08. Oktober 2020 / 09:00 Uhr

Nächster Schritt auf dem Weg zum "kompletten Spieler": Das fast perfekte Debüt von Nationalspieler Neuhaus

Nächster Schritt auf dem Weg zum "kompletten Spieler": Das fast perfekte Debüt von Nationalspieler Neuhaus

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Florian Neuhaus hat gegen die Türkei sein Debüt für die deutsche A-Nationalmannschaft gegeben.
Florian Neuhaus hat gegen die Türkei sein Debüt für die deutsche A-Nationalmannschaft gegeben. © Getty Images/Montage
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Als Neu-Nationalspieler ist Florian Neuhaus seinem Ziel, ein möglichst "kompletter Spieler" zu werden, ein weiteres Stück näher gekommen. Das A-Länderspieldebüt ist der vorläufige Höhepunkt in der Karriere des bodenständig gebliebenen Gladbach-Profis.

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Es hätte ein nahezu perfekter Einstand sein können für Florian Neuhaus, den 108. Debütanten unter der Ägide von Bundestrainer Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft. Wenn der eingewechselte Jonathan Tah ihn als letzter Mann mit seinem Pass nicht unnötig in die Bredouille gebracht hätte. Wenn Schiedsrichter Benoit Bastien zumindest ein Foul geahndet hätte, als Neuhaus – nach klarem Dafürhalten im DFB-Lager unrechtmäßig – vom türkischen Nationalspieler Efecan Karaca angegangen wurde.

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Dem war aber nun mal nicht so, weswegen es letztendlich der Profi von Borussia Mönchengladbach war, dem der Ball in der äußerst bedrohlichen Position abhanden kam – Karaca gelang daraufhin das 2:2, und den Türken in der Nachspielzeit sogar der Treffer zum 3:3-Endstand. Perfekt ist dann schon noch mal etwas anderes als so ein spätes Unentschieden gegen einen nicht allzu namhaften Gegner, auch wenn es nur ein Testspiel war, das am Mittwochabend im Kölner Rheinenergiestadion ausgetragen wurde.

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Und so verbuchte auch Neuhaus sein erstes A-Länderspiel zwar in der für ihn persönlich höchsten Kategorie ("ein ganz besonderer Tag, wenn nicht der größte meiner Karriere") – er hatte in seinem ersten Spiel ja gleich einen Treffer erzielen können zum zwischenzeitlichen 2:1, "mit links habe ich ihn ins Eck gelegt" –, doch der 23-Jährige erklärte natürlich auch, dass er seinem Beruf als Fußballer hauptsächlich deshalb nachgehe, um den Platz in möglichst vielen Fällen als Sieger zu verlassen. Der Gladbacher verspürte somit auch einen gewissen "Ärger", dass dieses Vorhaben gegen die türkische Auswahl nicht geklappt hatte.

Begünstigt worden aus Sicht der Gäste war das Remis auch von seinem folgenschweren Ballverlust, den Neuhaus nach Spielende als „blöde Situation“ umschrieb. "Für mich hat es sich angefühlt wie ein Foul, ich glaube auch nicht, dass er den Ball spielt", schätzte er das Karaca-Einsteigen als zu resolut ein – und bekam dabei auch verbalen Beistand vom Bundestrainer. „Beim Gegentor muss man sagen, dass es ein klares Foulspiel war. Daher kann er da nichts tun“, meinte Löw, der sich ansonsten "zufrieden" zeigte mit seinem nächsten DFB-Neuling, der auch gleich in der (B-)Startelf gestanden hatte: "Er hat ein gutes Spiel gemacht, hatte viele Aktionen, war ballsicher und hat ein schönes Tor erzielt."

Dass sich Neuhaus mit Debüt und Tor einen Kindheitstraum erfüllte, wie es sich bereits sein Gladbacher Teamkollege Christoph Kramer am Vorabend bei der SPORTBUZZER Network Light gewünscht hatte, ließ er bereits vor etwas mehr als einem Jahr durchblicken, im Sommer 2019, als er rund um die Europameisterschaft mit der U21-Nationalmannschaft in Italien hartnäckig als nächster A-Nationalspieler gehandelt wurde. Ein Traum wäre das, aber mehr wollte er damals lieber nicht dazu sagen. Als Lautsprecher gilt der in der Jugend von 1860 München ausgebildete Mittelfeldspieler ohnehin ganz und gar nicht. Neuhaus, dem sein Profi-Durchbruch in der Saison 2017/18 gelang, als er von Borussia Mönchengladbach an den damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ausgeliehen war, legt Wert auf im Profitum immer selten werdende Eigenschaften wie Beständigkeit und Bodenständigkeit.

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Für Neuhaus bedeutet Luxus, seine Familie zu besuchen

Als Neuhaus im SPORTBUZZER-Interview ausführen sollte, was ihm Luxus bedeute, antwortete er: Zeit. Und wenn er, als Fußballer kommt das ja selten vor, mal ausnahmsweise ein Wochenende frei haben sollte, freue er sich am allermeisten darauf, nach Hause ins bayrische Kaufering zu kommen. Er geht dann noch immer mit seinem Bruder und seinen besten Freunden auf den Bolzplatz. "Dafür braucht man auch nur ganz geringe Mittel, es reicht ein Ball und das war’s."

Auf einem solchen Platz, "einem roten Hartplatz aus Gummi mit Handballtoren" – auch wenn dieser mittlerweile durch einen Kunstrasen-Soccercourt ersetzt wurde – hat der technisch wie strategisch herausragende Mittelfeldspieler die Grundlagen dafür gelegt, dass Mitspieler von den "Straßenfußballerskills" des Florian Neuhaus schwärmen. Ihm selbst reicht das jedoch nicht, er will ein möglichst "kompletter Spieler" werden, wie er sagt. Als Neu-Nationalspieler ist er auf dem besten Weg dahin.