15. Juni 2019 / 08:00 Uhr

Vor der U21-EM: Florian Neuhaus über Luxus und sein Faible für Özil, Micoud und Ailton

Vor der U21-EM: Florian Neuhaus über Luxus und sein Faible für Özil, Micoud und Ailton

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
U21-Nationalspieler Florian Neuhaus vor dem EM-Start im SPORTBUZZER-Interview
U21-Nationalspieler Florian Neuhaus vor dem EM-Start im SPORTBUZZER-Interview © imago/Sven Simon
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Florian Neuhaus von Borussia Mönchengladbach spricht vor dem Start der U21-EM im SPORTBUZZER-Interview über Führungsrollen im DFB-Team, Karriere-Zwischenschritte und Freizeit. Zudem erklärt er seine besondere Beziehung zu Werder Bremen.

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SPORTBUZZER: Herr Neuhaus, darf man behaupten, dass in Ihrer Karriere bisher vieles nach Plan gelaufen ist?

Florian Neuhaus (22): Das kann ich mit Blick auf die letzten zwei Jahre schon sagen. Ich habe mich erstmal bewusst nach Düsseldorf in die 2. Liga ausleihen lassen – habe dort eine ganze Saison im Profifußball durchgespielt, wurde zum Leistungsträger. Das hat mir alles sehr gut getan. Dass es dann in meinem ersten Jahr in Mönchengladbach auch so gut geklappt hat, macht mich glücklich.

Für andere Spieler geht es im Profifußball manchmal von null auf hundert – dabei verglühen einige Stars aber auch wieder relativ schnell. Ist Ihr Weg der nachhaltigere?

Da muss jeder für sich ein Gefühl entwickeln, wie weit er ist – ob er schon direkt den Sprung nach oben schafft, oder ob es nicht vielleicht besser wäre, Zwischenschritte zu gehen. In meinem Fall war das der bessere Weg, aber der hätte auch schief gehen können. Wenn ich in Düsseldorf wenig gespielt oder mich verletzt hätte, hätte es vielleicht geheißen: In der 2. Liga hat er es ja auch nicht geschafft…

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War Ihnen dieses Risiko vorab bewusst?

Ja, aber ich war auch so klar im Kopf, dass ich mich voll darauf eingelassen habe. Deshalb habe ich nie an dem Weg gezweifelt und bin im Nachhinein einfach froh, wie es gekommen ist.

Ist die U21 auch eine Mannschaft, mit der man so einen Zwischenschritt machen kann?

Klar, das ist ein super Sprungbrett. Man hat hier auch englische Wochen, ist viel unterwegs, trifft in spannenden Spielen auf andere Top-Nationen – das tut einem als junger Spieler sehr gut.

Sie sind nun als Stammspieler von einem deutschen Topklub angereist, kommt Ihnen damit automatisch eine tragende Rolle im Team zu?

Ich bin schon mit einer breiteren Brust hierher gekommen und will die anderen Spieler mitziehen. Das ist ja auch das Schöne an der U21, es gibt keine so klare Hierarchie wie im Verein mit den erfahreneren Spielern. Jeder kommt hierher, um Verantwortung zu übernehmen. Nun wollen wir bei der EM gemeinsam den nächsten Schritt gehen.

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Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  Zur Galerie
Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  ©
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Allerdings, wie immer wieder zu hören ist, ohne sich dabei zu wichtig zu nehmen.

Absolut. Wir sind alle in etwa gleich alt, haben die gleichen Sachen im Kopf, es gibt keine Starallüren. Dass sich einer besser fühlt als der andere, kommt einfach nicht vor. Deshalb freuen wir uns alle ja auch immer wieder, zur U21 zu kommen. Hier kann jeder ein Stück weit noch Kind sein. Wenn wir zum Beispiel am Pool sind, schmeißen wir uns gern gegenseitig rein. (lacht) Und das alles genießen wir ungemein.

Wie oder was genießen Sie privat, wann haben Sie sich das letzte Mal etwas gegönnt?

Wir haben von Fortuna Düsseldorf vor einem Jahr eine Aufstiegsuhr bekommen.

Das ist alles?

Klar, als Profi ist die Unabhängigkeit etwas Schönes. Wenn man etwas essen gehen möchte, muss man nicht mehr unbedingt darüber nachdenken, ob man sich das leisten kann. Aber der größte Luxus für mich ist eigentlich: Zeit.

Inwiefern?

Das hört sich zwar doof an, aber wir Fußballer sind sehr eingespannt, haben relativ wenige Tage am Stück frei, in einer normalen Woche meistens nur einen. Wir haben kein klassisches Wochenende, wie ein normaler Arbeiter, der Freitagnachmittag Schluss machen kann.

Was treiben Sie dann, wenn Sie diese Zeit mal haben?

Ich freue mich immer noch am meisten, wenn ich nach Hause nach Kaufering komme und mit meinen Brüdern und meinen besten Freunden auf den Bolzplatz gehen kann. Dafür braucht man auch nur ganz geringe Mittel, es reicht ein Ball und das war’s.

Haben Sie sich dort auch Ihre Straßenfußballer-Skills angeeignet, von denen aus der Mannschaft zu hören ist?

Mag sein. (schmunzelt) Wir haben früher auf einem roten Hartplatz aus Gummi mit Handballtoren angefangen. Mittlerweile steht dort ein Soccercourt mit Kunstrasen und Netzen drum herum. Da habe ich sicher eine Menge mitgenommen, weil man viele Eins-gegen-Eins-Duell hat und immer wieder Überzahlsituationen kreieren muss.

In Ihrem Kinderzimmer hingen damals Poster der Spielmacher von Werder Bremen an der Wand: Johan Micoud, Diego, Mesut Özil.

(lacht) Das stimmt. Als Bremen 2004 Deutscher Meister wurde, hat mir mein Onkel ein Ailton-Trikot geschenkt, seitdem bin ich Werder-Fan. Von den Dreien konnte man sich schon einiges abschauen, weil sie in den entscheidenden Situationen immer einen kühlen Kopf bewahrt haben. Später hatte ich dann auch Trikots von ihnen.

Sehen Sie sich selbst ebenfalls als Spielmacher?

Ich will ein relativ kompletter Spieler sein, der aber auch seine Aktionen nach vorn hat und Spiele mitentscheiden kann. In Sachen Vorlagen (neun, d. Red.) ist mir das dieses Jahr gut gelungen, bei den Toren (drei, d. Red.) war noch Luft nach oben. Aber ich will auch defensiv noch besser werden.

Die Nummer zehn, die Sie damals in den Werder-Trikots auf dem Rücken trugen, ist also nichts für Sie?

Ich habe hier bei der U21 die 19, das war schon meine erste Nummer bei 1860 München. Und eins und neun ergibt ja auch zehn. (lacht)

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