17. April 2020 / 16:24 Uhr

Florian Brügmann von Energie Cottbus: "In der Krise herrscht im Fußball weiter der Egoismus"

Florian Brügmann von Energie Cottbus: "In der Krise herrscht im Fußball weiter der Egoismus"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainiert derzeit mit seinem Bruder auf der Dachterasse: Florian Brügmann.
Trainiert derzeit mit seinem Bruder auf der Dachterasse: Florian Brügmann. © imago images/Steffen Beyer/privat/Montage
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Der Fußball steht in der Coronakrise weitgehend still. Vor allem im Amateurfußball regiert die Ungewissheit - auch bei den Spielern in der Regionalliga. Florian Brügmann, Außenverteidiger bei Energie Cottbus, spricht im #GABFAF-Interview über Training auf der Dachterrasse, Egoismus im Fußball und #Spendedeinetrikotnummer.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Mehr Infos dazu auf gabfaf.de.

Florian Brügmann, die wichtigste Frage vorweg: Wie geht es Ihnen in diesen Tagen?

Florian Brügmann: Ich denke so, wie jedem aktuell. Es ist eine komische Situation, man weiß nicht so richtig, woran man ist. Gelten die Beschränkungen noch ein paar Tage – oder doch Wochen? Ich freue mich, wenn ich mal einkaufen gehen kann, dann mache ich mich gefühlt so fertig, als würde ich in den Klub gehen (lacht). Auf den Fußball bezogen: Wird weitergespielt, wird abgebrochen? Am Ende entscheiden wir das nicht, sondern die Verbände. In deren Haut möchte ich nicht stecken. Denn egal was sie entscheiden: Es wird immer Leute geben, die es falsch finden.

Brügmann: Könnte Abbruch nicht einfach akzeptieren

Glauben Sie, dass es Klagewellen gegen diverse Entscheidungen geben könnte?

Ich kann es nicht ausschließen – ein Verein wird eventuell um den Lohn der Arbeit gebracht, hat dafür schlimmstenfalls richtig Geld investiert, was dann weg ist. Bei uns in der Regionalliga Nordost spielen wir mit Energie Cottbus auch um den Aufstieg. Egal wie entschieden wird: Es ist eine Menge Geld im Spiel, sportliche Schicksale hängen davon ab. Ich könnte einen Abbruch als Sportler wahrscheinlich nicht einfach akzeptieren. Nehmen wir doch nur das Beispiel MSV Duisburg – mein Ex-Verein – in der 3. Liga. Die stehen die gesamte Saison vorn und sollen am Ende nicht aufsteigen? Auf der anderen Seite plädieren Vereine für den Saisonabbruch, damit sie so die Chance auf den Klassenerhalt haben. Das wäre falsch. Auch in der Krise herrscht im Fußball weiter der Egoismus.

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Weil Spieler und vor allem die Vereine um Existenzen kämpfen.

Natürlich, das bleibt ja nicht aus – vor allem unterhalb der beiden Profi-Ligen. In Cottbus wurde für uns Spieler und Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt. Ich glaube, dass viele Vereine in Deutschland finanzielle Probleme bekommen oder schon haben. Ab der 3. Liga sind alle Vereine vor allem von den Zuschauereinnahmen und den Einnahmen rund um die Spieltage abhängig. Was wird aus diesen Klubs? Oder aus Spielern, dessen Verträge im Sommer auslaufen? Normalerweise wäre aktuell die heiße Scouting-Phase. Die Klubs und die Spieler können nicht planen, weil niemand weiß, ob es Geld für einen neuen Vertrag gibt.

Vertrag läuft bis Sommer 2021

Sie haben immerhin noch einen gültigen Vertrag.

Das stimmt, darüber bin ich froh aber das ist derzeit nicht das Thema. Wir sind alle im Unklaren. Wir werden aber regelmäßig vom Trainer und den Fitnesstrainern "abgeholt". Wir bekommen regelmäßig neue Trainingspläne für zu Hause.

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Promis wie beispielsweise Kommentator Wolff Fuss (von links), Politiker Cem Özdemir oder auch Nationalspieler Jonas Hector sind bei der Hilfsaktion #Spendedeinetrikotnummer mit dabei. ©

Wie trainieren Sie denn aktuell?

Bei uns gibt es kein Cyber-Training wie beispielsweise beim FC Bayern. Mein Bruder und ich trainieren, soweit es geht, zu Hause oder wir machen Ausdauerinhalte – so gesehen hatte Energie Cottbus die erste Zweier-Trainingsgruppe Europas (lacht). Mit dem Ball können wir nicht trainieren. Aktuell komme ich mir so vor, als würde ich für einen Marathon trainieren. Ansonsten mache ich normale Kraftübungen auf meiner Dachterrasse.

Brügmann: " Zwei Tage später ging nichts mehr"

Es wurde ja auch noch relativ lange Fußball gespielt.

Ich war damals sogar noch beim Champions-League-Spiel von RB Leipzig gegen Tottenham Hotspur. Zwei Tage später ging nichts mehr. Das war surreal und als der ganze Druck und die Anspannung abgefallen sind, wurde ich erst einmal krank.

Der offizielle Trailer: Das ist #GABFAF

Nun soll der Ball auch bald wieder rollen – mit Geisterspielen. Wie sehen Sie das als Spieler?

Wahrscheinlich gibt es kaum eine andere Möglichkeit, um die Chance auf einen regulären Betrieb zu haben. So ehrlich müssen wir wohl sein, das ganze Thema wird uns noch lange begleiten. Aber für Vereine außerhalb der Profiligen bringt das vor allem Nachteile, das ist auch klar. Ganz abgesehen davon, dass ich als Spieler natürlich lieber vor vollen Stadien spiele. Wenn das nicht geht - dann ist das traurig. Die Gesundheit aller steht im Vordergrund. Ich weiß aber nicht, wie wir wieder daraus kommen – und da geht es natürlich auch um die Kulturszene in Deutschland. Das gesamte Sozialleben bricht ja auch zusammen, der Breitensport geht so zugrunde. Aktuell sehen wir, wie wichtig Sport und Kultur für unsere Gesellschaft sind.

Es gibt Vereinsverantwortliche, denen vorschwebt, erst im Herbst wieder anzufangen und ab 2021 die Saison im Kalenderjahr zu spielen. Eine Idee, die für Sie Sinn ergibt?

Je später es wieder losgeht, desto geringer ist die Gefahr für die Gesundheit. Wenn ich wählen könnte, wäre das wohl die sinnvollste Variante. Auch wenn es wahrscheinlich nicht umsetzbar ist, weil Transferfristen und ähnlich Dinge dranhängen.

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Sie haben im Zuge der Aktion #Spendedeinetrikotnummer von Simon Zoller, #GABFAF und FC PlayFair auch für den Amateurfußball gespendet. Warum?

Wir dürfen nicht vergessen, woher wir kommen. Deshalb habe ich da gern mitgemacht – auch wenn ich kein Instagram nutze. Ich habe einfach gespendet – ich muss das nicht zur Schau stellen. Nach Beginn der Krise wurden wir Fußballer ja regelrecht aufgefordert, zu spenden. Wir können aber auch nicht dafür gerade stehen, auch wenn vor allem die prominenten Spieler Millionen verdienen. Dass so viele Spieler inzwischen gespendet haben, ist nobel.