08. September 2020 / 18:07 Uhr

Floorball-Nationaltrainer aus Potsdam: Der finnische Tausendsassa Atte Ronkanen

Floorball-Nationaltrainer aus Potsdam: Der finnische Tausendsassa Atte Ronkanen

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Atte Ronkanen (r.) greift beim SC Potsdam teilweise selbst noch zum Schläger, 2019 holte er mit Leipzig den Bundesliga-Titel.
Atte Ronkanen (r.) greift beim SC Potsdam teilweise selbst noch zum Schläger, 2019 holte er mit Leipzig den Bundesliga-Titel. © Verein
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Der Finne Atte Ronkanen ist seit zwei Jahren Sportdirektor beim SC Potsdam, seit August ist er in Personalunion auch Coach und Sportdirektor der deutschen Nationalmannschaft.

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Auf der Visitenkarten von Atte Ronkanen dürfte nicht mehr viel Platz sein. Seit zwei Jahren ist der Finne Floorball-Sportdirektor beim SC Potsdam, trainiert die U17 des Vereins und neuerdings auch das Zweitligateam FBC Havel, eine Spielgemeinschaft zwischen dem SCP und dem VfL Tegel. Im August kamen noch zwei weitere Jobs für den 28-Jährigen hinzu: Nationaltrainer und Sportdirektor beim deutschen Verband. „Lange musste ich nicht überlegen. Wir haben uns relativ schnell geeinigt, dass ich der richtige Mann für den Job bin und ich habe mich natürlich sehr über die neuen Aufgaben gefreut“, sagt Ronkanen, der zuvor schon Co-Trainer des Nationalteams, das auf Rang fünf der Weltrangliste steht, war und nach dem Rücktritt von Vorgänger Remo Hubacher zum Chef aufstieg.

WM im Heimatland verschoben

Das war vor rund einem Monat – und Bundestrainer ist er auch nur kommissarisch bis Dezember. Da sollte die WM in seinem Heimatland stattfinden, doch diese wurde coronabedingt auf 2021 verschoben. „Dort werde ich allerdings nur als Sportdirektor teilnehmen. Natürlich ist es aber trotzdem schön, dass wir uns in meinem Heimatland messen können“, sagt Ronkanen. „Als Sportdirektor möchte ich länger bleiben. Alles, was ich plane, dauert nicht nur ein Jahr, sondern wir müssen über mehrere Jahren gute Arbeit leisten.“

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Das ist auch schon seine Devise, seit er beim SC Potsdam im Floorball – eine Kombination aus Hallenhockey und Eishockey – tätig ist. „Er hat am Anfang so ziemlich alles auf den Kopf gestellt. Wir haben uns von einem ambitionierten Training hin zu professionellen Strukturen entwickelt. Er zwingt die Leute, die es wollen, mehr aus sich rauszuholen, auch wenn wir natürlich weiterhin Breitensport anbieten“, sagt Martin Fielko, der gemeinsam mit Matti Kähling die Floorball-Abteilung des SCP leitet. Diese hat inzwischen rund 140 Mitglieder. Seit Ronkanens Ankunft hat der Verein mehr Jugendmannschaften im Spielbetrieb, ab der kommenden Saison, die am übernächsten Wochenende startet, nimmt die Spielgemeinschaft erstmals an der 2. Bundesliga teil – Ronkanen ist Trainer und greift ab und zu auch noch selbst zum Schläger.

Deutscher Meister 2019

Denn auch als Spieler hat er einiges erreicht. 2013 wechselte Ronkanen aus Finnland zum MFBC Leipzig in die Bundesliga, wo er 2019 als Spieler die Meisterschaft feierte. „Ich wollte etwas Neues erleben und ich habe damals ein Angebot bekommen. Ich musste nicht zweimal überlegen“, sagt er über den Schritt nach Leipzig. Nach Potsdam kam er schließlich 2018 aus privaten Gründen. „Als wir die Möglichkeit hatten, so einen erfahrenen Mann zu bekommen, mussten wir das natürlich machen. Er hat bei uns ganz vielfältige Rollen, weil wir einfach seine Erfahrung aus Finnland brauchen“, sagt Fielko.

Viermal wurde Finnland Weltmeister – und profitiert von einer anderen Sportart. „Eishockey hat unserer Entwicklung in Finnland sehr geholfen. Floorball ist eine ,günstigere’ Variante von Eishockey, da du keine große Ausrüstung brauchst. Floorball ist schnell und dynamisch und als Land sind wir ja begeistert von diese Art von Mannschaftsspielen“, erklärt Ronkanen. Beim SC Potsdam soll er trotz seiner Arbeit beim deutschen Verband weiter Sportlicher Leiter bleiben. Eine Frauen-Mannschaft wollen sie im Verein noch aufbauen – noch so ein Projekt, dass Tausendsassa Ronkanen vorantreiben kann.