23. Juni 2020 / 08:14 Uhr

"Hat eine Gabe, die der liebe Gott ihm geschenkt hat": Wann kriegt Florent Muslija bei Hannover 96 die Kurve? 

"Hat eine Gabe, die der liebe Gott ihm geschenkt hat": Wann kriegt Florent Muslija bei Hannover 96 die Kurve? 

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Aues Jan Hochscheidt (links) wird von Florent Muslija gestört.
Aues Jan Hochscheidt (links) wird von Florent Muslija gestört. © Robert Michael/dpa
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Sein Vertrag bei Zweitligist Hannover 96 läuft noch bis 2022, doch wenn Florent Muslija nicht bald die Kurve bekommt, wird er nicht so lange bleiben.

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Florent Muslija hat das Talent, Unterschiedspieler zu sein. Eigentlich. Aber davon ist zur Zeit wenig zu sehen. Beim Kraftlos-Auftritt in Aue stand er das erste Mal seit mehr als einem halben Jahr wieder in der Startelf, aber er machte eine schlechte Figur. Der 21-Jährige sucht seine Rolle – und sollte diese schnell finden. Sonst droht der Abschied.

Trantütig und kraftlos - wie die Kollegen

„Das Talent bringt er mit, das hat er mehrfach unter Beweis gestellt“, hatte Kenan Kocak vor der Pleite in Aue betont – und Muslija dann in die Startelf gestellt.

Doch der Flügel-Flo spielte genauso trantütig und kraftlos wie die Kollegen. Impulse, Tempo, Ideen – Fehlanzeige. Alles Dinge, die er in der Vergangenheit schon gezeigt hat im 96-Trikot.

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Der FC Erzgebirge gewinnt das Heimspiel gegen Hannover 96 mit 2:1. ©

„Er kann kicken, ist sehr fußballintelligent, hat eine fantastische Schusstechnik, ist im Eins-gegen-Eins sehr gut. All die Attribute, die wir von der Position verlangen, bringt er mit“, sagt Kocak. „Aber die Frage, die wir uns natürlich gestellt haben: Warum schaffen wir es nicht bei den Spielen, das auf den Platz zu bringen ...“

Am fehlenden Talent liegt es bei Muslija nicht, dass es seit Monaten nicht läuft wie geplant. „Er hat eine Gabe, die der liebe Gott ihm geschenkt hat“, findet Kocak.

".. gehören auch andere Sachen als Talent"

Das sahen auch die Trainer vor ihm so. „Aber zu Fußball gehören auch andere Sachen als Talent. Er muss die Qualität, die er im Training zeigt, auch im Spiel auf den Platz bringen.“ Bei 96 warten sie noch darauf, dass Muslija den letzten Schritt macht hin zum Stammspieler. Bisher vergeblich.

Seine auffälligste Aktion in Aue: Muslija holte einen Freistoß raus, nachdem er mit dem Ball lange parallel zur Sechzehnerlinie gelaufen war. Es fehlte dem 21-Jährigen am richtigen Timing, ein Abspiel oder ein Schussversuch wären wohl besser gewesen. Sonst ging es über Ansätze kaum hinaus. Muslija will ja, aber anscheinend kann er zur Zeit nicht.

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Komisch, denn der Flügel-Flo funktionierte schon in Hannover. Förderer André Breitenreiter warf ihn in der Bundesliga immer wieder rein, Muslija hinterließ einen guten Eindruck.

Wer geglaubt hatte, dass seine Qualität nach dem Abstieg besser zum Vorschein treten würden in der 2. Liga, sieht sich getäuscht. Muslija ist bestenfalls Ergänzungsspieler statt nah dran an der Startelf. In 20 Saisoneinsätzen traf er nur einmal, das war am dritten Spieltag in Wiesbaden. Lange her. Torvorlagen: null. Im November musste Muslija sogar mal zur Reserve in der Regionalliga.

Talent allein reicht nicht

Aber woran liegt’s, dass es nicht rund läuft? Womöglich an der Einstellung. „Der Junge arbeitet gut, investiert sehr viel, ist sehr fleißig momentan“, sagt Kocak zwar.

Aber er bestätigt auf Nachfrage auch ein Manko, das auf Muslija gemünzt scheint: „Es ist vielleicht ein bisschen das Problem der heutigen Generation und von jungen Spielern, wenn man sich zu sehr auf das Talent verlässt – und vernachlässigt, dass man weiter jeden Tag für die Qualität arbeiten muss, dass man auch die Mentalität mitbringen muss.“

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Früjhar 2018: Florent Muslija bejubelt einen Treffer gegen die SpVgg Unterhaching. Zur Galerie
Früjhar 2018: Florent Muslija bejubelt einen Treffer gegen die SpVgg Unterhaching. ©

Kocak legt viel Wert auf ein mannschaftsdienlichen Einsatz. „Wenn man sich nur auf die Qualität verlässt und nur dann spielen will, wenn man den Ball am Fuß hat, dann wird’s ein bisschen kritisch für die Entwicklung“, kritisiert er. Das bekam beispielsweise Marvin Ducksch mal zu spüren, der zwar bester Torschütze aber zeitweise trotzdem Bankdrücker war.

Auch Muslija arbeite an den Defiziten, betont der Trainer: „Wir haben gemeinsam nach Ursachen geforscht und daran haben wir gearbeitet“, berichtet Kocak. Ein erster Schritt.

"Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit"

Das Spiel in Aue war dafür ein Schritt in die falsche Richtung. Doch das Beispiel Ducksch zeigt, dass es sich mit dem richtigen Einsatz schnell zum Positiven entwickeln kann.

Kocak: „Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir es so auch auf den Platz bringen. Hoffentlich so wie bei Marvin Ducksch, dass man dann sieht, dass es auch in eine andere Richtung gehen kann.“ Aber damit sollte Muslija sich besser beeilen.