01. April 2021 / 19:30 Uhr

Fliegt Joachim Löw sofort? Kommt Thomas Müller zurück? Die wichtigsten Fragen nach dem DFB-Debakel

Fliegt Joachim Löw sofort? Kommt Thomas Müller zurück? Die wichtigsten Fragen nach dem DFB-Debakel

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach der Pleite der DFB-Auswahl gegen Nordmazedonien bleiben Fragen zurück.
Nach der Pleite der DFB-Auswahl gegen Nordmazedonien bleiben Fragen zurück. © Getty Images (Montage)
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Die bittere Pleite gegen Nordmazedonien wirft wieder einmal Fragen rund um die deutsche Nationalmannschaft auf. Der SPORTBUZZER gibt Antworten auf die Fragen nach einem möglichen Aus für Joachim Löw und die Rückkehr von Altstars.

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Das 1:2 gegen Nordmazedonien war in vielerlei Hinsicht eine denkwürdige Pleite für die deutsche Nationalmannschaft. Es war nicht nur die erste Niederlage von Joachim Löw in einer WM-Quali überhaupt – es war auch erst die dritte im 97. Spiel einer DFB-Elf seit 1934! Zuvor musste Teamchef Franz Beckenbauer 1985 in Stuttgart ein 0:1 gegen Portugal hinnehmen – damals war Deutschland allerdings bereits für die WM in Mexiko qualifiziert und wurde am Ende Vize-Weltmeister. Genau wie 17 Jahre später bei der Endrunde in Japan und Südkorea. Auf dem Weg dorthin kassierte Rudi Völler die historische 1:5-Klatsche in München gegen England.

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Kein Wunder, dass sich nach diesem Auftritt nur fünf Monate nach dem 0:6-Debakel in Sevilla gegen Spanien und mit Blick auf die bevorstehende EM die Sorgenfalten vergrößern. Der SPORTBUZZER beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums DFB-Team.

Fliegt Joachim Löw jetzt sofort raus?

Dieses Szenario ist nahezu ausgeschlossen. Zwar waren die DFB-Bosse natürlich extrem verärgert und enttäuscht nach der erneuten Peinlich-Pleite gegen den Fußballzwerg. Dennoch ändert sich nichts am Plan, mit Joachim Löw in dessen letztes Turnier zu gehen. Der Bundestrainer wirkte in der vergangenen Woche sehr motiviert, die Auftritte gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) waren zumindest ordentlich. DFB-Direktor Oliver Bierhoff wird zwei Monate vor EM-Start nun nicht die Nerven verlieren oder Aktionismus betreiben, zumal er noch nicht mal einen Nachfolger für September parat hat. Erste Sondierungsgespräche mit Kandidaten wie Marcus Sorg, Stefan Kuntz oder Ralf Rangnick sollen in diesem Monat geführt werden.

Auch ein Löw-Rücktritt ist nicht zu erwarten, nach 15 Jahren wird er sicher nicht mit einer 1:2-Pleite gegen Nordmazedonien abtreten. Nach dem Spiel betonte Löw: „Wir dürfen auf keinen Fall völlig den Glauben verlieren, an die Stärken, die die Mannschaft hat und daran, dass wir ein gutes Turnier spielen können. Wenn wir in der Vorbereitung Zeit haben, werden wir Konstanz reinbringen und die richtigen Dinge anpacken.“

Droht Deutschland jetzt die WM zu verpassen?

Unwahrscheinlich. Aber: Statt mit neun Punkten die Gruppe J anzuführen, startet Deutschland (6 Punkte) im September mit einem neuen Bundestrainer als Tabellendritter hinter Armenien (9 Punkte) und Nordmazedonien (6 Punkte) in einen heißen Quali-Herbst. Nur der Gruppensieger ist sicher im Advent 2022 bei der Endrunde in Katar dabei, der Zweite muss in die Playoffs.Das DFB-Team hat allerdings weiterhin alles in der eigenen Hand. Die nächsten Partien in Liechtenstein, gegen Armenien und auf Island sind Pflichtaufgaben – das war Mazedonien aber eigentlich auch. Das DFB-Team bleibt natürlich Favorit auf den Gruppensieg, doch selbst über den Umweg Playoffs gäbe es im Zweifelsfall noch eine zusätzliche Chance auf die WM-Quali.

Was bedeutet das Debakel bezüglich der Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels?

Selbstverständlich wurde Löw – wie eigentlich immer in den letzten Monaten – auch nach der Nordmazedonien-Pleite zur möglichen Rückkehr von Mats Hummels und Thomas Müller befragt. Und wie immer antwortete der Bundestrainer ausweichend: "Wir werden noch einmal alles aufarbeiten und überprüfen, aber unabhängig von diesem einen Spiel. Die Entscheidung fällt im Mai.“

Am 25. Mai trifft sich die Nationalmannschaft zur EM-Vorbereitung im österreichischen Seefeld, am 1. Juni muss Löw seinen endgültigen Kader für die Endrunde bei der Uefa einreichen – vor den abschließenden Testspielen gegen Dänemark (2. Juni) und Lettland (7. Juni). Möglicherweise werden (auch aufgrund von Corona) mehr als die sonst üblichen 23 Spieler erlaubt sein – die endgültige Entscheidung darüber fällt im April. Nach der Kaderabgabe können lediglich aufgrund von Verletzungen noch Akteure nachnominiert werden.

Natürlich sind die Chancen für Müller und Hummels durch den erneuten Rückschlag nochmals gestiegen. Es wurde nicht zum ersten Mal offensichtlich, dass es aktuell keinen klaren Abwehrboss gibt, es mitunter an Erfahrung fehlt und vor allem: weiterhin an Kommunikation auf dem Platz. Löw weiß, dass seine beiden aussortierten Weltmeister dort mit Sicherheit helfen könnten und würden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Bundestrainer sie für die EM nochmals zurückholt, sind jedenfalls größer denn je.