war spieldominant“, gab Clausen zu.

Torge Maltzahn wieder dabei

Sein Gegenüber monierte, dass es seine Elf versäumt habe, das 0:2 nachzulegen. Dadurch sei das Spiel auf Messerschneide bis zum Schluss geblieben, so Skwierczynski. Die Hausherren kamen nach der Pause besser auf und warfen nun alles, in erster Linie mit langen Bällen, nach vorne. Der SVE-Coach reagierte und brachte Torge Maltzahn. Das Eicheder Urgestein stand das erste Mal in dieser Saison im Kader, nachdem er schon in der Woche bei der Ligamannschaft mittrainiert hatte. „Torge hat zuletzt zu Hause alles wieder in den Griff bekommen und vier Wochen in unserer U23-Elf regelmäßig trainiert“, sagte Skwierczynski über den dreifachen Familienvater, der für Stabilität „in einer Phase, als Reinfeld drückte“, sorgte.

Gevert und Marschner hielten das Spiel spannend

Dass es beim 0:1 für die Rot-Weißen blieb, lag an den Torhütern. Während Jonas Marschner einen Schlenzer von Maltzahn aus acht Metern nach Vorlage von Hasselbusch stark parierte (80.), fischte auf der anderen Seite der über weite Strecken beschäftigungslose Marcel Gevert einen Kopfball von Christoph Böckelmann sensationell aus dem Eck (85.). „Der Kopfball hatte Druck dahinter und war platziert“, meinte Clausen, der sowohl seinem großgewachsenen Verteidiger als auch der gesamten Mannschaft keinen Vorwurf machen wollte. „Wir haben es in der Defensive gut gemacht und gezeigt, dass wir in die Oberliga gehören. In der zweiten Halbzeit war das ein richtiges Derby, in dem wir auf jeden Fall auf Augenhöhe waren.“

Zuschaueranzahl nicht Derbywürdig

Über zehn Jahre ist es her, dass sich beide Vereine in einem Punktspiel gegenüber gestanden hatten – damals in der Verbandsliga. Um so mehr zeigten sich beide Übungsleiter enttäuscht über die Kulisse von offiziell 250 Zuschauern am Bischofsteicher Weg. „Ich hatte mehr erhofft. Möglicherweise hat uns das zeitgleiche Regionalliga-Heimspiel des VfB Lübeck gegen Werder Bremen II 50 bis 100 Zuschauer gekostet“, unkte Clausen.

Pokalspiel vor der Brust

Viel Zeit zum Ausruhen bliebt beiden Teams nicht. Denn es steht das Viertelfinale im Kreispokal an. Während die Reinfelder am Dienstag beim SSC Hagen Ahrensburg (20 Uhr, Hagener Allee) antreten müssen, sind die Eicheder tags darauf beim ebenfalls in der Verbandsliga spielenden VfL Tremsbüttel (20 Uhr, Am Gemeindezentrum) gefordert.

SV Eichede gewinnt Derby gegen Preußen Reinfeld mit 1:0. (06.10.2019)

Fynn Lennart Rathjen lässt Phillip Hackbarth nicht an den Ball. Zur Galerie
Fynn Lennart Rathjen lässt Phillip Hackbarth nicht an den Ball. ©

SV Preußen Reinfeld: Jonas Marschner – Pirch, Grimm, Böckelmann, Vogel – Witten, Hackbarth – Taritas, Schroeder (46. Treichel), Lie (78. Wurst) – Bosbach.

SV Eichede: Gevert – Steinfeldt, Schubring, Pichelmann, Heskamp – Zaske, Rathjen (71. Maltzahn) – Bieche (64. Wittig), Stöver, Hasselbusch – Dagli (90. +2 Kathmann).